Umfrage der Grünen: In der Oberpfalz zieht es bayernweit die meisten Menschen in die Stadt
Große Sehnsucht in kleinen Dörfern

"Aufgemotzte Klingeldrähte bieten aber keine Zukunft." Zitat: Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann
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Bayern
15.09.2016
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Johannesberg. Nach einer von den Landtags-Grünen in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage leben 97 Prozent der ländlichen Bevölkerung Bayerns gern auf dem Land. Allerdings können sich 24 Prozent der Befragten in Ortschaften mit weniger als 5000 Einwohnern auch vorstellen, in eine größere Stadt zu ziehen. In der Oberpfalz sind es sogar 31,6 Prozent - im Norden des Bezirks genauso wie im Süden. Das sind die bayernweit höchsten Werte.

In der Planungsregion Oberpfalz-Nord nannten 28 Prozent derer, die einen Umzug nicht ausschließen, die bessere Infrastruktur und Versorgung in den Städten. Zudem gaben 21 Prozent das größere Freizeit-, Kultur- und Gastronomieangebot und 20 Prozent soziale Aspekte an. Aufgeführt wurden zudem bessere Einkaufsmöglichkeiten und attraktivere Arbeitsplätze (je zwölf Prozent). Abwanderungswillig sind vor allem junge und gut ausgebildete Menschen auf dem Land. Die Nordoberpfälzer, die einen Umzug in die Stadt ablehnen, führen als Hauptgrund dafür die höhere Lebensqualität auf dem Land an. 56 Prozent ist es in den Städten vor allem zu laut und zu hektisch. Gut ein Drittel der Wohnorttreuen nennt die soziale Verbundenheit und die Verwurzelung als Bleibegründe.

Bessere Verkehrsanbindung


Außerdem wollen 28 Prozent der Befragten wegen des Bezugs zu Landschaft und Natur nicht in die Stadt ziehen. Am meisten vermissen die Menschen in der nördlichen Oberpfalz laut Umfrage in ihren Dörfern eine bessere Verkehrsanbindung und Nahversorgung sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Letzteres vor allem für Jugendliche. Da sich diese Ergebnisse weitestgehend mit den Antworten aller gut 1000 Befragter in den strukturschwächeren Räumen Bayerns decken, hat die Grüne Landtagsfraktion am Mittwoch auf ihrer Klausurtagung in Johannesberg bei Aschaffenburg ein Positionspapier mit weitreichenden Forderungen zur Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum beschlossen.

Konkret fordern die Grünen schnellere Internetverbindungen für ganz Bayern. Nötig seien flächendeckend Bandbreiten von 100 Megabit pro Sekunde, erklärte Fraktionschef Ludwig Hartmann. Dazu müsse das Breitbandförderprogramm auf neue Füße gestellt und vollständig auf hochleistungsfähige Glasfaserkabel für alle Haushalte ausgerichtet sein. Derzeit würden noch Milliarden dafür ausgegeben, alte Kupferkabel zu ertüchtigen. "Aufgemotzte Klingeldrähte bieten aber keine Zukunft", betonte Hartmann. Mehr Unterstützung bräuchten die Orte zudem für die Aufrechterhaltung der Nahversorgung. Neben der Förderung von Dorfläden, in denen auch Dienstleistungen wie Bank- und Postgeschäfte angeboten werden müssten, sollten mobile Bringdienste in den Blick genommen werden. "Nahversorgung muss für alle ohne Auto möglich sein", heißt es in dem Papier.

"Mobilitätsgarantie"


Daran anknüpfend wollen die Grünen den öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum ausbauen. Angestrebt wird eine "Mobilitätsgarantie" an allen Wochentagen von 5 bis 24 Uhr im Stundentakt für jeden Ort im Freistaat. Möglich werden soll das durch regionale Verkehrsverbünde und den verstärkten Einsatz von Ruf- und Bürgerbussen. "Das wäre eine echte Zukunftsinvestition, die man jetzt anpacken muss", so Hartmann.

Aufgemotzte Klingeldrähte bieten aber keine Zukunft.Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann
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