Unruhiger Verhandlungstag vor den Prozessferien
Zeuge schwänzt, Anwälte streiten

Die Anwälte (von links) Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl unterhalten sich im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München. Im Prozess um die Morde und Terroranschläge des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gerieten die Parteien am Montag heftig in Streit. Bild: dpa
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Bayern
02.08.2016
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München. Gleich mehrfach sind am Montag im Münchener NSU-Prozess Prozessbeteiligte aneinandergeraten. Die Verteidiger des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben warfen der Bundesanwaltschaft vor, Beweismittel zurückzuhalten. Mehrere Anwälte von Opfern des "Nationalsozialistischen Untergrunds" äußerten sich erbost über einen Vortrag von Rechtsanwalt Wolfgang Heer, einem der Pflichtanwälte von Beate Zschäpe. Zschäpes Vertrauensanwalt Hermann Borchert wiederum schnitt Heer das Wort ab, tolerierte dann aber nach einer Sitzungspause und Rücksprache mit Zschäpe dessen Vortrag. Mehrere Nebenkläger und die Wohlleben-Verteidigung stellten neue Beweisanträge.

Der einzige für Montag geladene Zeuge konnte nicht vernommen werden, da er nicht erschien. Wohllebens Verteidiger Olaf Klemke beantragte, den Zeugen zwangsweise vorführen zu lassen, ihm die entstandenen Kosten aufzuerlegen und mit einer Geldbuße zu bestrafen. Das Gericht entschied darüber am Montag noch nicht.

In teils scharfen Worten attackierte Verteidiger Klemke auch die Bundesanwaltschaft. Diese habe Vernehmungsunterlagen nicht rechtzeitig zu den Prozessakten gegeben, sondern in einem anderen Ermittlungsverfahren "geparkt" und als "Puzzle" erst weitergereicht, "wenn's denn mal genehm ist".

Am heutigen Dienstag ist der letzte Prozesstag vor den Sommerferien. Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft an zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden vor.
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