Unterrichtsausfälle laut Lehrerverband vielerorts nicht mehr auszugleichen
„Notsituation“ an Schulen

"Schon zu Schuljahresbeginn stand die Lehrerversorgung auf dünnem Eis, jetzt ist das Eis vielerorts eingebrochen." Zitat: Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, über Unterrichtsausfälle
Politik BY
Bayern
06.06.2016
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München. Nach Einschätzung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) ist es um die Unterrichtsversorgung an vielen bayerischen Schulen schlecht bestellt. Die meisten Schulen seien nicht mehr in der Lage, den Stundenausfall wegen erkrankter oder verhinderter Lehrer adäquat zu ersetzen. "Schon zu Schuljahresbeginn stand die Lehrerversorgung auf dünnem Eis, jetzt ist das Eis vielerorts eingebrochen", umschrieb die BLLV-Vorsitzende Simone Fleischmann die Situation. Die Folge sei, dass an vielen Schulen Lernen und Bildung "nur noch auf Schmalspur" laufe. "Wir befinden uns in einer Notsituation."

Nach Zahlen aus dem Kultusministerium fallen im Wochendurchschnitt 1,7 Prozent der Unterrichtsstunden ersatzlos aus. Konkret sind das jede Woche knapp 42 000 Stunden. Weitere 207 000 Stunden (8,4 Prozent) werden nicht planmäßig erteilt. In diesen Fällen wird der Unterricht vor allem durch Überstunden anderer Lehrkräfte sowie die Zusammenlegung von Klassen und den Einsatz von fachfremdem oder geringer qualifiziertem Personal gewährleistet. "Das entspricht nicht der Unterrichtsqualität, die wir uns wünschen", sagte Fleischmann. Vielfach müssten ergänzende Angebote zur individuellen Förderung entfallen.

Am günstigsten ist die Lage laut Ministerium an den Grundschulen, wo insgesamt 8 Prozent der Stunden ausfallen oder nicht planmäßig erteilt werden, mit 12,3 Prozent am schlechtesten an den Realschulen. An den Mittelschulen beträgt die Quote 11,2 Prozent, an den Gymnasien 11,3 Prozent. Neben einer spürbaren Aufstockung der mobilen Lehrerreserve forderte Fleischmann eine besser am örtlichen Bedarf ausgerichtete Lehrerzuweisung an die einzelnen Schulen. Die Bedarfsplanung des Kultusministerium sei zu sehr darauf ausgerichtet, die Unterrichtsversorgung in der Theorie sicherzustellen. Es gebe aber keine Puffer, um erwartbare Absenzen von Lehrkräften schulintern auszugleichen.

Schon zu Schuljahresbeginn stand die Lehrerversorgung auf dünnem Eis, jetzt ist das Eis vielerorts eingebrochen.Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, über Unterrichtsausfälle
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