Verfassungsschutz warnt
Salafisten werben um Flüchtlinge

"Es bereitet uns Sorge, wenn Salafisten und andere Islamisten Werbung in den Asylunterkünften machen." Zitat: Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz
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Bayern
15.08.2016
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Islamisten tummeln sich rund um Asylunterkünfte, um Flüchtlingen ihre Ideologie einzuflüstern. Verfassungsschützer haben Hunderte Anwerbeversuche gezählt.

Berlin/Weiden. (dpa/paa) Der Verfassungsschutz beobachtet mit Sorge die Versuche radikaler Islamisten, unter Flüchtlingen Mitstreiter anzuwerben. "Es gibt bislang mehr als 340 Fälle, die uns bekannt geworden sind", sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. "Aber das sind nur die, von denen wir erfahren haben. Vermutlich gibt es mehr Fälle." Maaßen sagte, der Verfassungsschutz habe Betreiber von Flüchtlingsheimen für das Problem sensibilisiert und ihnen Informationen dazu an die Hand gegeben. "Es bereitet uns Sorge, wenn Salafisten und andere Islamisten Werbung in den Asylunterkünften machen."

In Weiden hatte im März auch ein Vertreter des vom Verfassungsschutz als salafistisch eingestuften Islamischen Zentrums Weiden e.V. an einem Gespräch muslimischer Vertreter mit Oberbürgermeister Kurt Seggewiß teilgenommen. Die Imame, darunter der Vertreter der Salafisten, kündigten damals an, auch in Asylunterkünften predigen zu wollen. In Schwandorf gab es Anfang des Jahres Versuche aus der Salafisten-Moschee heraus, Flüchtlinge zu missionieren (wir berichteten). Ein aus Marokko stammendes Mitglied bot sich Flüchtlingen als Kontaktmann an.

Es bereitet uns Sorge, wenn Salafisten und andere Islamisten Werbung in den Asylunterkünften machen.Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz

Maaßen beklagte: "Bekanntermaßen sind unter den Asylsuchenden sehr viele junge Männer mit sunnitischer Konfession. Die kommen oft aus konservativen islamischen Milieus und wollen freitags in eine arabischsprachige Moschee gehen." In Deutschland gebe es unter diesen zahlreiche islamistische, salafistische Moscheen. "Sie bilden ein Vorfeld der Radikalisierung. Das ist gefährlich. Deshalb haben wir eine Vielzahl unter Beobachtung genommen", sagte Maaßen. "In Deutschland ist es so, dass die arabischsprachige Moscheenlandschaft nicht organisiert ist. Von staatlicher Seite besteht da relativ wenig Einflussmöglichkeit."

Kemptener Erhan A. getötet


Unterdessen soll der aus Kempten stammende Salafist Erhan A. in Syrien getötet worden sein. In sozialen Netzen wurde am Wochenende berichtet, er sei während der Kämpfe in den Bergen bei Latakia gestorben. Der junge Mann, der 2014 in einem Interview die Enthauptungen westlicher Journalisten durch die Terrororganisation IS gerechtfertigt hatte, hatte vor einem Jahr auf Facebook berichtet, er sei in Syrien. Bayern hatte ihm zunächst seinen Pass abgenommen und im Oktober 2014 in seine Heimat Türkei abgeschoben. Die Entscheidung wurde als Terrorexport kritisiert. Im Februar 2016 bestätigte der Verwaltungsgerichtshof die Abschiebung als rechtmäßig.


ARD-Bericht über Erhan A.




Islamisten-SzeneDer Verfassungsschutz rechnet mehr als 43 000 Menschen zur islamistischen Szene in Deutschland. Rund 8650 Leute werden der Salafisten-Szene zugerechnet. Etwa 1100 Menschen werden dem "islamistisch-terroristischen" Spektrum zugeordnet. Darunter sind fast 500 Gefährder - also Menschen, denen die Polizei zutraut, dass sie einen Terrorakt begehen könnten. Mehr als 800 Islamisten sind nach Syrien und in den Irak ausgereist. Ein Drittel ist wieder zurückgekehrt, davon 22 nach Bayern. Mindestens acht Islamisten aus Bayern sind in Syrien oder im Irak bereits verstorben. Bundesweit ist bei etwa 70 bekannt, dass sie Kampferfahrungen gesammelt haben. (dpa/paa)
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