Verzögerungstaktik im NSU-Prozess
Bundesanwalt kritisiert Zschäpes Schweigen

Politik BY
Bayern
03.08.2016
27
1

München. Am letzten Verhandlungstag vor der Sommerpause im Münchener NSU-Prozess hat Bundesanwalt Herbert Diemer die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe im NSU-Prozess mit deutlichen Worten kritisiert. Die mühselige und langwierige Prozedur ihrer Vernehmung gebe es nur deshalb, weil sie sich weigere, Fragen mündlich in der Verhandlung zu beantworten und stattdessen nur nach "reiflicher Prüfung" Antworten von ihren Anwälten verlesen lasse, monierte Diemer am Dienstag. Der nächste Verhandlungstag im NSU-Mammutprozess ist für den 31. August geplant.

Bundesanwalt Diemer widersprach am Dienstag pauschal Beanstandungen, die Zschäpes Plichtverteidiger Wolfgang Heer am Vortag zu einzelnen Fragen von Nebenklägern angebracht hatte. Diese Fragen der Nebenkläger seien "nicht unzulässig und entehrend" gewesen, sagte Diemer. Angesichts der von Zschäpe gewählten Methode müsse es möglich sein, Fragen bis in den juristischen "Grenzbereich" zu stellen. Sonst könnten sie als spätere Nachfragen erneut auftauchen. Damit drohe in dem Prozess um rassistisch motivierte Morde des "Nationalsozialistischen Untergrunds" eine "endlose Schleife der Befragung", was aber "zeitlich nicht vertretbar" sei. Das Gericht vernahm zudem einen früheren Leiter des polizeilichen Staatsschutzes in Jena. Dabei ging es um den mutmaßlichen NSU-Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben und dessen politische Einstellung.

Die beiden NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen mit der Pistole neun türkisch- und griechischstämmige Gewerbetreibende aus rassistischen Motiven ermordet haben. Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Sie ist als einziges überlebendes Mitglied des NSU wegen Mittäterschaft angeklagt.
Weitere Beiträge zu den Themen: NSU-Prozess (20)Beate Zschäpe (27)
1 Kommentar
17
Peter Sporrer aus Vohenstrauß | 23.08.2016 | 23:13  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.