Von NSU-Morden angeblich nichts gewusst
Beate Zschäpe gibt die naive Mitläuferin

Freudestrahlend begrüßt die Angeklagte Beate Zschäpe ihren neuen Anwalt Mathias Grasel. Rund 90 Minuten dauert es, bis Grasel die 53-seitige Erklärung der mutmaßlichen Rechtsterroristin verlesen hat. Bild: dpa
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Bayern
10.12.2015
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Sie habe von den Morden nichts gewusst und sei "entsetzt" gewesen, als sie davon erfuhr. Beate Zschäpe legt ihre Sicht auf die Verbrechen der Terrorgruppe NSU dar. Die Angehörigen der Opfer nehmen ihre Entschuldigung nicht an.

München. Nach jahrelangem Schweigen hat die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe jede Beteiligung an den Morden und Sprengstoffanschlägen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) bestritten. Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München ließ Zschäpe ihren Anwalt Mathias Grasel am Mittwoch eine 53-seitige Aussage verlesen.

In der Erklärung beteuerte sie, sie habe von den Morden und Anschlägen ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt immer erst im Nachhinein erfahren - und sei entsetzt und schockiert gewesen. Die beiden seien aber ihre "Familie" gewesen, deshalb habe sie sie nicht verlassen können. Zschäpe bat NSU-Opfer und deren Angehörige um Entschuldigung - die wiesen das als unglaubwürdig zurück.

Die 40-Jährige muss sich in dem Prozess als Mittäterin an allen Verbrechen verantworten, die dem NSU angelastet werden. Sie ist die einzige Überlebende des Trios. Der Terrorgruppe werden zwischen den Jahren 2000 und 2007 zehn Morde zur Last gelegt, an neun türkisch- und griechischstämmigen Männern und einer Polizistin. Hinzu kommen zwei Sprengstoffanschläge in Köln und mehrere Banküberfälle.

Erst drei Monate nach dem ersten NSU-Mord an dem türkischen Blumenhändler Enver Simsek in Nürnberg im September 2000 will Zschäpe überhaupt mitbekommen haben, dass Mundlos und Böhnhardt mordeten. "Ich wusste von nichts", heißt es in ihrer Erklärung. Später habe sie die beiden mehrfach zur Rede gestellt und verlangt, dass sie mit dem Töten aufhören. Die beiden hätten sich daran aber nicht gehalten. Zudem hätten Böhnhardt und Mundlos ihr mit Selbstmord gedroht, falls sie zur Polizei gehen sollte.

"Regelrecht ausgeflippt" sei sie, als Mundlos und Böhnhardt ihr von dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn erzählten. Da sei sie "hysterisch" und "handgreiflich" geworden. Sie sei auch kein Mitglied der Terrorgruppe NSU gewesen. Eine solche Gruppe habe es gar nicht gegeben. Sie räumte aber ein: "Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich zehn Morde und zwei Bombenanschläge nicht verhindern konnte."

Das Gericht will Zschäpes Aussage nun aufarbeiten. Der ursprünglich für heute anberaumte Verhandlungstermin wurde gestrichen. Es geht erst am Dienstag weiter. (Seite 3)
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