Vorwürfe in der Flüchtlingspolitik
Bayerische AfD greift Kirchen an

Ich finde das ziemlich unverschämt.
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Bayern
27.05.2016
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Erst wettert die AfD gegen den Islam. Dann erhebt sie massive Vorwürfe gegen die katholische und die evangelische Kirche. Der Vorwurf: Sie verdienten an der Flüchtlingskrise.

Leipzig/München. Aus der AfD kommt immer lautere Kritik an den beiden großen Kirchen. Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron warf der katholischen und der evangelischen Kirche vor, über ihre Wohlfahrtsverbände "unter dem Deckmantel der Nächstenliebe" ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen. Die katholische Kirche reagierte empört. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte: "Ich finde das ziemlich unverschämt."

Bystron unterstellte den großen Kirchen, sie hätten aus kommerziellen Gründen ein großes Interesse an weiterer Flüchtlingszuwanderung. "Die vordergründig propagierte Flüchtlingsfreundlichkeit finanziert zugleich eine gigantische Wohlfahrtsindustrie unter dem organisatorischen Dach der Kirchen", schrieb Bystron in einem Beitrag der "Huffington Post". Kirchliche Organisationen und Unterorganisationen nutzten zur Gewinnmaximierung oft die Hilfsbereitschaft unbezahlter Ehrenamtlicher über Monate aus, während sie Kommunen, Land und Bund für Aufbau und Betrieb von Flüchtlingsunterkünften saftige Rechnungen präsentierten. Bystron verlangte ein "Ende der Kirchensubventionierung durch Steuergelder". Kirchliche Träger etwa von Flüchtlingsheimen erhalten genau wie andere Betreiber Geld vom Staat. In den Kirchen gibt es aber auch eine Vielzahl von anderen Initiativen, Flüchtlingen bei der Integration zu helfen: So stellten Kirchengemeinden tausende Unterkünfte sowie Räume für Freizeit- und Beratungsangebote bereit. Bystron warf der katholischen Kirche außerdem vor, die AfD vom Katholikentag in Leipzig ausgeschlossen zu haben.

"Das unreflektierte Gerede von Herrn Bystron weise ich zurück. Es ist ein mit keinem einzigen Faktum belegtes Gequatsche, das wenig von einer sachlichen Diskussion zeugt", sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland wehrte sich gegen die Vorwürfe. "Die christlichen Kirchen in Deutschland haben kurzfristig einen zusätzlichen dreistelligen Millionenbetrag für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt", sagte Sprecher Carsten Splitt. "Angesichts dieses Kraftakts und des ehrenamtlichen Engagements vieler hunderttausend Menschen" entbehre die Äußerung Brystons jeglicher Grundlage.

Bystrons Position sei nicht mit dem Bundesvorstand abgestimmt worden, sagte ein Parteisprecher auf Anfrage. Allerdings hatte Parteivize Alexander Gauland diese Woche in einem Interview der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" gesagt, die Kirchen versuchten in der Flüchtlingspolitik, "den Staat zu manipulieren".
Ich finde das ziemlich unverschämt.Der Berliner Erzbischof Heiner Koch zu Vorwürfen der AfD, die Kirchen würden an Flüchtlingen verdienen