Wohlleben bestreitet Beschaffung von Waffe für NSU
Angeklagter bricht sein Schweigen

Ralf Wohlleben steht in dieser Woche im Mittelpunkt des NSU-Prozesses. Archivbild: dpa
Politik BY
Bayern
17.12.2015
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Erst Beate Zschäpe, jetzt auch Ralf Wohlleben: Im NSU-Prozess hat ein weiterer Angeklagter sein Schweigen gebrochen. Er bestreitet jegliches Wissen von den Taten - und den Beihilfe-Vorwurf erst recht.

München. Der mutmaßliche NSU-Terrorhelfer hat Vorwürfe zurückgewiesen, die Mordwaffe für den "Nationalsozialistischen Untergrund" beschafft zu haben. Im NSU-Prozess vor dem Münchener Oberlandesgericht brach der 40-Jährige am Mittwoch sein Schweigen - und wies den Vorwurf der Beihilfe zum Mord zurück. Stattdessen beschuldigte er vor allem Carsten S., einen seiner Mitangeklagten. Wohlleben wird Beihilfe zum Mord in neun Fällen vorgeworfen - weil er die Waffe beschafft haben soll, mit der neun Migranten erschossen wurden.

Von den zehn Morden und zwei Bombenanschlägen, die dem NSU angelastet werden, will Wohlleben "wie alle anderen" erst nach dem Auffliegen der Terrorgruppe im November 2011 erfahren haben. "Ich bedaure jede Gewalttat", sagte er und fügte hinzu: "Den Angehörigen der Opfer gilt mein Mitgefühl." Im Gegensatz zur Hauptangeklagten Beate Zschäpe trug er seine Aussage selbst vor. Heute will er auf erste Fragen antworten.

Wohlleben räumte ein, dass er von seinem damaligen Freund Böhnhardt in einem persönlichen Gespräch um die Beschaffung einer Waffe gebeten worden sei. "Hier äußerte er den Wunsch, dass ich mich nach einer scharfen Pistole für ihn umhören solle", berichtete er. "Er sagte, ich sollte darauf achten, dass es ein deutsches Fabrikat ist." Böhnhardt habe gesagt, er wolle nicht in Haft, sondern sich eher selbst erschießen. Er habe aber keine Waffe besorgen und am Suizid von Böhnhardt schuld sein wollen, erklärte Wohlleben. Schließlich habe Carsten S. - einer der fünf Angeklagten - von Böhnhardt oder Mundlos den Auftrag bekommen. Wohlleben bestritt insbesondere, in die Bezahlung der Waffe involviert gewesen zu sein. Er habe Carsten S. - der die Pistole schlussendlich besorgte - kein Geld gegeben. Diese Behauptung, die S. in seiner Aussage zu Prozessbeginn erhoben hatte und die sich auch in der Anklage wiederfindet, wies er zurück.

Von der Gewaltbereitschaft Mundlos' und Böhnhardts will der ehemalige NPD-Funktionär Wohlleben nicht gewusst haben. Er räumte aber ein, nach dem Untertauchen des NSU-Trios Kontakt zu den Dreien gehabt zu haben: bei mehreren Telefonaten und persönlichen Treffen. Er habe sie allerdings nur unterstützt, weil er über Jahre mit ihnen befreundet gewesen sei.

Den Behörden warf Wohlleben Versagen vor. Es sei ihm unerfindlich, warum der Staat die Untergetauchten nicht aufgespürt habe. Schon mit Blick auf die ersten Jahre nach dem Verschwinden der drei 1998 sagte er, hätte man sie finden wollen, wäre das seiner Meinung nach mit Hilfe von Tino Brandt möglich gewesen. Brandt war damals gut bezahlter V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes. (Kommentar und Seite 5)
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