Zu viel Essen landet auf den Müll
Weniger Lebensmittel wegwerfen

Helmut Brunner. Archivbild: Hartl
Politik BY
Bayern
18.10.2016
19
0

München. Bayern sagt der Lebensmittelverschwendung den Kampf an. Unter der Federführung von Agrarminister Helmut Brunner legte das vor einem Jahr gegründete Bündnis "Wir retten Lebensmittel" seinen ersten Aktionsplan vor. Ziel ist es, das Wegwerfen noch verzehrbarer Lebensmittel zu vermeiden. In Bayern gehen auf dem Weg vom Erzeuger zum Endverbraucher jährlich rund 1,3 Millionen Tonnen Lebensmittel verloren.

Damit könnten laut Brunner die Einwohner des Freistaats rechnerisch 70 Tage lang versorgt werden. "Wir wollen deshalb alle Akteure der Wertschöpfungskette vom Feld bis zum Teller für mehr Wertschätzung im Umgang mit Lebensmitteln sensibilisieren", erklärte er. Dem Bündnis haben sich von den Standesvertretern der Bauern über den Handel und die Gastronomie bis hin zu Verbraucherverbänden 38 Verbände, Vereine und Behörden, aber auch Privatunternehmen angeschlossen. Mit zahlreichen Maßnahmen soll der Wegwerfmentalität entgegengewirkt werden. So soll an den Schulen ein "Lebensmittelretterführerschein" eingeführt, die Information der Verbraucher über die Haltbarkeit und das richtige Lagern von Lebensmitteln verstärkt und in Handel und Gastronomie durch genauere Nachfrageprognosen eine bessere tägliche Bedarfsplanung erreicht werden. Dies betrifft vor allem den Einkauf von Obst, Gemüse und Backwaren. Vertreter des Handels forderten von den Politik eine Überarbeitung der Regelungen für das Mindesthaltbarkeitsdatum. Dieses werde von Verbrauchern oft als "Wegwerfdatum" missverstanden, sagte der Vizepräsident des Handelsverbandes, Matthias Zwingel. Aus seiner Sicht sei nur für frische und schnell verderbliche Ware ein Verfallsdatum sinnvoll. Bei lang haltbaren Lebensmitteln sei es entbehrlich. Landesbäuerin Anneliese Göller forderte mehr hauswirtschaftliche Bildung an allen Schularten und eine Informationskampagne zur "kreativen Resteverwertung".

Brunner betonte, ausreichende und gesunde Ernährung seien keine Selbstverständlichkeit. "Es ist deshalb beschämend, dass nach wie vor riesige Mengen Lebensmittel auf dem Müll landen", sagte Brunner. In unserer Wohlstandsgesellschaft herrsche die Erwartung, "jeden Tag alles auf dem Teller haben zu können". Dies führe auch bei Herstellung und Transport zu einem nicht akzeptablen Ressourcenverbrauch. Brunner riet daher, vermehrt zu regionalen und saisonalen Produkten zu greifen. Gesetzliche Regelungen lehnte Brunner ab. Er setze auf Information der Verbraucher und die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft.
Weitere Beiträge zu den Themen: Lebensmittel (28)Wegwerfen (2)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.