Zug-Attacke bei Würzburg
Ermittler prüfen Rolle des IS

Syrische Flüchtlinge demonstrieren am Mittwoch in der Würzburger Innenstadt, um sich von dem Angriff des 17-Jährigen in einem Regionalzug zu distanzieren. Die Kundgebung stehe unter dem Motto "Nicht in meinem Namen", sagten Sprecher von Veranstaltern und Polizei. Bild: dpa
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Bayern
21.07.2016
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Wie eng war die Verbindung des Attentäters von Würzburg zum IS? Die Bundesanwaltschaft hält es für möglich, dass der Afghane Mitglied der Terrormiliz war. Der Bundesinnenminister spricht von einem "Grenzfall".

Würzburg/Karlsruhe. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen zum Axt-Angriff eines 17-jährigen Afghanen in einem Zug bei Würzburg übernommen. Es bestehe der Verdacht, "dass der Attentäter die Tat als Mitglied des sogenannten Islamischen Staats (IS) zielgerichtet begangen hat", teilte die Behörde am Mittwoch in Karlsruhe mit. Die Bundesanwaltschaft verfolgt Straftaten gegen die innere Sicherheit der Bundesrepublik. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte dagegen in Berlin, der Attentäter sei ein Einzeltäter, der sich durch die Propaganda der Terrormiliz IS "angestachelt" gefühlt habe. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden hatte der 17-Jährige keinen konkreten Auftrag vom IS erhalten.

Der Flüchtling hatte am Montagabend in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld vier Menschen mit einer Axt und einem Messer angegriffen. Bei den Opfern handelte sich um eine Urlauberfamilie aus Hongkong. Danach attackierte er während seiner Flucht eine Spaziergängerin. Polizisten eines Sondereinsatzkommandos erschossen den Mann. Zwei seiner Opfer schweben in Lebensgefahr.

Ruf nach mehr Polizei


Die Bundesanwaltschaft begründete die Übernahme der Ermittlungen damit, dass die Terrororganisation IS die Tat für sich reklamiert. Außerdem habe das IS-Sprachrohr Amak ein Video des Attentäters veröffentlicht. "Vor diesem Hintergrund ist zu klären, ob weitere bislang unbekannte Tatbeteiligte oder Hintermänner in die Tat eingebunden waren." Die Behörde ermittle daher wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und versuchten Mordes "gegen nicht namentlich bekannte Beschuldigte". Ermittlern zufolge hatte die Tat einen islamistischen Hintergrund. Der 17-Jährige bezeichnete sich selbst in der Videobotschaft als Kämpfer des IS. Das Bekennervideo enthalte aber keine Hinweise auf eine Anordnung des IS, sagte de Maizière in Berlin. "Es ist vielleicht auch ein Fall, der im Grenzgebiet zwischen Amoklauf und Terror liegt", sagte er und sprach sich für mehr Videoüberwachung, mehr Polizei, und besseren Schutz der Polizeibeamten aus.

De Maizière sieht bisher keinen Anlass, an der afghanischen Nationalität des Attentäters zu zweifeln. Gegen die Annahme, es könne sich um einen Pakistaner handeln, spreche, dass möglicherweise der Tod eines Freundes in Afghanistan ein auslösendes Motiv gewesen sein solle. Zudem gebe es einen Antrag auf Zusammenführung der Familie - und dieser beziehe sich auf Afghanistan.

Gesicht abgeglichen


Die Ermittler äußern sich noch nicht dazu, wann das Bekennervideo aufgenommen wurde und ob der 17-Jährige den Text dafür allein verfasst hat. Das bayerische Innenministerium bestätigte lediglich die Echtheit des Videos. Dafür wurden Gesichtsvergleiche des Bundeskriminalamtes genutzt. Zudem hätten Zeugen auf dem Video klar erkannt, dass dieses in Würzburg aufgenommen wurde.

Die zwei Opfer, die in Lebensgefahr schweben, werden in Würzburg behandelt. Dabei handelt es sich um den 62-jährigen Vater der Urlauberfamilie aus Hongkong und den 30-jährigen Freund der Tochter. Die Staatsanwaltschaft Würzburg leitet unterdessen die Ermittlungen zu den Schüssen, die den 17-Jährigen töteten. Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Bardo Backert wurde der Mann von vier Kugeln getroffen. Zwei der Schüsse waren demnach tödlich. (Seite 5)

Es ist vielleicht auch ein Fall, der im Grenzgebiet zwischen Amoklauf und Terror liegt.Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU)
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