Schnappauf fordert Stallpflicht - Bund sieht Länder in der Verantwortung
Bayern verbietet Geflügelmärkte

Politik
Bayern
10.03.2016
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Aus Sorge vor einer möglichen Ausbreitung der Vogelgrippe verbietet Bayern ab Montag Geflügelmärkte sowie Vogelbörsen und -Ausstellungen. So sollen größere Tieransammlungen und ein damit verbundenes Infektionsrisiko vermieden werden, teilte das Verbraucherschutzministerium in München am Freitag mit. Die Verordnung gilt zunächst unbefristet.

Zugleich forderte Verbraucherminister Werner Schnappauf (CSU) Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) auf, eine deutschlandweite Stallpflicht für Geflügel zu verhängen. Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein hatten dies bereits Mitte September in eigener Regie verhängt. Schnappauf will noch warten, ob der Bund entsprechende Maßnahmen ergreift.

Eine allgemeine Stallpflicht für Geflügel lehnt der Bund ab. Vielmehr sei dies von den Ländern zu leisten, sagte der Staatssekretär des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Alexander Müller. Sie hätten die Risikobewertung vorzunehmen. Die Bundesregierung habe eine Eilverordnung vorbereitet, mit der die EU-Maßnahmen umgesetzt werden könnten.

Die EU-Verordnung sehe vor, alle Maßnahmen "abhängig von den lokalen Verhältnissen" anzuordnen, sagte Müller. Die Kommission wolle erreichen, dass Kontakte zwischen Hausgeflügel und wilden Vögeln vermieden werden, dass Gewässer mit vielen Zugvögeln verstärkt kontrolliert werden, dass Hühner getrennt von Enten und Gänsen aufgezogen werden und dass Höfe mit einer Doppelhaltung von Schweinen und Hühnern gesondert überwacht werden, sagte Müller.

Die getrennte Haltung von Hühnern und Enten sei erforderlich, weil das Vogelgrippe-Virus bei Enten schwerer nachzuweisen sei als bei Hühnern. Die Doppelhaltung von Schweinen und Hühnern berge möglicherweise das Risiko, dass das Virus die Übertragbarkeit vom Geflügel auf Menschen erlange. Die EU-Verordnung soll laut Müller bis zum Januar 2006 gelten.

Unterdessen wurde in Rumänien ein zweiter Vogelgrippe-Herd entdeckt. Es war aber noch unklar, ob es sich um den hochgefährlichen Subtyp H5N1 handelt. Das Gebiet beim Dorf Maliuc wurde von der Außenwelt abgeschottet, teilte das rumänische Landwirtschaftsministerium mit. Türkische Behörden gaben für das Dorf Kiziksa Entwarnung. Der Geflügelbestand von rund 8500 Tieren sei vernichtet worden, nachdem dort das auch für den Menschen gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen worden war.

Der Agrarausschuss des Bundestags will am Montag über den Schutz vor der Vogelgrippe diskutieren.
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