2. Fußball-Bundesliga
Club nicht zu stoppen

Der Moment der Entscheidung: Guido Burgstaller (rechts) köpft aufs Auer Tor, der Ball wird noch abgefälscht und landet zum 2:1 für den 1. FC Nürnberg im Netz. Der Club ist nun seit sechs Spielen ungeschlagen. Bild: dpa
Sport BY
Bayern
05.11.2016
15
0
 
Nun ist Reinhard Grindel auch richtiger DFB-Präsident. Bild: dpa
 
Benjamin Henrichs von Bayer Leverkusen wurde für die Nationalelf nominiert. Bild: dpa

Der Club ist in der 2. Fußball-Bundesliga weiter nicht zu schlagen. Die Nürnberger bezwingen am Freitagabend den FC Erzgebirge Aue und feiern den fünften Sieg im sechsten Spiel. Sie blicken nach oben.

Aue. Ein cleverer 1. FC Nürnberg hat zumindest vorübergehend den Anschluss an die Spitzengruppe der 2. Fußball-Bundesliga geschafft. Die Mannschaft von Trainer Alois Schwartz feierte zum Auftakt des 12. Spieltags beim 2:1 (1:0) gegen den FC Erzgebirge Aue am Freitagabend den fünften Sieg in den vergangenen sechs Spielen.

Vier Tage nach dem Remis beim FC St. Pauli brachte Kevin Möhwald (44. Minute) den FCN mit seinem zweiten Saisontor in Führung. Ausgerechnet der frühere Nürnberger Nicky Adler (60.) glich vor 9000 Zuschauern zwischenzeitlich aus. Torjäger Guido Burgstaller (77.) bescherte mit seinem zehnten Saisontor dem routiniert auftretenden Club dann das verdiente Erfolgserlebnis.

"Eine starke Reaktion"


Schwartz war stolz. "Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen, dass sie auch nach dem Gegentor zurückgekommen ist. Das war eine starke Reaktion", resümierte Schwartz im TV-Sender Sky zufrieden. "Wir gewinnen die Spiele nicht und belohnen uns seit Wochen nicht, obwohl wir ebenbürtig waren", klagte Adler. Mit 18 Punkten ist der 1. FC Nürnberg jetzt erstmal Achter.

"Ich will nicht jammern, es ist aber schon bitter, wenn eine Achse ausfällt", stellte Schwartz kurz vor dem Anpfiff fest. Dave Bulthuis (Oberschenkel) und Hanno Behrens (Schulter) sowie die am Mittwoch immerhin ins Training zurückgekehrten Shawn Parker, Enis Alushi und Georg Margreitter waren für den FCN-Coach noch keine Option.

Und natürlich schmerzte Schwartz der Ausfall von Angreifer Tim Matavz, der wegen eines Syndesmosebandanrisses im Sprunggelenk mehrere Wochen fehlen wird. Der Club-Coach reagierte wie erwartet und brachte den früheren Auer Jakub Sylvestr als Stoßstürmer. Der Slowake agierte zwar emsig, kann in puncto Wucht und Torgefahr mit Matavz aber nicht mithalten.

Der Einsatz stimmt bei den Franken. Ihnen fehlte allerdings oft die spielerische Linie, um die laufstarken und kompakt stehenden Hausherren in Verlegenheit zu bringen.

Erfurt. Mit dem großen weißen Blumenstrauß in der Hand stand Reinhard Grindel auf dem Podium und strahlte glücklich über seine reibungslose Wiederwahl zum Chef des Deutschen Fußball-Bundes. Die langen Schatten des WM-Skandals um den mit keinem Wort erwähnten Franz Beckenbauer und den von den Delegierten abgestraften Vorgänger Wolfgang Niersbach verfolgten den selbst ernannten Erneuerer aber auch bei seiner einstimmigen Bestätigung im Amt. "Das ist ein großer Rückenwind für die Aufgaben der kommenden drei Jahre. Es ist schön, dass man jetzt ein richtiger Präsident ist", sagte Grindel vor den 258 Delegierten des DFB-Bundestages in der Erfurter Messehalle.

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete führt den DFB seit dem 15. April 2016, als er zum Nachfolger des durch die WM-Mauscheleien belasteten Niersbach gekürt wurde. Nun kann Grindel bis 2019 die Geschäfte führen - gemeinsam mit dem ebenfalls wiedergewählten Präsidium, das nahezu komplett unter Niersbach arbeitete. Grindels Vorgänger wurde für seine letzte Amtszeit vom Bundestag nicht entlastet, eine juristische Notwendigkeit mit Symbolcharakter.

Fast eine Viertelstunde war der 55 Jahre alte Grindel in seiner Bewerbungsrede vor den Funktionärskollegen ohne ein Wort über die Sommermärchen-Affäre, die den DFB immer noch extrem belastet, ausgekommen. Erst dann ging er auf die Vergangenheit ein. "Ich habe im April angekündigt, dass wir eine ganze Reihe von Konsequenzen aus der WM-Affäre ziehen werden. Heute können wir Vollzug melden", sagte Grindel. Vollzug soll heißen: Der DFB verpasst sich eine Reihe von Veränderungen, die ihn aus Sicht von Grindel transparenter und moderner aufstellen.

Energisch wehrte sich Grindel gegen den Vorwurf, er habe bei der Vollversammlung die WM-Thematik nicht ausreichend behandelt. Keine Nachfrage kam von den Delegierten, die alle Anträge nach guter alter DFB-Tradition ohne Murren brav abnickten. "Es weht deshalb ein neuer Wind. Alle Fragen zur Aufklärung, die wir beantworten können, sind beantwortet. Der Zahlungsfluss der 6,7 Millionen ist vollständig aufgeklärt", hielt Grindel bei der Pressekonferenz dagegen.

Niersbach und der ehemalige Generalsekretär Helmut Sandrock wurden von den Delegierten nicht entlastet. Dieser formale Vorgang werde "zurückgestellt, bis eine endgültige Klärung des Sachverhalts erfolgt ist", sagte Generalsekretär Friedrich Curtius. Ansonsten wurde die Skandal-Aufarbeitung aber weitgehend als abgeschlossen bewertet.

Der Name des früheren WM-Organisationschefs und DFB-Ehrenspielführers Beckenbauer fiel kein einziges Mal. "40 min. Rede, aber kaum was zum #WMSkandal & nichts zur Aufklärung & #Beckenbauer gesagt"!", twitterte der Grünen-Politiker Özcan Mutlu, der auch Mitglied des Sportausschusses des Deutschen Bundestags ist, über seinen früheren politischen Gegner Grindel. "Aufbruch & Transparenz ist das nicht!"

Die oft schwierige Beziehung zwischen Amateur- und Profilager innerhalb des deutschen Fußballs wurde von den Funktionären beider Seiten bewusst nicht weiter belastet. Das Konfliktthema DFB-Pokal soll Anfang kommenden Jahres angegangen werden. Die Proficlubs wollen die Zeit vor der Saison lieber für lukrative Auslandsreisen nutzen, die Amateure direkt zum Auftakt schon die Chance auf die Traum-Auslosung gegen einen Top-Verein haben. DFB-Vize Rainer Koch kündigte an, dass die erste Runde zukünftig womöglich erst nach dem Bundesliga-Start gespielt werden könnte. Es solle aber dabei bleiben, dass alle Proficlubs von Beginn an im Wettbewerb sind.

Es ist schön, dass man jetzt ein richtiger Präsident ist.DFB-Boss Reinhard Grindel

München. Nach dem Weiterkommen im DFB-Pokal und einem Liga-Sieg will der TSV 1860 München nachlegen. "Wir wollen unbedingt punkten", sagte Trainer Kosta Runjaic vor der Partie am Sonntag (13.30 Uhr) beim SV Sandhausen. Die "Löwen" (11 Punkte) könnten mit einem Auswärtssieg in der Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga an Sandhausen (13) vorbeiziehen. "Gegen Sandhausen zu spielen, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Sie werden uns alles abverlangen." Fragezeichen stehen hinter den Einsätzen von Maxi Wittek, Fanol Perdedaj und Sebastian Boenisch. "Wir haben diese Woche alle Spieler mehrfach behandeln lassen", sagte Runjaic nach harten Tagen für den Fußball-Zweitligisten.

Nach zuvor vier Niederlagen hatte 1860 am vergangenen Spieltag beim 6:2 gegen Aue wieder einen Sieg gelandet. Zudem waren die Münchner im Pokal gegen die Würzburger Kickers ins Achtelfinale eingezogen. "Die letzten zwei Siege haben uns sehr gut getan. Eine Euphoriewelle ist aber nicht hereingebrochen", sagte Runjaic und zeigte Zuversicht.

München. Uli Hoeneß ist nach eigener Einschätzung nachdenklicher geworden. "Ja, ich habe mich verändert. Ich bin nachdenklicher und auch demütiger geworden", sagte der Kandidat für das Präsidentenamt des FC Bayern im Interview der "Abendzeitung" (Wochenendausgabe) in München. "Soziale Themen waren mir früher wichtig, aber sie sind mir noch wichtiger geworden. Was ich alles an Schicksalen erlebt habe, hat mich geprägt, und das wird auch in meine Arbeit einfließen."

Nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung am 14. März 2014 war Hoeneß von seinen Ämtern beim FC Bayern zurückgetreten. Hoeneß war 21 Monate in Haft, 14 davon im offenen Vollzug. Ein knappes halbes Jahr nach seiner Haftentlassung hatte er seine Kandidatur für das Präsidentenamt angekündigt. Die Jahreshauptversammlung des FC Bayern findet am 25. November statt.

Drei Neulinge bei Joachim Löw

Berlin. (dpa) Joachim Löw macht aus den letzten zwei Länderspielen des Jahres in San Marino und Italien einen Talente-Test. Gleich acht Spieler im 25-köpfigen Aufgebot des Weltmeisters sind 21 Jahre und jünger. Mit den drei Länderspiel-Neulingen Yannick Gerhardt (22) aus Wolfsburg, Benjamin Henrichs (19) aus Leverkusen und Serge Gnabry (21) aus Bremen geht der Bundestrainer das WM-Qualifikationsspiel am 11. November gegen den krassen Außenseiter San Marino und das Testspiel vier Tage später in Mailand gegen den Dauer-Gegner 2016 Italien an.

"Das letzte Qualifikationsspiel des Jahres nehmen wir genauso ernst wie die drei Partien zuvor. In San Marino einen klaren Sieg einzufahren und die Tabellenführung in unserer Gruppe zu bestätigen und auszubauen, ist die klare Pflichtaufgabe", betonte Löw: "Gleichzeitig wollen wir jungen Spielern immer wieder auch eine Chance geben, sich bei uns zu zeigen." Gleich acht Spieler im 25-köpfigen Aufgebot des Weltmeisters sind 21 Jahre und jünger.

Das Aufgebot

Tor: Neuer (Bayern), Leno (Leverkusen), ter Stegen (FC Barcelona)

Abwehr: Boateng, Hummels, Kimmich (alle Bayern), Hector (1. FC Köln), Höwedes (Schalke), Mustafi (Arsenal), Rudy (Hoffenheim), Tah, Henrichs (beide Leverkusen), Gerhardt (Wolfsburg)

Mittelfeld/Angriff: Brandt, Volland (beide Leverkusen), Gnabry (Bremen), Gomez (Wolfsburg), Götze, Weigl (beide Dortmund), Gündogan (Manchester City), Khedira (Juventus Turin), Kroos (Real Madrid), Meyer, Goretzka (beide Schalke), Müller (Bayern)

Zweitliga-Tabelle

12. Spieltag

Heidenheim - Karlsruhe 2:1

Düsseldorf - Dresden 0:3

Aue - Nürnberg 1:2

Fürth - Bochum Sa. 13.00

K'lautern - Union Berlin Sa. 13.00

Stuttgart - Bielefeld So. 13.30

Braunschweig - Hannover So. 13.30

Sandhausen - 1860 München So. 13.30

Würzburg - St. Pauli Mo. 20.15



1. Braunschweig 11 21:10 25

2. Heidenheim 12 16:8 22

3. Stuttgart 11 18:13 22



4. Hannover 11 20:12 20

5. Union Berlin 11 21:14 20

6. Düsseldorf 12 17:12 19

7. Dresden 12 19:15 19

8. Nürnberg 12 22:20 18

9. Würzburg 11 15:12 17

10. Bochum 11 18:21 16

11. Sandhausen 11 14:12 13

12. K'lautern 11 8:12 12

13. 1860 München 11 14:17 11

14. Karlsruhe 12 9:16 11

15. Fürth 11 9:19 11



16. Aue 12 16:25 10

17. Bielefeld 11 11:19 8

18. St. Pauli 11 8:19 6

Zweitliga-Statistik

Erzg. Aue - 1. FC Nürnberg 1:2 (0:1) Tore: 0:1 (44.) Möhwald, 1:1 (60.) N. Adler, 1:2 (77.) Burgstaller - SR: Benedikt Kempkes (Kruft) - Zuschauer: 9000

Heidenheim - Karlsruher SC 2:1 (1:1) Tore: 0:1 (28.) Yamada, 1:1 (36./Foulelfmeter) Schnatterer, 2:1 (82.) Griesbeck - SR: Sven Jablonski (Bremen) - Zu: 13 700

Fort. Düsseldorf - D. Dresden 0:3 (0:2) Tore: 0:1 (1.) Hauptmann, 0:2 (26.) Gogia, 0:3 (50.) Gogia - SR: Robert Schröder (Hannover) - Zuschauer: 31 167
Weitere Beiträge zu den Themen: Fußball (1559)1. FC Nürnberg (147)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.