Auch in Memmingen nur ein Punkt für den Spitzenreiter
Zeit für andere Jahn-Tugenden

Sportsfreund Vinko Sapina gelingt in der 88. Minute der Ausgleich für Memmingen. Bilder: Schulze/Göpel/Jahn
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Bayern
16.10.2015
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Memmingens Christian Braun hat nach dem Spiel gut lachen.
 
Markus Ziereis verwertet die erste Chance zu seinem 10. Saisontor.

Als hätten sie sich abgesprochen: Die kleinen Bayern legen eine halbe Stunde zuvor gegen Schweinfurt mit einem blamablen 0:0 vor – der Jahn zieht mit einem bescheidenen 1:1 in Memmingen bei Schmuddelwetter vor 1356 Zuschauern nach. Den Ausgleich kassieren die Regensburger in der 88. Minute. Unverdient war er dennoch nicht.

Minikrise beim Tabellenführer? Der Memminger Pressesprecher wischt die Frage beiseite ehe er sie gestellt hat. Dennoch: 6 Punkte aus den letzten 5 Spielen in Rain, gegen Burghausen, in Schalding-Heining, gegen Bayern und in Memmingen – das ist schon eher ein Schnitt, den man aus der verkorksten Drittliga-Saison gewohnt war. Sicher, Christian Brand, „es ist auch klar, dass es nicht jedes Spiel für uns zu gewinnen gibt“ – das verlangt keiner. Aber dreimal in Folge bei einem abstiegsgefährdeten Club mit Ach und Krach ein Pünktchen, da kann man jetzt auch kein Loblied erwarten.

„Zwei Aktionen zugelassen“

Dazu ist die Diskrepanz zwischen den optimistischen Ansagen in der PK und den ernüchternden Auftritten am Tag danach dann doch zu groß. Die Messlatte liege nach einem Spiel wie gegen die Bayern natürlich hoch, hieß es. „Wir müssen immer voll an die Grenze gehen. Ich erwarte einfach, dass man diese Gegner immer, immer voll bespielt – nur dann können wir unsere Power ausspielen, und dann gibt es nicht so viele offene Fragen, wer das Spiel gewinnt.“ Davon war nun auch in diesem Spiel herzlich wenig zu sehen.

Sicher, die äußeren Bedingungen waren suboptimal, Regen, tiefer Boden, ein Gegner, der Kick & Rush bevorzugte. Aber zwischen „voll bespielen“ und in der ersten Halbzeit zweimal aufs Tor schießen, klaffen Welten – davon ging einer, Ziereis‘ Kunstschuss aus 25 Metern, sogar ins Netz. „Gegen den Tabellenführer haben wir in der ersten Halbzeit zwei Aktionen zugelassen“, sagt deshalb korrekt FCM-Coach Christian Braun. „Einmal hat‘s geklingelt, und einmal hatten wir ein wenig Glück.“

„Mehr Leidenschaft gezeigt“

Seine Mannschaft sei kompakt gestanden, habe den Mut nicht verloren. „Wir haben uns gewehrt und in der zweiten Halbzeit einfach Leidenschaft gezeigt, haben alles auf den Rasen gebracht körperlich, was geht – und von daher haben wir auch mehr investiert als der Gegner und uns dann zum Schluss belohnt.“ So wird ein Fußballschuh draus – nicht der Jahn hat den FCM, der FCM hat zum Schluss den Jahn im Matsch „voll bespielt“. Und wenn‘s dumm läuft, rutscht in der 95. Minute noch ein Memminger zum 2:1 mit dem Ball ins Tor.

Voll zustimmen kann man deshalb dem Jahn-Trainer nur bei zwei Schlussfolgerungen:

„Da muss man dann halt mal auch andere Tugenden bringen und in der 88. Minute, da kann‘s einfach nicht sein, dass der Kollege Sapina ganz allein vorm Tor steht. Das ist schon was, was ich meiner Mannschaft in dem Moment vorwerfen muss.“
„Der FC Memmingen wird niemals Staffage sein, das ist eine Supermannschaft, die haben ein Superherz und die werden uns auch bei uns in Regensburg alles abverlangen, ganz egal, auf welchem Tabellenplatz.“
Dafür bekam der Gäste-Coach denn auch höflichen Beifall bei der PK.

„Auf Augenhöhe“

„Wir haben auch in der ersten Halbzeit schon gemerkt, dass wir nicht hoffnungslos unterlegen sind“, ist auch Brauns zutreffende Beschreibung der ersten 45 Minuten, in denen freilich sein Pendant Brand alles unter Kontrolle wähnt. Natürlich ist der Jahn spielbestimmend, natürlich kommt von Memmningen nicht gerade ein Sturmlauf – aber aus dem Ballbesitz macht der SSV viel zu wenig.

Deshalb registriert der Gastgeber zurecht, „dass wir auf Augenhöhe mitspielen, und dass es im Laufe der zweiten Halbzeit auch eng bleiben wird.“ Und es ist schon ganz zu Beginn der Sportsfreund Vinko Sapina, der aus 20 Metern einen Warnschuss abgibt – Jahnkeeper Philipp Pentke kann gerade mal so die Kugel um den linken Pfosten drehen (3.).

Ziereis‘ 10. Bude

Was hat der Jahn in seinen dunkelblauen Auswärtstrikots zu bieten? Die Überraschungsbude mit der ersten richtigen Torchance: Ja, wer rechnet denn damit? Keeper Martin Gruber jedenfalls nicht – Markus Ziereis lässt zwei Memminger stehen, zieht aus 25 Metern ab, der Flatterball prallt vom rechten Pfosten zum 0:1 ins Netz (14.). Einige Halbchancen folgen auf beiden Seiten: Nach Ballverlust von Marc Lais streicht Dennis Hoffmanns 20-Meter-Aufsetzer knapp vorbei (23.).

Palionis lupft die Kugel über die Abwehr, Ziereis schlägt ein Luftloch (26.). Uwe Hesse meldet sich nach leiser Kritik an seinem Mini-Burn-out mit einem 25-Meter-Kracher an die Unterkante der Latte zurück (38.). Und auch Marvin Knoll versucht‘s aus der Distanz – Gruber klärt den 30-Meter-Schuss vorsichtshalber zur Ecke. Daniel Schöpf schickt Ziereis steil, der nur noch am Keeper vorbeischieben muss – stattdessen legt er verquer ins Leere (42.).

Nur noch Stückwerk

Die zweite Hälfte beginnt mit einem Wechsel: Für den angeschlagenen Marc Lais kommt Martin Tiefenbrunner. Knoll mit langem Pass auf Trettenbach, der die Linie runterrast, sich aber dann verheddert (52.). Es bleibt in der Folge bei Stückwerk: Ziereis mit dem öffnenden Pass nach links auf Hesse – ins Seitenaus (54.). Hofrath schnappt sich die Kugel und flankt flach in den Strafraum – Jahn-Sturm Fehlanzeige (56.).

Feines Schöpf-Solo von der Mittellinie vorbei an einem Memminger Trio – die Banane geht links vorbei (60.). Trettenbach gibt Gas, der Ball auf glitschigem Untergrund erst recht, und weg ist der Ballon (64.). Pentke verhindert den Ausgleich: Michael Geldhauser, bester Torschütze der Memminger am Platz, dreht den Ball vom rechten Strafraumeck auf die lange Ecke (65.). Und jetzt vertändelt auch noch Palionis, nachdem die Szene bereits geklärt ist.

Zeit für Wechsel

Schiri Markus Pflaum, an dem es heute sicher nicht liegt, scheint manchmal der Durchblick zu fehlen: Hofrath klar gefällt, aber es geht weiter. Zeit für einen Wechsel – Kevin Hofmann, über dessen längere Pause Christian Brand gestern noch dozierte, ersetzt Kolya Pusch, der mit Schulterproblemen in die Kabine muss (69.). Doppelwechsel auch bei Memmingen: Fabian Kroger für Stefan Heger und Kevin Ruiz für Tim Buchmann sollen die Wende erzwingen.

Gut, dass Geldhauser noch an der Feinjustierung arbeitet: Unbehindert knallt er die Kugel aus 16 Metern an die Werbebande (76.). Jetzt darf auch der Weidener Bua Sven Kopp rein und Schöpf dafür Feierabend machen (78.). Memmingen setzt zum Schlussspurt an – wieder eine Ecke für den Gastgeber, nicht ungefährlich (84.). Und dann das, was es laut Brand „einfach nicht sein kann“ – nach einer Flanke von rechts ballert Sapina das Ding zum 1:1-Ausgleich für Memmingen über die Linie (88.).

„Jetzt gehen wir mit einem Punkt raus und der Gewissheit, dass wir auch gegen den Tabellenführer ordentlich mithalten konnten“, freut sich Memmingens Christian B. – der nächste Schritt zur Konsolidierung soll am kommenden Samstag, 14 Uhr, in Schweinfurt folgen. Der SSV, dem Wacker Burghausen nach einem 3:0 gegen Amberg auf die Pelle rückt, muss am Freitag, 19 Uhr, gegen Greuther-Fürth II mit mehr Fortüne agieren, als der FCB II bei seiner 2:3-Nachholpleite unter der Woche.