Bayern München gewinnt erstes Spiel unter neuem Coach
Mehr Carlo als Pep

Da geht's lang! Der Italiener Carlo Ancelotti gibt jetzt beim FC Bayern München die Richtung vor. Bilder: dpa (4)
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Bayern
27.08.2016
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Xabi Alonso und der FC Bayern waren mindestens eine Nummer zu groß für die desolaten Gäste aus Bremen.

Flanken aus dem Halbfeld, vertikales Passspiel, Distanzschüsse und Konterspiel: Schon nach 90 gespielten Minuten in der neuen Bundesliga-Saison ist die Handschrift des neuen Bayern-Trainers Carlo Ancelotti erkennbar. Besonders zwei Positionen erfahren im System des Italieners neue Wertschätzung.

München. Erste Tendenzen sind erkennbar, für eine Bewertung der neuen Ancelotti-Bayern ist es aber noch zu früh - und Gegner Werder Bremen ließ zum Auftakt der 54. Bundesliga-Saison jegliche Qualität vermissen und taugt daher nicht als Maßstab. Auch wenn noch längst nicht alles reibungslos klappte und man sich des Eindrucks nicht gänzlich erwehren konnte, die Bayern spielten noch mit angezogener Handbremse, ist schon nach den ersten 90 Minuten klar: Mit den Bayern ist auch in der Spielzeit 2016/17 nicht zu spaßen und wenn die Konkurrenz weiter so ängstlich und mutlos auftritt wie Bremen, ist eine erneut an der Tabellenspitze ziemlich langweilige Bundesliga-Saison zumindest nicht ausgeschlossen.

Mehr Risiko


In den ersten 45 Minuten blickten sich die nun in rot und weiß gekleideten Hausherren des Öfteren ungläubig an, als wollten sie fragen: "Dürfen wir das wirklich?" Wenn der neue Maestro an der Seitenlinie nach einem sicheren Rückpass die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hatte, wo doch auch ein riskanterer Steilpass möglich gewesen wäre. Wo letzte Saison noch super, super Kurzpass und super, super Tiki-Tiki-Taka Gesetz waren, und die Kugel peppig ins Tor getragen werden musste, schraubte der Italo-Coach den Schwierigkeitsgrad der bajuwarischen Spielweise ein, zwei Rädchen zurück.

"Es geht aber immer noch um uns Spieler. Wir sind dieselben wie letztes Jahr und waren da ja schon nicht so schlecht. Freilich bringt jeder Trainer neue Ansätze ein, aber es ist eindeutig zu früh, das grundlegend bewerten zu können", relativierte Thomas Müller, angesprochen auf den Frage, wie viel Ancelotti schon in den Bayern steckt.

Links David Alaba und rechts Philipp Lahm, die beiden Außenverteidiger in Ancelottis 4-3-3-System, waren fast an jedem Bayern-Angriff beteiligt. Zusammen mit Franck Ribéry und Thomas Müller bildeten beide das, was im Fußball-Lexikon unter Flügelzange definiert steht - und wirbelten Bremen ein ums andere Mal gehörig durcheinander. Und Lahm trug sich sogar in die Torschützenliste ein, obwohl er ansonsten nicht gerade als eiskalter Vollstrecker brilliert. "Das hat Spaß gemacht heute. Ab und zu weiß ich halt doch, wo das gegnerische Tor steht", sagte der stürmende Außenverteidiger, der nun drei seiner letzten vier Bundesligatore gegen die Hanseaten erzielt hat.

Alonsos Traumtor


Im Zentrum ist Xabi Alonso, den Ancelotti noch aus seiner Zeit bei Real Madrid kennt und schätzt, der unbestrittene Chef. Er fungierte nicht nur als Balleroberer und -verteiler, sondern erzielte nach neun Minuten auch das erste Tor der neuen Spielzeit. Und was für eins: Nach einem Angriff über Lahms rechte Seite, hämmerte der Spanier eine verunglückte Kopfballabwehr des Bremers Luca Caldirola aus 23 Metern volley in die Maschen. Versuche aus der Distanz standen in den vergangenen drei Jahren auf der bayerischen No-Go-Liste. "Ich mache das gerne. Wenn es dann noch so klappt, ist es umso schöner", sagte Alonso im Nachhinein. Und in der Sturmspitze spielt da ja noch Robert Lewandowski. Der Torschützenkönig machte einfach dort weiter, wo er letzte Saison aufgehört hatte. Sein Dreierpack war gleich ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz um die Kanone. Er sucht übrigens noch nach einem Wettpartner, der gegen seine Ankündigung, erneut die 30-Tore-Marke zu knacken, antritt. Manuel Neuer wird es zumindest nicht: "Lewa wird wieder viele Tore schießen, da wette ich sicher nicht dagegen."

Kein Maßstab


Über die Arbeit gegen den Ball und die defensive Organisation unter Druck lassen sich nach der ersten Partie kaum Rückschlüsse ziehen: Zu schwach agierte der Kontrahent von der Weser. Rückkehrer Mats Hummels, der mit Javi Martinez die Innenverteidigung bildete, verlebte einen geruhsamen Abend. "Es ist immer schön, das Auftaktspiel vor eigenem Publikum zu gewinnen. Ich glaube, wir haben kaum etwas zugelassen und das da hinten recht ordentlich gemacht. Aber es war ja erst eine Partie", sagte der ehemalige Dortmunder Kapitän. Und Torhüter Manuel Neuer hätte sich am Freitagabend getrost früher ins Münchener Nachtleben stürzen können.

Sorge sollte Anhängern der grün-weißen Norddeutschen bereiten, dass bei den Bayern längst nicht alles rund lief und deren aktueller Leistungsstand noch ein gewaltiges Stück von 100 Prozent entfernt liegt. In einer derartigen Verfassung, die Bremer waren mit sechs Gegentreffern noch gut bedient, wird der Klassenerhalt für Viktor Skripniks Mannen zur Mammutaufgabe. Immerhin versuchte Kapitän Clemens Fritz im Nachgang nichts schönzureden: "Ohne Zweikämpfe können wir nichts gewinnen. Jetzt stehe ich wieder hier und muss den gleichen Mist erklären wie letzte Woche." Auch der bemitleidenswerte Torhüter Felix Wiedwald fand klare Worte: "Das war heute eine Frechheit." Nur der ukrainische Coach der Werderaner wartete mit einer eigenartigen Erklärung für die desolate Darbietung seiner Truppe auf: "Vielleicht war es heute zu warm." Bleibt zu hoffen, dass bald der Winter rund um Bremen Einzug hält, ansonsten wird es an der Weser schnell zappenduster.

Das hat Spaß gemacht heute. Ab und zu weiß ich halt doch, wo das gegnerische Tor steht.Torschütze Philipp Lahm


Das war heute eine Frechheit.Bremens Torhüter Felix Wiedwald
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