Bayern nach 1:1 gegen Gladbach noch nicht Meister
Keine Lust auf Party

Jérome Boateng (links), hier eher am Ball als der Gladbacher André Hahn, gab bei den Bayern sein Comeback. Trotzdem reichte das Münchner 1:1 nicht zur vorzeitigen Meisterschaft. Bild: dpa
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Bayern
02.05.2016
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Meisterfeier vertagt: Wenn es noch eines Beweises bedurfte, welcher Titel beim FC Bayern in dieser Saison absolute Priorität genießt, so erbrachte Trainer Pep Guardiola diesen beim biederen 1:1 in der Allianz-Arena gegen Borussia Mönchengladbach - zu wenig für den 26. Bundesliga-Titel.

München. Obwohl Diego Simeone, Trainer von Atlético Madrid, nachweislich nicht zugegen war, so schwebte sein Geist doch spürbar über dieser "geschichtsträchtigen Bundesliga-Partie", wie sie Stadionsprecher Stephan Lehmann im Vorfeld titulierte. In der Tat waren die Rahmenbedingungen zur Feier des 26. nationalen Meistertitels wie gemalt: Noch nie gelang es einer deutschen Mannschaft, sich viermal in Folge die Meisterschaft zu sichern. Noch nie gelang es dem FC Bayern, den Titel in der Allianz-Arena perfekt zu machen. Und Coach Pep Guardiola stand zum 100. Mal in der Bundesliga an der Seitenlinie.

Chance für Reservisten


Doch beim Blick auf die Aufstellung wurde deutlich, dass sich scheinbar nur die Fans mit dem Gewinn der Meisterschaft beschäftigten, während es für Guardiola eher hieß: "Egal ob gegen Gladbach oder eine Woche später gegen Ingolstadt: Hauptsache Meister." Franck Ribéry, Javi Martinez und Xabi Alonso waren erst gar nicht im Kader, Robert Lewandowski, Philipp Lahm und Arturo Vidal saßen 90 Minuten auf der Bank. Douglas Costa, David Alaba und Thiago kamen erst spät in die Partie. Somit schlug die Stunde der Edelreservisten Serdar Tasci, Rafinha, Mario Götze und Sebastian Rode. Zudem feierte Jérome Boateng nach langer Verletzungspause sein Comeback. Und im Angriff spielte der, dessen Nicht-Berücksichtigung im Hinspiel des Champions-League-Halbfinales für den größten Aufschrei gesorgt hatte: Thomas Müller. "So ein Schmarrn", schmetterte er einem Journalisten entgegen, der im Nachhinein wissen wollte, ob sein Einsatz gegen Gladbach ein Indiz dafür sei, am Dienstag erneut auf der Bank zu sitzen. Rotation sei in dieser Phase der Saison ganz normal, sagte der Torschütze der frühen Bayern-Führung (6.). "Wir haben einen großen Kader und der Trainer wird die richtigen Leute aufstellen. Aber ich bin schon bekannt dafür, dass ich eine besondere Beziehung zum Verein habe und mich gerade in großen Spielen nicht verstecke." Diesen kleinen Seitenhieb in Richtung Guardiola musste Müller dann doch noch loswerden.

Einschläfernd


Während der Partie konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der zweitbeste Liga-Torschütze (20 Treffer) der Bayern nach Lewandowski (27) mit Motivationsproblemen zu kämpfen hatte. Er agierte wie seine Mitspieler zu langsam, ohne Ideen und Esprit. So entwickelte sich über weite Strecken ein einschläferndes Fußballspiel, das sich erst in der Schlussphase, nach dem verdienten Ausgleich für Gladbach durch André Hahn (72.), vom Fehlpass-Festival zum emotionsgeladen Kick wandelte.

Nationalspieler Boateng stand erstmals seit dem 23. Januar wieder auf dem Platz und räumte hinterher ein, "natürlich noch nicht wieder bei 100 Prozent, aber dennoch bereit für Atlético zu sein". Bayern sei in der eigenen Arena eine Macht und auch gegen die spanischen Defensivkünstler in der Lage, zwei, drei Tore zu erzielen.

Der allgegenwärtige spanische Kontrahent um den Einzug ins Finale der Königsklasse rotierte in der Liga gegen Rayo Vallecano ebenfalls kräftig - mit einem kleinen Unterschied: Die Mannschaft von Diego Simeone gewann mit der B-Elf (1:0), während die Bayern diesen Spagat nicht schafften und sich statt Jubelarien ein Pfeifkonzert der eigenen Fans einhandelten.
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