Brand möchte in Unterhaching poetisch den Nebel lüpfen
Geht endlich die Jahn-Sonne auf?

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Bayern
19.12.2014
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Es gibt noch Tröstliches: Auch dem Allerletzten erweist der gegnerische Trainer noch die Ehre: „Ich finde, dass der Tabellenplatz ihre Leistung nicht richtig widerspiegelt“, schleimt Unterhachings Trainer Christian Ziege vor dem bayerischen Keller-Derby am Samstag, 14 Uhr.

„Ich habe einige Spiele von ihnen gesehen, viele haben sie sehr unglücklich verloren", hat Ziege beobachtet. So sprechen Motivatoren, die vermeiden wollen, dass ihre Schützlinge das Gegenüber mit bedrohlichen 12 Punkten und 17:40 Toren unterschätzen. Ist aber auch bitter notwendig. Schließlich taumeln die Münchener Vorstädter bedrohlich Richtung Regensburg – zumindest tabellarisch. „Die Niederlage in Wiesbaden war verdient“, gibt der Mann mit dem eigenwilligen Akzent nach der 0:4-Schlappe zu.

Und personell sind die Oberbayern kaum besser aufgestellt als die dezimierten Regensburger: Mit Pascal Köpke, Jimmy Marton, Josef Welzmüller und Michael Zetterer fallen noch mal vier Stützen aus. Beim Jahn kommen zu einer komplett verletzten oder gesperrten Mannschaft auch noch der kniekranke Markus Palionis und Oli Hein mit Gelbsperre dazu. Letzteren könnte Andi Güntner ersetzen, in die Viererkette rücken wohl Matthias Dürmeyer oder Sven Kopp, der seit seinem verunglückten Debut keine Chance mehr bekam.

Auf Augenhöhe

„Ich will die nicht stärker machen, als sie sind“, hat Jahn-Coach Christian Brand keine Komplimente zu verteilen. „Das ist eine solide Mannschaft, die aber auch ihre Schwächen hat.“ Typen wie Vogelsammer seien „gute Jungs, die unserer Abwehr weh tun können, aber wir werden gut vorbereitet sein“. Gegen Unterhaching ist der Positivdenker zuversichtlich: „Wir sind fußballerisch sicher auf Augenhöhe.“

Und dann folgt das Credo des Sport-Buddhisten: „Die Mannschaft verbessert sich Tag für Tag.“ Woran macht Brand die Fortschritte fest? „Wenn ich die Körpersprache sehe, wie die Mannschaft auf Rückstände reagiert, das sind die Momente, die mich positiv stimmen.“ Im Training sei Leben am Platz: „Es wird Zeit, dass wir den positiven Trend durch Ergebnisse untermauern.“ Brand habe einen „sehr guten, engen Kontakt zu den Spielern“: „Ich habe ihnen Szenen aus dem Stuttgart-Spiel gezeigt, wo ich ihnen auch nichts vormachen muss – das war eigentlich richtig gut, aber die letzte Flanke hat noch nicht gereicht, weil die Ruhe fehlt.“

Kein Mathematiker

Weil er kein guter Mathematiker sei, weigert sich der Niedersachse, die Tabelle rauf und runter zu rechnen. Aufgeben kommt jedenfalls nicht in Frage, selbst wenn im worst case auch das Spiel in Haching noch mal verloren gehen sollte. „Wenn der Abstand bleibt, haben wir drei Wochen, in denen wir hart arbeiten können.“ Dabei könne weder Gott noch Teufel helfen. „Einfach arbeiten, weiter trainieren, die Jungs müssen sich Selbstvertrauen holen.“ Unter der Woche kennt der Fleißbildverteiler nur eine Fragestellung: „Wie können wir das nächste Spiel gewinnen?“

Wie der Knoten platzen könnte? „Wenn der Ball einmal im Tor ist, also beim Gegner, kann das auch ein Befreiungsschlag sein.“ Solange würde vom Platzwart bis zum Präsidenten jeder mitleiden: „Wie so ein Nebel hängt das da drüber, dass der Ball nicht ins Tor will. Wenn das mal geschafft ist, geht die Sonne auf.“ Ob dazu bald mit fremder Hilfe zu rechnen ist? Probespieler nach drei Trainingseinheiten abschließend zu bewerten, sei schwierig.

"Der nächste Weinzierl"

Immerhin: „Der Finne haut die Bälle rein.“ Und das ist ja schon mal nicht ganz verkehrt für einen, der eigentlich nicht das Tor vernageln möchte: „Ich greife gerne an. Wenn ich mich nur darauf verlasse, dass ich hinten keinen rein bekomme, ist das nicht mein Spiel, das ist mir zu wenig.“

Soviel Trainer-Philosophie lässt sogar Jahn-Boss Hans Rothammer ins Schwärmen geraten: „Ich bin von ihm begeistert, das könnte der nächste Weinzierl werden.“