Das Derby in der 2. Liga
Der Abend der Ausgemusterten in Nürnberg

Sascha Mölders ballt die Faust: Der "Löwen"-Stürmer zeigte beim bayerischen Derby in Nürnberg eine bärenstarke Leistung. Das 1:0 machte er selbst, das Siegtor zum 2:1 legte er auf. Bild: dpa
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Bayern
13.09.2016
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Ivica Olic, Sascha Mölders oder Karim Matmour: Sie haben schon etliche Profijahre auf dem Buckel. Beim Zweitliga-Derby in Nürnberg spielten die "Alt-Löwen" aber erfrischend auf. Beim Club macht dagegen nur einer Hoffnung.

Nürnberg. Ist das despektierlich? Nein, sicher nicht. Ivica Olic ist im Fußballjargon schon ein "Alter Herr". Heute feiert der Kroate seinen 37. Geburtstag. Er, der mittlerweile auch bunt trägt, ist noch aus einer Generation Fußballer übrig geblieben, in der es nur schwarze Fußballstiefel gab. Bei Wolfsburg wollten sie ihn nicht mehr haben, beim HSV auch nicht - ein Auslaufmodell. Da ging es ihm wie Sascha Mölders beim FC Augsburg. Der ist zwar erst 31, aber für den FCA zu alt - ausgemustert. Und dann zeigten die beiden beim 2:1-Sieg von 1860 in Nürnberg, was sie noch drauf haben: Sprint Olic, Maßarbeit Mölders, das 1:0.

In England rumgetrieben


Den Torschützen hob vor allem Sechzig-Sportchef Thomas Eichin hervor: "Sascha hat einfach super gespielt." Und wie: "Er hat geackert, er hat Bälle gehalten, er hat jedes Kopfballduell gewonnen." Am 2:1 war zudem noch Karim Matmour beteiligt. Auch schon 31 und einer, der in der Szene nicht mehr gefragt war. Zuletzt trieb er sich beim englischen Zweitligisten Huddersfield Town rum, bevor ihn Kosta Runjaic nach München holte. Matmour hatte zu Mölders gepasst, der mit einem Absatzkick Michael Liendl bedient - der Siegtreffer. Da tönte Mölders: "Mit dieser Leistung können wir jeden schlagen." Für Runjaic war es aber das Teamwork, das im vierten Saisonspiel den zweiten Erfolg bescherte: "Es war ein verdienter Sieg, auch wenn es noch mal eng wurde." Es war auch ein Sieg über die Zweifler: "Nach der Verletzung von Stefan Aigner am Sonntag haben uns viele so eine Leistung nicht zugetraut", meinte der Trainer.

Aigner hatte sich im Abschlusstraining am rechten Knie verletzt. Wegen einer Innenbandverletzung wird der Kapitän sechs Wochen fehlen. Der Ausfall war in Nürnberg kaum zu spüren, was Runjaic hervorhob: "Wir haben gezeigt, dass wir charakterstark sind."

Charakterstärke, die wird auch der Club in den nächsten Wochen brauchen. Der Saisonstart ist völlig missglückt. Trainer Alois Schwartz war aber mit der Leistung im Derby nicht mal unzufrieden. "Wir schaffen es aber nicht, 90 Minuten präsent zu sein", bemängelte er vor allem die schlafmützige Anfangsphase. "Da muss man auch mal dagegen ankämpfen." Wenigstens etwas Mut in aufziehenden Krisenzeiten macht ein weiterer Ausgemusterter. Tim Matavz kam auf Leihbasis vom FC Augsburg, dort wird er nicht gebraucht. Sein feiner Schuss zum 1:1 deutete an, was der Slowene kann. "Man hat schon gemerkt, dass das Selbstvertrauen hier etwas fehlt", meinte der Angreifer. Das wäre sicher größer geworden, wenn er Sekunden nach dem Ausgleich die Riesenchance zum 2:1 genutzt hätte. Insgesamt war das Club-Spiel aber oft schlampig. "Wir haben auch zu viele Chancen zugelassen", meinte Hanno Behrens. Hinzu kam die unglückliche Gelb-Rote Karte von Guido Burgstaller zehn Minuten vor Schluss. Für Schwartz ein bisschen der Knackpunkt.

Fehler von Mühl


Knackpunkt war aber auch die Szene vor dem 0:1. "Den muss der Lukas klären", kritisierte der Trainer. Lukas Mühl, der gebürtige Zwieseler, hatte nach der Margreitter-Verletzung in der Innenverteidigung den Vorzug vor Norwegens Nationalspieler Even Hovland bekommen. Und dann schoss der 19-Jährige ohne Not Olic an. Im folgenden Sprintduell zeigte der Kroate dem Jungspund", was ein "Alter Herr" noch leisten kann.
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