Das fränkische Zweitliga-Derby
Club hadert mit den verflixten 180 Sekunden

Nürnbergs Pechvogel Lukas Mühl (links) fälschte kurz nach der Pause einen Schuss des Würzburgers Elia Soriano unglücklich ab, der das zwischenzeitliche 1:1 bedeutete. Bild: dpa
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Bayern
19.11.2016
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Die gute Nachricht zuerst: Der Club hat bisher in jedem Saisonspiel ein Tor geschossen. Und noch eine viel wichtigere Serie hielt: Seit sieben Partien ist der FCN ungeschlagen. Die schlechte Nachricht: Gegen Kickers Würzburg war am Freitagabend viel mehr drin.

Nürnberg. Für solche Momente leben Fußballer doch eigentlich: In vorletzter Minute köpfte Even Hovland am Freitagabend den Ball ins Tor. Der langersehnte Ausgleich zum 2:2, das ganze Stadion tobt, die Mitspieler erdrücken einen vor Freude: Und dann sagt der "Glückspilz" aus Norwegen: "Ich bin nicht zufrieden, ein Punkt ist zu wenig."

Am Ende wurde es mit dem 2:2 (1:0) im fränkischen Zweitliga-Derby dann doch noch ein kleiner Erfolg für den Club, all die Mühen des Anrennens wurden belohnt. Doch so richtig happy war bei den Nürnbergern keiner. Auch Guido Burgstaller, der mit seinem 11. Saisontor die Gastgeber mit 1:0 (45.) in Führung gebracht hatte, meckerte: "Das waren unsere eigenen Fehler. Wir haben es denen viel zu leicht gemacht."

Im Grunde drehte sich in diesem innerfränkischen Vergleich vor den knapp 38 000 Zuschauern alles um die Zeitspanne zwischen der 54. und 56, Minute - diese verflixten 180 Sekunden für den Club.

Die Gastgeber waren irgendwie drauf und dran, ihre knappe Führung auszubauen. Kevin Möhwald hatte gleich nach der Pause eine richtig dicke Möglichkeit. Doch die Nürnberger hatten nicht mit dem Plan des forschen Neulings gerechnet: "Wir haben in der Kabine gesagt: Jetzt überraschen wir sie, jetzt überrennen wir sie." Kickers-Kapitän Sebastian Neumann gab nachher den Plan preis, der auch aufging. Elia Soriano nahm ganz locker 20 Meter vor dem Ball an, und schoss einfach mal Richtung Tor. Aus dem Ball wurde ein krummes Ding - das 1:1 (54.). Und dann foulte zwei Minuten später der Nürnberger Hovland den eingewechselten Valdet Rama. "Ein unklarer Elfmeter", meinte Club-Coach Alois Schwartz. "War's außerhalb? Hat er ihn berührt?" Der Trainer ärgerte sich einfach, "dass viele 50:50-Entscheidungen gegen uns gefallen sind". David Pisot verwandelte den Elfmeter zum 2:1 (56.) für die Unterfranken.

Das saß. Der Club musste sich erst mal schütteln, und haute danach alles raus. "Da muss ich meiner Mannschaft wirklich ein Kompliment machen", lobte Schwartz den unermüdlichen Einsatz seiner Jungs. Aber eigentlich hatte er in der 85. Minute mit der Partie schon abgeschlossen: Nach einem Lattenschuss von Burgstaller brauchte Tobias Kempe den Ball aus fünf Metern nur noch einzuschieben, doch Emanuel Taffertshofer kratzte das Leder noch von der Linie. "Da denkst du, heute geht keiner mehr rein", sagte Schwartz. Doch es ging noch einer rein. "Den Ball haben auch die Zuschauer mit reingeschrien", lobte der Trainer die tolle Derby-Atmosphäre. Alle waren in dieser Sekunde glücklich. Und später dann doch nicht.

Den Ball haben auch die Zuschauer mit reingeschrien.Club-Trainer Alois Schwartz zum 2:2
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