Die Krise beim Club
Warum klappt's einfach nicht beim FCN? Eine Analyse...

Frustriert am Spielfeldrand: Der Nürnberger Trainer Alois Schwartz steht nach wenigen Wochen schon heftig in der Kritik. Die DerbyNiederlage gegen Fürth war ein richtiger Genickschlag. Bild: dpa
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Bayern
22.09.2016
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Herbst-Depression in Nürnberg. Im Frühling klopfte der Club noch ans Tor zur ersten Liga. Jetzt steht er auf dem letzten Platz in Liga zwei. Nach der Derbyniederlage gegen Greuther Fürth droht ein harter Winter.

Nürnberg. Diese Szene war symptomatisch und vereinte so ziemlich alles, was beim 1. FC Nürnberg derzeit schiefläuft. Man schrieb die 80. Minute im Franken-Derby gegen Greuther Fürth. Shawn Parker schickte sich an, den Ball am gegnerischen Sechzehner volley zu nehmen - und dann fabrizierte er das Luftloch des Jahres. Eine Slapstick-Einlage, sogar die eigenen Fans, die beim Stande von 0:2 total frustriert waren, johlten. Der Neuzugang aus Augsburg landete mit voller Wucht auf dem Boden. Dort liegt mittlerweile auch der Club nach sechs sieglosen Zweitliga-Spielen und gerade einmal zwei mickrigen Pünktchen.

Überm Leistungsvermögen


Unbeholfen, ungelenk, unmotiviert, unkonzentriert, uninspiriert, und auch sehr unglücklich - so agiert der FCN in diesen Wochen. "Derzeit läuft einfach alles gegen uns", jammerte ein frustrierter Miso Brecko nach dem 1:2. Und für Keeper Thorsten Kirschbaum ist "die Situation bedrohlich und gefährlich". Natürlich steht bei so einem miserablen Saisonstart der Trainer in der Kritik. Alois Schwartz schützte am Dienstagabend seine Jungs, doch die ließen ihn im Stich. Beim Club hat jeder Spieler mit sich selbst zu kämpfen. Klar ist derzeit nur eins: Das Team hat in der vergangenen Saison weit über seinem tatsächlichen Leistungsvermögen gespielt.

Und somit knirscht es derzeit in allen Mannschaftsteilen. Im Tor vertritt Thorsten Kirschbaum den verletzten Raphael Schäfer (Knie). Kirschbaum macht keine großen Fehler, aber Schäfer fehlt - als Typ, als Mahner, als Antreiber.

Eigentlich wäre das die Aufgabe von Miso Brecko, dem Kapitän. Doch der ist völlig von der Rolle. Gegen Fürth war er zu langsam, schlug Flanken hinters Tor. Er kann der Abwehr keine Stabilität geben. In der Innenverteidigung fehlt Georg Margreitter nach seiner Operation enorm. Der Österreicher ist kein großartiger Fußballer, aber ein Abräumer. Als solcher ist nur noch Dave Bulthuis da. Der gibt immer alles, doch oft ist er zu ungestüm. Nach der Kopfverletzung von Lukas Mühl lief Even Hovland als zweiter Innenverteidiger auf. Kaum zu glauben, der 27-Jährige ist Nationalspieler (Norwegen). Dass Linksverteidiger Laszlo Sepsi schon international für Rumänien am Start war, ist kaum zu sehen.

Im Mittelfeld werden die Mängel beim Club am deutlichsten. Gegen Fürth war Edgar Salli der einzige kreative Akteur. Nur wenn der Kameruner auf rechts am Ball war, kam so etwas wie Spielfreude auf. Kevin Möhwald ist völlig überfordert, ein Spiel zu lenken. Tim Leibold ist weit von seiner Form aus der vergangenen Saison, als der FCN auf Platz 3 landete, entfernt. Hanno Behrens zeigt wie seine Mitspieler immer vollen Einsatz, aber jetzt, da er mehr in der Verantwortung steht, werden seine fußballerischen Mängel sichtbar. Am Dienstag brachte Schwartz auch wieder einmal Ondrej Petrak, den einstigen U-21-Nationspieler Tschechiens. Der Trainer sollte das in Zukunft bleiben lassen.

Matavz mit Genickstarre


Im Angriff bekommt Tim Matavz allmählich Genickstarre. Auf die Leihgabe aus Augsburg wurden, wie schon gegen 1860 und Bochum, nur hohe Bälle gedroschen. Der Slowene verarbeitete sie schlecht. Zudem fiel auf, dass auch er am Boden technische Mängel hat. Gegen Fürth saßen insgesamt fünf nominelle Angreifer (Burgstaller, Sylvestr, Parker, Hercher und Teuchert) auf der Bank. Cedric Teuchert hatte nach seiner Einwechslung zwei, drei flotte Aktionen, Burgstaller gelang außer dem Ehrentor nichts. Und Parker leistete sich die Lachnummer des Tages. Kurz vor Schluss hatte der Ex-Augsburger noch einmal die Chance zu einem Volleyschuss. Dieses Mal traf er das Leder wenigstens - und dann hoppelte der Ball am Tor vorbei.

"Es liegt nicht am Trainer", sagte Brecko. Da hat er wohl recht.
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2 Kommentare
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Gerhard Ach aus Pleystein | 23.09.2016 | 15:08  
Josef Maier aus Schirmitz | 23.09.2016 | 18:00  
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