Die Nacht der Joker
Bayern -Irrsinn gegen Juventus Turin

Zwei Joker, die stachen: Thiago (rechts) jubelt nach seinem Treffer zum 3:2, Kingsley Coman (links) legte nur zwei Minuten später nach. Nach dem 4:2-Sieg nach Verlängerung über Juventus Turin fiebern die Bayern dem Viertelfinale entgegen. Gegen wen es geht, wird die heutige Auslosung zeigen. Bild: dpa
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Bayern
18.03.2016
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Zu fehlerhaft, zu fahrig, zu langsam, zu ungenau, zu mutlos, zu... Es ließe sich noch einiges finden. Die Bayern waren am Dienstagabend raus aus Europa. Doch am Ende war München dick markiert auf der kontinentalen Fußball-Landkarte. Einer war derweil zu matt - fürs Jubeln.

München. Manchmal müssen Fußballspiele einfach 120 Minuten dauern, um all die Facetten, die Verrücktheiten, die Außergewöhnlichkeiten dieses Spiel nur einigermaßen abzubilden. Die Münchner Bayern waren an diesem Mittwochabend lange Zeit nach langer Zeit wieder eine ganz gewöhnliche Fußball-Elf. Eine mit hoch fliegenden Titel- und Tripleträumen, die nicht ansatzweise ihren Ansprüchen gerecht wird. "Ja, es war nicht alles perfekt", sinnierte Torwart Manuel Neuer nach diesem Spektakel, dem 4:2 nach Verlängerung gegen Juventus Turin und dem Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse.

Neuer schiebt Frust


Es war zunächst vieles nicht perfekt und das alles gipfelte in Neuers Feststellung: "Wir haben dem Gegner Geschenke gemacht bei den Gegentoren." Das 0:1 kreidete er sich gleich selbst an. Nach dem 0:2 (28.) war eigentlich alles vorbei. Neuer, David Alaba, Mehdi Benatia und Co. patzten weiter im Minutentakt. Das ganze gipfelte in einem lautstarken Disput von Neuer mit Xabi Alonso nach 22 Minuten, manche befürchteten kurzzeitig eine körperliche Konfrontation. "Das ist ein Ding zwischen Xabi und mir", wollte der Keeper darüber nichts sagen. Der Frust auf dem Rasen musste irgendwie raus.

Es kam den Bayern auch spanisch vor, was die Italiener da spielten. "Das hat uns schon ein bisschen überrascht, wie sie aufgetreten sind", war auch Joshua Kimmich erstaunt und Neuer wunderte sich: "Mit so einer offensiven Juventus-Mannschaft war nicht zu rechnen." Die Turiner pressten, ließen den Münchnern keine Zeit zum Spielaufbau. Die "Alte Dame" war fit wie eine sportliche junge Frau. Doch es gab auf der Tribüne erste Tuscheleien, ob die Italiener das durchhalten würden.

Coman läuft heiß


Pep Guardiola schaute sich das Treiben - für seine Verhältnisse relativ unaufgeregt - an. "Wir haben gegen den letztjährigen Finalisten gespielt", erinnerte er an die Stärke des Gegners, den er aber dann doch durchschaut hatte. Mit seinen Wechselspielchen brachte er sein Team in die Spur: Erst Juan Bernat für Benatia, dann der Königswechsel Kingsley Coman für Xabi Alonso und schließlich Thiago für den völlig ausgepumpten Franck Ribéry. Thiago hatte Guardiola 50 Minuten warmlaufen lassen, ehe der Schütze des 3:2 auf dem Platz heißlaufen durfte.

Für Philipp Lahm war die Rotation entscheidend: "Die Spieler, die hereingekommen sind, haben einen überragenden Job gemacht." Die Turiner bekamen ab der 60. Minute nochmal vorgeführt, welch großen Fehler sie im Sommer mit der Leihe samt Kaufoption von Coman nach München gemacht haben. Nicht anders dürfte es Trainer Massimilliano Allegri und den Vorstandsherren bei der Personalie Arturo Vidal ergangen sein. Der Chilene überzeugte ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub und leitete mit seiner kompromisslosen Balleroberung den Ausgleich in der Nachspielzeit ein. Coman, der auch das 4:2 besorgte, flankte auf Müllers Kopf. "Ein verrücktes Spiel", wunderte sich der Ausgleichsschütze. Eines, an dem Müller kaum teilnehmen konnte. "Ich war wenig im Spiel. Gegen die italienischen Büffel hinten drin ist es nicht so einfach."

Deutsche Mentalität


Und die Bayern hatten an diesem Abend noch einen wichtigen Faktor auf ihrer Seite. "Klar, Glück gehört immer dazu", sagte Lahm. "Wir hätten kurz vor der Halbzeit das dritte Gegentor kassieren können." Den Glauben hatten die Münchener aber nie verloren, wie Thomas Müller locker erzählte: "Wir wussten die ganze Zeit, auch wenn es nach 80 Minuten 0:2 steht, geht noch was." Es ging noch was, mit Jokern, Glück und der "deutschen Mentalität" (O-Ton Guardiola). Nicht mehr viel ging aber bei Thomas Müller: "Ich bin jetzt viel zu platt, um euphorisiert zu sein."
Gegen die italienischen Büffel hinten drin ist es nicht so einfach.Thomas Müller
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