FC Bayern München
Der Patriarch kehrt zurück

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Bayern
22.11.2016
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"Das war's noch nicht!" Der trotzige Satz von Uli Hoeneß wird mit dem Comeback als Präsident des FC Bayern wahr. Rummenigge wird die Macht beim Rekordmeister wieder teilen müssen.

München. Die Rückkehr von Uli Hoeneß an die Spitze des FC Bayern erfolgt zu einem besonderen Zeitpunkt. Der wirtschaftlich weiterhin unantastbare Bundesliga-Krösus zeigt sich nach Jahren der nationalen Dominanz sportlich plötzlich verwundbar. Nach dem Sturz vom Tabellenthron könnte der deutsche Fußball-Branchenführer am Mittwoch (18.00 Uhr/Sky) im fernen Rostow am Don auch den Gruppensieg in der Champions-League vorzeitig verspielen.

Einziger Kandidat


Das würde die Stimmung beim "FC Ruhmreich" weiter beeinträchtigen und die Voraussetzungen zusätzlich verändern, unter denen der 64 Jahre alte Hoeneß sich am Freitag von den Mitgliedern nach seiner verbüßten Haftstrafe erneut zum Präsidenten des größten Sportvereins in Deutschland wählen lassen möchte. Er sei durchaus angespannt, verriet Hoeneß, dessen Wahl als einziger Kandidat nicht infrage steht. 270 Tage nach der vorzeitigen Entlassung aus der Haft kann Hoeneß seine persönliche Welt wieder zurechtrücken und für sich einen Schlussstrich unter das dunkelste Kapitel seines Lebens ziehen. Mit 64 wollte er "noch nicht aufs Altenteil", wie er dem "Kicker" sagte. Aber wer kehrt da zurück? Der alte Uli H.? Oder ein neuer? "Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein", kündigte er an.

Die Zeit im Gefängnis hat den streitbaren Bayern-Patron geprägt. Das Landgericht München verurteilte Hoeneß im März 2014 wegen der Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Nur einen Tag später trat er von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratschef zurück. Er hat seine Straftat verbüßt, über 40 Millionen Euro bezahlt. Aber aus seiner Vita streichen kann er den größten Fehler seines Lebens nicht. "Er wird sich wegen seiner Vorgeschichte aber sicher auch auf Angriffe einstellen müssen, die nichts mit seinem Amt zu tun haben", sagte sein langjähriger Intimfeind Christoph Daum: "Ich wünsche ihm persönlich, dass er als Präsident glücklich wird."

Im Audi-Dome, der Heimstätte der von Hoeneß protegierten FC-Bayern- Basketballer, dürften Hoeneß am Freitagabend Jubel und lautstarke "Uli"-Sprechchöre gewiss sein. Eine emotionale Inthronisierung ist angesagt, gemäß jenem berühmten Satz, den Hoeneß am 2. Mai 2014 am selben Ort den Mitgliedern trotzig zum Abschied auf Zeit zugerufen hatte: "Ich werde für alles geradestehen. Und dann, wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war's noch nicht!" Hoeneß wird wieder Karl Hopfner (64) ablösen, der seinen Platzhalter spielen durfte, aber konsequent das Angebot ablehnte, wieder in der zweiten Reihe in Hoeneß' Präsidium mitzuwirken. Der FC Bayern hat auch in den zwei Jahren ohne seinen Übervater gut funktioniert. Hoeneß aber braucht sein Lebenswerk. Das dokumentiert ein Satz, den er im November 2013 auf der Mitgliederversammlung vor seiner Verurteilung sagte: "Ich werde diesem Verein dienen - bis ich nicht mehr atmen kann!" Der FC Bayern ist für ihn die Luft zum Atmen.

Veränderte Machtstruktur


Mit Hoeneß als Präsident und später auch wieder Aufsichtsratsboss werden sich die Machtstrukturen beim Rekordchampion wieder verändern. Karl-Heinz Rummenigge hat als Vorstandsvorsitzender den Verein zuletzt als Führungsfigur praktisch alleine präsentiert, geprägt und globalisiert. Die Alphatiere haben es immer verstanden, Macht zu teilen. Es werde sich gar nicht so viel dramatisch ändern in der Zusammenarbeit zwischen Uli und ihm, versicherte Rummenigge.

Ich werde diesem Verein dienen - bis ich nicht mehr atmen kann.Uli Hoeneß
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