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Bosman-Urteil vor 20 Jahren veränderte den Fußball

Jean-Marc Bosman. Bild: dpa
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Bayern
15.12.2015
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Stuttgart. Jean-Marc Bosman hat seine Sportart mal geliebt, jetzt blickt der 51-Jährige mit Verachtung auf den Fußball in Europa. Früher sei es ein schönerer und geselligerer Sport gewesen, sagt der Ex-Profi der italienischen Zeitung "Gazzetta dello Sport". Aber mittlerweile habe er sich in eine Maschinerie verwandelt. "Die Spieler verdienen astronomische Summen, Verträge werden nicht respektiert", meint er verbittert. "Der Fußball ist zum Geschäft geworden."

Und Bosman selbst hat auf den Tag genau vor 20 Jahren seiner Meinung nach maßgeblich dazu beigetragen. "Die Spieler waren auf einmal frei. Doch diese Spieler verstehen heute nicht, was das Bosman-Urteil bedeutet", sagt er. Dass man heute so wechseln könne, habe "viel mit dem damaligen Urteil zu tun", sagt er. "Ich möchte, dass die Profifußballer von heute verstehen, dass ein Mann vor 20 Jahren bis aufs letzte Hemd dafür gekämpft hat."

Als Profi ist er nur Mittelmaß, doch mit seinem mutigen Schritt löst er Anfang der Neunziger eine Fußball-Revolution aus. "Das war ein Urteil mit schwerwiegenden Folgen für den Fußball, ganz speziell für die Clubs. Bis dahin hatten wir eine relativ gut funktionierende Welt unter den Clubs", sagte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge jüngst der Deutschen Presse-Agentur. "Mit dem Urteil kam eine große Bewegung in Sachen Gehälter, Transferablösen, etc. Es war schön für die Spieler und schlecht für die Clubs."

Das nach Bosman benannte "Bosman-Urteil" durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) am 15. Dezember 1995 erschüttert die Funktionäre. Nach dem Ende ihres Vertrags dürfen Fußballspieler in Europa nun ablösefrei den Verein wechseln. Bosman durfte das nicht. Die Geschichte des Belgiers ist auch die Geschichte eines Mannes, der einen langen Kampf gewonnen, aber dennoch viel mehr verloren hat.

Bosman wird 1964 in Montegnée geboren, einem Vorort von Lüttich, unweit der Grenze zu Deutschland. Noch heute lebt er in der Region. Das Beste, was der Fußballprofi während seiner kurzen Karriere erleben darf, sind zwei Uefa-Cup-Spiele gegen den FC Tirol und Rapid Wien.

Als 1990 sein Vertrag beim RFC Lüttich ausläuft, will der Club ihn zwar verlängern, bietet Bosman aber deutlich weniger Gehalt an. Das lehnt der mehrfache Familienvater ab und will stattdessen zum französischen Zweitligisten USL Dünkirchen wechseln. Der RFC verlangt von den Franzosen dafür eine hohe Ablösesumme von rund 600 000 Euro, die weder Dünkirchen noch ein anderer Club für den Mittelfeldspieler bezahlen möchte. Bosman beginnt zu klagen, wobei sich der Prozess über fünf Jahre hinzieht.
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