Fußball
Der Club mit irrer Aufholjagd

Wer heute nicht im Stadion war, hat wirklich was verpasst.
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Bayern
25.04.2016
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Nach gut 20 Minuten war alles gelaufen. Die dritte Niederlage im dritten Spiel nacheinander war besiegelt. Doch dann entwickelte sich die Partie in Nürnberg zu einem der kuriosesten Spiele der Zweitliga-Geschichte.

Nürnberg. Es war einfach nur ungemütlich: Graupelschauer, böiger Wind, um die fünf Grad. Aber das war alles noch nichts im Vergleich zur Leistung der Nürnberger Fußballer in der ersten Hälfte. Es war einfach nur fürchterlich. Oder wie es Tim Leibold formulierte: "Das war unter aller Kanone." Und über die zweite Hälfte sagte er: "Dass wir gleich sechs Tore schießen, war wirklich nicht zu erwarten."

Schnell mit 0:2 zurück


6:2 (0:2) besiegte der 1. FC Nürnberg am Samstag den FC Union Berlin und dabei boten die Clubberer ihren Fans in 90 Minuten so ziemlich alles, was der Fußball in all seinen Facetten zu bieten hat. Nach gut 20 Minuten lagen sie 0:2 zurück, der Zweitliga-Sechste aus der Hauptstadt machte mit dem Dritten aus dem Frankenland, was er wollte. "Da waren dann schnell die zwei Niederlagen von zuletzt im Kopf", mutmaßte Club-Coach René Weiler. Niclas Füllkrug gab ihm da Recht: "Da hatten wir wohl Angst, alles zu verspielen." Bei einer weiteren Niederlage hätte der Club auf den Viertplatzierten FC St. Pauli nur noch sechs Punkte Vorsprung gehabt. Bei zwar nur noch drei ausstehenden Spielen, allerdings treten die Hamburger auch noch in zwei Wochen in Nürnberg an. Dazu kommen Auswärtsaufgaben in Braunschweig (unangenehm) und in Paderborn (höchste Abstiegsgefahr). Die Nürnberger Profis begannen zu grübeln...

Jetzt haben sie neun Punkte Vorsprung, den Relegationsplatz zu 99 Prozent sicher. "Wichtig war einfach, dass wir gleich nach der Pause das 1:2 gemacht haben", erklärte der technisch starke Sebastian Kerk. Tim Leibold (49.) schaffte den Anschluss.

Erras kann's nicht glauben


"Da haben sich die Jungs wirklich in einen Rausch gespielt", freute sich auf der Tribüne der verletzte Patrick Erras. Der Raigeringer traute mit den gut 30 000 Zuschauern seinen Augen nicht, was da unten ablief. "Vielleicht haben wir die zwei Watschn vor der Pause wirklich gebraucht", grinste Georg Margreiter. Die Nürnberger gaben keinen Ball verloren, die Ballstafetten klappten plötzlich und Glück kam auch dazu. "Das haben wir dankbar angenommen", sagte Füllkrug zum klaren Elfmetergeschenk, das er zum 2:2 (60.) annahm. Die Nürnberger waren nun völlig losgelöst. Trainer Weiler staunte: "So was habe ich noch nie erlebt."

Plötzlich schien bei Regen im Frankenstadion doch die Sonne. Zwei Mal Füllkrug (67./90.), Guido Burgstaller (75.) und Even Holland (90.+2) schossen die Berliner ab. "Eine schöne Klatsche", stöhnte Union-Coach André Hofschneider. Der Club ließ sich feiern. "Was hier zwischenzeitlich abgelaufen ist, war schon unglaublich", sagte Füllkrug immer noch kopfschüttelnd. Am ehesten auf den Punkt brachte es aber Sebastian Kerk: "Wer heute nicht im Stadion war, hat wirklich was verpasst."
Wer heute nicht im Stadion war, hat wirklich was verpasst.Sebastian Kerk
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