Fußball
Der Club schnuppert am Pokalcoup

Pokalfight gewonnen: Der FC Schalke 04, mit Rio-Silbermedaillengewinner Max Meyer (rechts), setzte sich in Nürnberg letztlich verdient durch. Ondrej Petrak und der FCN wachten zu spät auf. Bild: dpa
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Bayern
27.10.2016
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Über fast eine Stunde ist das Pokalduell zwischen Nürnberg und Schalke eine königsblaue Machtdemonstration. Der Klassenunterschied ist unverkennbar. Dann startet der Club aber eine Aufholjagd.

Nürnberg. Als Schiedsrichter Frank Willenborg den Pokalfight nach knapp 94 Minuten abpfiff, drehte sich Schalke-Coach Markus Weinzierl entnervt um, machte eine abfällige Handbewegung in Richtung seiner Spieler und stapfte laut fluchend zur Ersatzbank. Das obligatorische Abklatschen mit dem Betreuerstab und den Reservisten hatte fast das Ausmaß einer zünftigen bayerischen Watschn-Flut. Von Freude keine Spur. Und der Club?

Die Nürnberger Spieler marschierten geschlossen in die Fankurve, bedankten sich artig für die Unterstützung von den Rängen. Dazu holten sie sich den verdienten Applaus für den Widerstand ab, den sie als Underdog dem millionengeschwängerten Bundesligisten geleistet hatten. Wer die Begegnung nicht verfolgt hatte, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, der Zweitligist hätte die Knappen tatsächlich aus dem Pokal gekickt. Dabei hatten die Schalker die Partie doch mit 3:2 für sich entschieden. Verkehrte Welt im Frankenland?

Eine Nummer zu groß


"Wir haben die Begegnung in der ersten Halbzeit verloren. Da waren wir viel zu passiv, zu ängstlich, wie das Kaninchen vor der Schlange", sagte etwa Nürnbergs Bester Guido Burgstaller nach der Partie. In der Tat: Die Schalker waren eine Nummer zu groß für den FCN. Gegen die wendigen Max Meyer oder Nabil Bentaleb wirkten Hanno Behrens und Ondrej Petrak doch sehr hüftsteif und handlungslangsam. "Wir waren zur Pause mit dem 0:3 noch gut bedient. Thorsten Kirschbaum hat uns da vor einer Klatsche bewahrt", lobte Tobias Kempe seinen Schlussmann. Der Flügelflitzer bestand darauf, als Doppeltorschütze des Clubs geführt zu werden. Auch wenn Schalkes Abdul-Rahman Baba Kempes Schussversuch in der 59. Minute in bester Slapstickmanier zunächst an seinen eigenen Oberschenkel und dann ins eigene Tor beförderte.

Dieser Treffer wirkte wie ein Weckruf für die Clubberer. Jetzt attackierten sie den Bundesligisten früher, provozierten Fehler und deckten auf, dass das Schalker Gebilde nach dem katastrophalen Saisonstart doch noch sehr labil ist. "Wir haben im zweiten Abschnitt unbewusst immer einen Schritt weniger gemacht. Manche Spieler wollten sich für das Revierderby am Samstag gegen Dortmund schonen", gestand Weinzierl, der frühere Augsburg- und Jahn-Trainer. Und als Schalkes Caicara völlig überflüssig Nürnbergs Behrens im Strafraum umsenste, als habe er noch nie etwas von Foulelfmetern gehört, geriet die eigentlich entschiedene Partie doch noch zu einem echten Pokalkrimi. Kempe verwandelte bombensicher und Schalke wackelte bedenklich. Behrens verletzte sich bei der Attacke so schwer, dass er ausgewechselt werden musste und dem Club vermutlich länger fehlen wird. "Es sieht nicht so gut aus", sagte Trainer Alois Schwartz auf der Pressekonferenz.

Montag auf St. Pauli


Nicht auszudenken, wenn sich S04-Keeper Ralf Fährmann noch den Titel "Slapstick-König der Saison" gesichert hätte. Eine verunglückte Rückpassannahme mit der Brust lenkte er sich fast zum Ausgleich ins eigene Gehäuse. Die 28 000 Zuschauer - abzüglich der etwa 3500 Schalke-Anhänger - tobten. Doch die Mittel des Außenseiters waren limitiert: Er investierte in der restlichen Spielzeit zwar alles, doch Schalke schaukelte den knappen Sieg relativ problemlos über die Zeit und ließ keine Club-Chancen mehr zu.

"Wenn wir in der zweiten Liga so auftreten, wie in den letzten 30 Minuten, werden wir in der Tabelle weiter nach oben klettern. Sollten wir am Montag allerdings so spielen wie in den ersten 60 Minuten, fliegt uns selbst Schlusslicht St. Pauli um die Ohren", richtete der starke FCN-Keeper Thorsten Kirschbaum den Blick schnell wieder in Richtung Tagesgeschäft.
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