Fußball
Diskussionen über Costas Selfie-Jubel

Die Szene, über die mehr geredet wurde, als über das Spiel selbst. Douglas Costa feierte seinen Treffer zum 2:0 mit einem Selfie. Bild: dpa
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Bayern
23.10.2016
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Es ist die Szene des Spiels: Douglas Costa erzielt nach etwas mehr als einer halben Stunde das 2:0 für die Bayern gegen Gladbach. Sein erster Saisontreffer nach längerer Verletzungspause. Nach dem Jubel mit den Teamkollegen stürmt er zur Tribüne, schnappt sich ein Smartphone und macht mit Freunden ein Selfie. Arrogant oder einfach nur cool?

München. So richtig einig waren sich die Beteiligten nach dem 2:0 des FCB gegen biedere Gladbacher nicht, was sie vom außergewöhnlichen Jubel Costas halten sollten. Während die Bayern-Bosse ihrem Schützling den Rücken stärkten, wünschte sich Gladbach-Manager Max Eberl zurück auf den Platz. Am besten mit den frisch aufgezogenen Eisenstollen. "Mich hätte der Costa nicht als Gegenspieler haben wollen. Neben seinem Jubel hat er heute auch zweimal den Ball aufreizend lässig mit der Hacke angenommen. Mehr will ich dazu gar nicht sagen", war Eberl spürbar angefressen.

Liveticker vom Spielfeld


Dagegen war Bayerns Vorstandvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, der nach dem Remis in Frankfurt noch in bestem Hoeneß-Stil gezürnt hatte, gnädig: "Zu meiner Zeit gab es noch keine Smartphones, sonst hätten wir das vermutlich auch gemacht. Solange nicht jemand noch auf die Idee kommt, während des Spiels etwas auf Facebook zu tickern." Und auch Trainer Carlo Ancelotti blieb italienisch gelassen: "Alles gut. Nur das nächste Mal möchte ich bitte mit aufs Foto." Vielleicht liegt sein Verständnis auch im Erfinder des Selfie-Jubels begründet. Roma-Urgestein Francesco Totti hatte sich einst nach einem Treffer mit der gesamten Kurve der Tifosi fotografiert.

Kritischer sahen dagegen Costas Mitspieler den Selfie-Jubel. Mats Hummels philosophierte zunächst über die verschiedenen Kulturen und Lebenseinstellungen im Team. "Die Brasilianer sind da halt etwas lockerer und lebenslustiger." Schob aber die Einschränkung hinterher, dass es so einen Jubel von ihm selbst nie zu sehen gäbe. "Von mir aus kann er noch 100 Selfies machen. Weil das würde heißen, dass er noch 100 Treffer für uns erzielt hätte."

Manuel Neuer überlegte etwas länger, als er sich zum Costa-Jubel äußerte: "Es ist schön, dass er getroffen hat. Aber den Jubel kann er auch nach dem Spiel machen. Wir haben in der Vergangenheit schon erlebt, wie katastrophal so ein Jubel wirkt, wenn eine sicher geglaubte Führung noch aus der Hand gegeben wird. So aber ist es gut gegangen." Gewohnt unaufgeregt kommentierte Thomas Müller die Aktion seines Mitspielers. "Er hat halt schon länger nicht mehr getroffen, da müssen dann eben ein paar Emotionen raus." Und der Fußball lebe von solche Typen und positiven Emotionen. "Ich erinnere mich noch an Jubel von Giovane Elber, der sich einst in ein überdimensionales Bayern-Emblem eingewickelt hat. Heute siehst du dafür vermutlich die Gelbe Karte." Müller selbst werde niemals so ausgefallen jubeln. Als ein Journalist meinte, er habe eher von Müller einen solchen Jubel erwartet, beendete der Fan-Liebling die Diskussion wie immer mit einem Lacher: "Nein, das haben Sie nicht. Da lügen Sie sich jetzt selbst in die Tasche."

Einseitige Partie


Die ausgelassene Jubel-Diskussion war auch nur möglich geworden, weil die vorangegangenen 90 Minuten wenig Gesprächsbedarf lieferten. Bayern lieferte "die beste erste Halbzeit dieser Saison" (Ancelotti) ab, beherrschte einen völlig ängstlich und passiv agierenden Gegner nach Belieben. "Wir waren heute körperlich und personell nicht in der Lage, Paroli zu bieten", gestand auch Gladbach-Coach André Schubert ein.

Da der Tabellenführer im zweiten Abschnitt einen Gang zurückschaltete, aber dennoch Herr im Haus blieb, reichten die Treffer von Arturo Vidal (16.) und eben Douglas Costa (31.), jegliches Krisen-Gerede zu den Akten legen zu können. Und auch Ancelotti war zufrieden, weil seine Rotation aufging: Martinez, Vidal, Costa und Rafinha durften anstelle von Lahm, Boateng, Müller und Kimmich von Beginn an ran. Bei einem so glücklichen Händchen, darf der Italiener dann auch sicher mit auf Costas nächstes Jubel-Selfie.
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