Fußball
Lerhrreicher Testspiel-Schlendrian

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Bayern
29.03.2016
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Bundestrainer Löw kann mit dem Warnschuss gegen England leben. Es war ja nur ein Testspiel. Trotzdem offenbart sich ein Mentalitätsproblem der Weltmeister. Gegen Angstgegner Italien geht es ums EM-Gefühl. "Wir müssen liefern", sagt Löws Assistent. Aber wer wird spielen?

München. Jetzt geht es ausgerechnet gegen den Angstgegner um ein gutes EM-Gefühl. "Klar ist, dass wir uns durch die Niederlage gegen England unter Druck gesetzt haben und gegen Italien liefern müssen", sagte Assistenztrainer Thomas Schneider am Ostermontag. Im Fußball zählen Ergebnisse, auch wenn Joachim Löw nach der "guten Lehrstunde" beim 2:3 gegen die hungrigen Engländer sehr entspannt reagiert hatte. "Man ärgert sich schon, aber auch damit können wir mal leben", resümierte der Bundestrainer in Berlin, bevor er seine Verlierer vor dem zweiten Klassiker am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) wie zuvor geplant in einen kurzen Heimaturlaub zu den Familien entließ.

Es sind ja nur Testspiele, aber genau diesen Testspiel-Schlendrian müsste Löw seinen Weltmeistern kurz vor der Europameisterschaft eigentlich austreiben. Sonst blüht gegen die abgezockten Italiener ein totaler Fehlstart ins EM-Jahr, der zumindest bei Außenstehenden wie Fans und Medien die Zweifel am weiter vorhandenen Erfolgshunger und der Titelreife der deutschen Nationalmannschaft schüren würde.

Verhindern soll das unter anderem Bayern-Bankdrücker Mario Götze, der sich in seinem 50. Länderspiel - noch dazu in München - beweisen darf. Löw gab dem 23-Jährigen eine Einsatzgarantie in der Startelf. "Es lohnt sich immer, Mario zu unterstützen. Er kann Dinge, die andere nicht können", begründete Löw, der für die EM auf Götze zählt.

Ohne Manuel Neuer


Weitere personelle Umstellungen blieben am Ostermontag streng geheim. Ersatz-Kapitän Sami Khedira deutete aber mit Verweis auf den großen Kader an, dass Löw das Ergebnis nicht über das Experimentieren stellen werde und das Team wohl großflächiger umbaut. Im Tor ist eine Umstellung nötig: Manuel Neuer reiste nach dem Treffpunkt am Montag rasch wieder wegen einer Magenverstimmung aus dem Teamquartier ab. Marc-André ter Stegen dürfte nach den Trainingseindrücken sein fünftes Länderspiel machen, obwohl auch ein Debüt von Bernd Leno (Bayer Leverkusen) oder Kevin Trapp (Paris St. Germain) möglich wäre. Bei der Übungseinheit in der Allianz-Arena fehlte am Montagabend auch der geschonte Khedira.

In Berlin hatten die jungen, wilden Engländer die Defizite des Weltmeisters schonungslos aufgedeckt. Und die Italiener seien "noch mal ein anderes Kaliber", bemerkte selbst Löw. "Für uns ist es schon noch mal wichtig, dass wir in die Vorbereitung gehen können mit einem Sieg", ergänzte Mario Gomez. Der Torjäger hatte Löw am Samstag die positive Erkenntnis des friedlichen Berliner Fußballabends geliefert.

"Er hat wieder das Näschen für Tore", lobte der Bundestrainer den 30 Jahre alten Angreifer, der sich als klassischer Neuner mit Nachdruck für eine EM-Hauptrolle aufdrängen konnte. Nicht nur bei seinem Kopfballtor demonstrierte Gomez lange verschüttet gegangene Stürmerqualitäten. Das erste Tor hatte Toni Kroos erzielt.

Ein Totaleinbruch in der letzten halben Stunde führte jedoch zu den Gegentoren von Harry Kane, Jamie Vardy und Eric Dier. Spielkontrolle, Organisation, aber auch die richtige Wettkampfeinstellung waren in dieser Phase verschwunden. "Bei der EURO bedeutet so ein Spiel die Heimreise", mahnte Gomez: "Aber ich glaube, dass einer deutschen Mannschaft bei der EURO so ein Spiel nicht passiert."

Vor allem nach der Pause wirkte die sehr unerfahrene Abwehr um Neuling Jonathan Tah (20), der für den angeschlagenen Mats Hummels reinkam, und Antonio Rüdiger (23) überfordert. Auch einige Leistungsträger wie Thomas Müller oder Marco Reus agierten im Sparmodus. "Es ist einfach so, dass wir den Testspielcharakter, und da spreche ich auch von mir selbst, nicht abschütteln konnten", gestand Müller ehrlich. Sechs von 16 Spielen als Weltmeister haben Müller und Co. verloren. Ein Alarmzeichen? "Niederlagen haben immer das Positive, dass man weiß, was man nicht so gut gemacht hat", sagte Khedira. Ob's gewirkt hat, muss sich gegen die starken Italiener zeigen.
Klar ist, dass wir uns durch die Niederlage gegen England unter Druck gesetzt haben und gegen Italien liefern müssen.DFB-Assistenztrainer Thomas Schneider
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