Fußball: SSV gewinnt gegen FC Ingolstadt 3:1
Rot-Weißer Dusel in Ingolstadt

Prima Klima und prima Stimmung: Regensburgs Ultras hatten nach dem Jahn-Sieg in Ingolstadt gut Feiern. Bilder: Baumann/Göpel
Sport BY
Bayern
21.07.2015
52
0
 
Prima Klima und prima Stimmung: Regensburgs Ultras hatten nach dem Jahn-Sieg in Ingolstadt gut Feiern. Bilder: Baumann/Göpel
 
Nostalgische Erinnerungen an die alte Jahn-Tribüne: Ingolstadts Fans verteilten sich großzügig im angenehmen Schatten ihrer ESV-Trutzburg.

So viel Glück ist nicht nur ungewohnt – es ist beinahe unverschämt. Da hat Schiri Steffen Brüttling schon fast die Pfeife im Mund, als Kevin Hoffmann Danny Schöpf bedient, der zum 1:2-Wirkungstreffer einlocht. Nach Foul an Hesse macht der selbe Schöpf per Strafstoß auch noch das 1:3 (94.).

„Luft nach oben“ hatte Jahn-Coach Christian Brand diagnostiziert. Auch nach dem schmeichelhaften 3:1-Auswärtssieg beim FC Ingolstadt II kann man diese Diagnose unterschreiben: In der ersten Halbzeit scheint die Luft schon raus, ehe das Spiel richtig beginnt – die Folge: viel heiße Luft und Trinkpausen als Höhepunkte im ESV-Stadion. Markus Ziereis‘ Killerinstinkt ist es zu verdanken, dass der SSV nach einer Ecke von Kolja Pusch doch noch in Führung geht. Der Regensburger Vollstrecker braucht für seinen dritten Treffer nur noch die Birne hinzuhalten, 0:1 (45.).

Brütende Hitze ohne zündende Ideen

Rund 1200 Zuschauer, darunter gut 200 Jahn-Fans, warten in brütender Hitze auf zündende Ideen der Akteure. Der SSV beginnt mit der Startelf vom Aschaffenburg-Auftakt – nur Sebastian Nachreiner ist für Ali Odabas in die Abwehr gerückt. Rot-weiß gegen Rot-Schwarz-gestreift, ein Punktspielenovum – nur gegen die erste Schanzer Mannschaft musste Regensburg bislang ran. Zeitzeuge: Ingolstadts Coach Stefan Leitl, der im Zweitliga-Duell 2012 das 1:1 erzielte.

Das Beste, was man über die ersten zwanzig Minuten sagen kann: die Gäste haben etwas mehr Ballbesitz. Aber Ingolstadts U23 lässt dem Favoriten wenig Luft – so etwas wie Gefahr dann erstmals bei einer Flanke von Uwe Hesse. Allein, es fehlt der Abnehmer im Strafraum (5.). Auf der anderen Seite deutet der Deutsch-Nigerianer Aloy Ihenacho, der in Unterhaching für die zwischenzeitliche Ingolstädter Führung gesorgt hatte, mit einem Distanzschuss über die Latte an, dass die Oberbayern hier mitspielen wollen (11.).

Vorgeschmack auf Katar

Gut, der Jahn kontrolliert das Geschehen, aber das kann man von der 1,5-Millionen-Euro-Truppe auch erwarten – aber für Chancen reicht das kaum, zu ungenau die Pässe, zu unkonzentriert die Dribblings. Immerhin, Hesse zieht mal auf eigene Faust von rechts nach innen, Keeper Thomas Bauer wehrt den unpräzisen halbhohen Schuss von der Strafraumkante ab (24.). Trinkpause für alle – der Vorgeschmack auf Katar lässt nichts Gutes ahnen (28.).

Es geht weiter mit viel gutem Willen und dem fehlenden letzten Pass: Pusch lässt vier Oberbayern stehen, doch Knolls Schüsschen beeindruckt niemanden (31.). Dann endlich mal ein Blitzkonter der Regensburger, aber George verschläft den richtigen Moment, um den gestarteten Ziereis in Szene zu setzen (34.). Und als Hesse das Leder von mal punktgenau auf Ziereis Kopfchen serviert, kann der der Kugel nicht mehr den nötigen Nachdruck verleihen (39.).

Eine Standardsituation reicht dem Drittligaabsteigen schließlich zur Führung: Puschs Ecke dreht sich auf Ziereis, der aus fünf Metern unbedrängt einnicken kann, 0:1 (45.).

Löchrige Mauer in der Hitze

Das kann doch jetzt nicht euer Ernst sein: Äußerlich unverändert zieht sich der Gast nach Wiederanpfiff zurück und lässt Ingolstadt das Spiel machen. Gut, die Hitze ist nicht jedermanns Sache und auch für Favoriten gibt es keine Vorschrift, anzurennen, bis man umfällt. Aber erstens sollte die Luft der Profis trotz Klimawandels für zwei Hälften reichen und zweitens – wann hat der SSV schon mal erfolgreich gemauert?

Wer sagt‘s denn, schon bringen sich die Regensburger in Schwierigkeiten: Ecke Ingolstadt von links, Hesse klärt mit dem Kopf zu kurz, Albano Gashi mit dem zweiten Ball … jetzt erst klärt die Jahn-Abwehr (61.). Noch mal gutgegangen, denken sich die Rotweißen und dösen weiter vor sich hin: Ping-Pong im Strafraum, Aloy Ihenacho schnappt sich die Kugel kurz vorm 16er und knallt das Ding volley an Philipp Pentke vorbei zum nicht unverdienten Ausgleich ins Netz (63.). In welcher Liga sieht diese Jahn-Abwehr eigentlich endlich sattelfest aus?

Jahn hochnotpeinlich unter Druck

Zeit für die nächste Trinkpause (68.) – verdient oder nicht, vielleicht weckt der ein oder andere Spritzer ins Gesicht die schläfrigen Regensburger wieder auf und Christian Brandts Mantra geht den Oberpfälzern unter die Haut. Ein frischer Mann auf frischer Tat ertappt: Danny Schöpf tankt sich zur rechten Eckfahne durch, bedient Oli Hein, der zumindest eine Ecke erzwingt (74.).

Doch statt Ecke, Ecke, Tor muss Hein plötzlich in der Abwehr aushelfen:

Stefan Müller und Andreas Buchner spielen Katz‘ und Maus mit der Regensburger Abwehr, Hein kann gerade noch den Abschluss blocken (77.).
Als hätte noch kein Jahn-Spieler von Ihenacho gehört, gibt ihm das gesamte Mittelfeld Begleitschutz bis kurz vorm Strafraum (79.).
Basti Nachreiner klärt Buchners Breistoß am Elfmeterpunkt (81.).
André Luge stoppt Ihenacho im aller letzten Moment (83.).
Thomas Kurz köpft Buchners Freistoß aus 19 Metern aus der Gefahrenzone (84.).
Buchner holt nochmal einen Freistoß raus (88.) – Pentke rettet mit Riesenreaktion gegen Ihenacho (89.).

Ingolstadts Jungs und die fatalen letzten Minuten

Als Markus Ziereis endlich wieder für Entlastung sorgt – Hofmanns scharfe Hereingabe schlenzt er um Zentimeter übers Tor (92.) – scheint sich Ingolstadts Chefcoach mit dem einen Punkt anzufreunden. Er schindet Zeit mit der Einwechslung von Sammy Ammari für Mario Götzendorfer (93.).

Aber da ist das Schicksal der Gastgeber schon besiegelt. Wie in Unterhaching, als der Ingolstädter Nachwuchs in der 88. Minute den Ausgleich fing, fehlt es auch heute an der Konzentration im entscheidenden Moment: Hoffmann behauptet den Ball im Ingolstädter Strafraum, Schöpf zieht ab, 1:2 (93.). Der unerwartete Last-Minute-Schlag bringt die Gastgeber jetzt vollends zum Taumeln – überflüssiges Foul an Hesse im Strafraum, Schöpf mit dem 1:3 Bomber Ziereis auf den Fersen.

Warten auf den FC Bayern II

Was für eine Liga: Die Ergebnisse des zweiten Spieltags befördern den SSV Jahn an die Tabellenspitze. Abstiegskollege Untehaching leistet sich ein 0:2 in Rain am Lech – ein Aufsteiger, der am Samstag in Buchbach mit 0:4 Baden gegangen war. Jener TSV Buchbach, den Wacker Burghausen mit 3:2 niederringt. Schweinfurt, mit einem 5:1 gegen Nürnberg gestartet, zieht beim Unterfrankenderby mit 0:2 in Aschaffenburg den Kürzeren. Memmingen, nach dem 1:4 in Amberg bereits unter Druck, fertigt „Geheimfavorit“ Illertissen mit dem selben Ergebnis ab.

Nur der große Konkurrent Bayern München II muss weiter auf seinen Saisoneinstieg warten – und auf die Talente, die Pep Guardiola zum Schaulaufen mit nach China nahm. Erst am kommenden Dienstag, wenn Münchens Aufstiegshoffnung gegen Bayreuth ins Rennen eingreift, kann man den Wert der weißen Weste von Jahn Regensburg etwas besser einschätzen.