Illertissen beendete im Vorjahr die Serie von Meister Würzburg
Jahn zu Gast beim Favoritenschreck

Dressman in Black: Christian Brand, der vielleicht eleganteste Trainer der Liga. Bilder: Herda/Göpel/dpa
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Bayern
21.08.2015
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Dressman in Black: Christian Brand, der vielleicht eleganteste Trainer der Liga. Bilder: Herda/Göpel/dpa

Klar, Uli Klar ist verletzt. Der Kapitän des bayerischen Fußball-Regionalligisten FV Illertissen muss am Samstag, 14 Uhr, das Spiel des Tabellenneunten von der Tribüne des Vöhlinstadions aus betrachten: „Aber auch so wollen wir Regensburg die erste Niederlage beibringen.“ Gegen Favoriten machen die Schwaben ihre besten Spiele. „Gegen Würzburg haben wir vergangene Saison remis gespielt, nachdem die vorher nur gewonnen hatten.“

Auch FV-Trainer Holger Bachthaler möchte die Serie der Gäste reißen sehen: „Die Regensburger haben sechs Spiele in Folge gewonnen. Es ist an der Zeit, dass ihnen mal ein Bein gestellt wird.“ Der 40-Jährige ist seit Mitte Juni einer von 25 ausgewählten Teilnehmern am Fußballlehrer-Lehrgang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) – der einzige Trainer aus der Regionalliga Bayern. Die Aufnahme an der Hennes-Weisweiler-Akademie, bei der die Kandidaten drei Tage lang auf Herz und Nieren geprüft werden, hat er im ersten Anlauf geschafft.

Tipps von Markus Weinzierl?

Der Trainer-Fuchs in Ausbildung, der auch noch ein Praktikum beim Bundesligisten FC Augsburg absolviert und sich dort aus berufenem Munde über die Regensburger Stärken informieren kann, hat Respekt vor den Oberpfälzern: „Die Gäste arbeiten unter Profibedingungen.“ Um dem Tabellenprimus nach der Verjüngungskur des FV Paroli bieten zu können, müssen die jungen Nachrücker an ihr Leistungsmaximum gehen. „Die Jungs, die dazu gekommen sind, haben alle Talent und Biss“, lobt der verletzte Kapitän Klar seine internen Konkurrenten tapfer.

Der Start in die Saison für den Verein aus dem 16.000-Einwohner-Städtchen im Landkreis Neu-Ulm verlief zäh: Aus im Toto-Pokal, nur Platz 9 mit 8 Punkten in der Liga – das ist weniger, als manche Regionalliga-Trainer dem Geheimfavoriten zugetraut hätten. Schließlich war der Außenseiter in den drei Jahren seiner Regionalliga-Zugehörigkeit immer wieder für Überraschungen gut – obwohl der Verein in Bayern beheimatet ist, gehörte er wegen seiner Grenzlage bis zur Saison 2011/12 dem Württembergischen Fußball-Verband an und wechselte erst zur Saison 2012/13 freiwillig in den Bayerischen Landesverband.

Janusköpfige Grenzgänger

Jahn-Trainer Christian Brand weiß nicht so recht, wie er den wankelmütigen Gegner eintaxieren soll: „Illertissen zeigte diese Saison zwei Gesichter“, erklärt der Coach, der die überschaubare Leistung seiner Truppe beim 1:0 gegen den Landesligisten TSV Neudrossenfeld während der Woche im Pokal geflissentlich ausblendet – zugegeben mit einer 1B-Mannschaft, um den Rekonvaleszenten Spielpraxis zu verschaffen. Das „ganz kleine Risiko“ sei er bewusst eingegangen, um sie ans Spitzenreiter-Niveau heranführen.

Dass dem SSV nach dem Abstieg in die Regionalliga einige Premieren bevorstehen, war klar: Erstmals laufen die Rot-Weißen gegen die Westbayern mit Sitz an der Iller auf, wo die Burg Tissen von den nahen Memmingern zum prächtigen Vöhlin-Schloss aufgemotzt wurde. Aber wegen der reizvollen Landschaft und der malerischen Kulisse reisen die Fußballer aus der Welterbestadt nicht an – gegen einen vom Geist offensiven FV, der aber zuletzt in Ingolstadt äußerst ängstlich auftrat, soll die 20-Punkte-Marke übersprungen werden.

Stolperstein Morina

Schwierigster Stolperstein aus Sicht Brands: Stürmer und Schlüsselspieler Ardian Morina. „Wir müssen versuchen, Morina gar nicht erst zu seinem Spiel finden zu lassen.“ Solange seine Jungs „den Kick, die Gier und den Willen zeigen, weiter zu gewinnen“, macht sich der Mann im eleganten Schwarz keine Sorgen. Vor allem auch, weil sich mit Ex-Bundesligaprofi Thomas Paulus eine Stütze in spe auf dem Weg der Besserung befindet, die Pannen wie beim 4:3 gegen Amberg verhindern soll. „Ich denke, dass Thomas kommende Woche auch voll einsteigen kann“, macht er Mut auf eine Premiere im folgenden Freitagabend-Heimspiel gegen die SpVgg Bayreuth.

Aussetzer wie bei den zwei Gegentoren beim Derby in den letzten Minuten sollte der SSV Jahn aber auch ohne Paulus verhindern können – oder zumindest so klar vorlegen, wie dass auch gegen den FC Amberg möglich gewesen wäre: „Bei 4:1 haben wir mehrere Hundertprozentige ausgelassen“, moniert Brand. Nur deswegen hatte der Gast nochmal Grund, sich über die vermeintlich zu kurze Nachspielzeit aufzuregen.