Jahn im Grünwalder Stadion: 1860 II übte bei Knast-Kick
Löwenbisse nach Bayern-Blamage

Jahn-Trainer Christian Brand verlangt von seinen Jungs noch mehr Konzentration im Abschluss. Bilder: Herda/Baehnisch/Göpel
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Bayern
04.09.2015
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Jahn-Trainer Christian Brand verlangt von seinen Jungs noch mehr Konzentration im Abschluss. Bilder: Herda/Baehnisch/Göpel

Und wieder nimmt eine Regionalliga-Mannschaft Anlauf, dem Jahn (1./22 Punkte) die erste Schlappe zu bereiten: Am Sonntag, 6. September, 14 Uhr, wollen die kleinen Löwen (6./13) im Grünwalder Stadion testen, welche Aussagekraft das 3:1 des Spitzenreiters gegen Pep Guardiolas C-Auswahl des FC Bayern besitzt.

„Die Spieler sind gegen Jahn Regensburg hochmotiviert“, überrascht Trainer Daniel Bierofka nur begrenzt. Der Ex-Alt-Löwe sieht sein Team natürlich als Außenseiter. „Aber genau daraus ziehen wir unsere Motivation“, macht er aus der Not eine Tugend. „Wir wollen Regensburg als erstes Team schlagen“, sieht er sich in einer Reihe mit den Trainern von bisher acht Teams, die ein gleiches Ziel vor Augen hatten. Dass bisher nur Bayreuth zumindest eine Punkteteilung erzwang, liege an der „für die Liga sehr starke Mannschaft“, analysiert der Münchener. „Genau diese Mischung macht Regensburg brandgefährlich.“

Rennen Freund und Feind über den Haufen

Das richtige Stichwort: Denn auch gegen Christian Brands Bayern-Bezwinger möchte Bierofka die Jung-Löwen-Tugenden nicht missen: „Wir halten an der Art, wie wir Fußball spielen, fest – aktiv, mutig und aggressiv mit hohem Tempo und großem läuferischen Aufwand.“ Die Mannschaft habe hart trainiert, verrät der 36-Jährige – und danach eine Knast-Auslese der JVA Stadelheim mit 9:1 und den FC Ismaning mit 7:2 verputzt. „Das Spiel im Gefängnis war für die Jungs eine wichtige Erfahrung und hat sie zudem etwas vom Trainingsalltag abgelenkt.“

Respekt ja, Furcht nein – Jahn-Trainer Brand hält die Aufgabe in der Grube des Löwennachwuchses für lösbar. Dort gehe es zwar ganz schön wild zu: „Die schmettern schön dazwischen“, hat er beobachtet, aber wie bei Jugendmannschaften üblich geschehe das „sehr unkontrolliert – die rennen auch Freund und Feind gerne mal über den Haufen, den Bremsmechanismus haben die irgendwie nicht im Kopf.“

Hut ab vor den Fouls der Baby-Löwen

Aber Achtung, Jahn-Freunde: „Im letzten Spiel waren da Fouls dabei, wo ich gedacht habe, ah puuh, Hut ab.“ Mit Erfahrung und Körperlichkeit müsse man denen den Schneid abkaufen. 14:7 – an dieser Tordifferenz könne man ablesen, dass 1860 junior relativ viele Treffer erziele: „Eine typische Nachwuchsmannschaft, die frisch nach vorne spielt, sehr unbekümmert ist, schnell auf den Beinen, technisch sehr gut“, fasst Brand seine Erkenntnisse aus der Marktbeobachtung zusammen. „Aber dennoch glaube ich, dass wir eine Mannschaft haben, die dort bestehen kann.“

Daran ändere auch der erste Punktverlust beim 1:1 gegen Bayreuth nichts: „Wir haben einfach die Torchancen nicht verwertet“, erinnert der Coach an die vielen haarsträubenden Momente, als Markus Ziereis & Co. knapp verfehlten. „Wir müssen noch konzentrierter beim Abschluss vorgehen, dann glaube ich, dass wir die Spiele auch gewinnen werden.“

Bayerns U23 stärker als C-Team

Ein Selbstläufer werde das freilich nicht, da gaukle man sich auch nach dem 3:1 gegen die Bayern nichts vor. „Wir wissen, dass es eine sehr schwierige Liga ist.“ Am Donnerstag habe fünfeinahalb Mal Bundsliga auf dem Platz gestanden, aber auch Jungs, die in der U23 nicht zum Einsatz kämen: „Die U23, auf die wir im Oktober treffen, die wird schon nochmal ganz anders aussehen“, schätzt er die reguläre Regionalmannschaft der Bayern stärker ein als die besiegte Freundschaftself vor der EM-Quali.

Alles läuft in Brands Saisonplan nach den Nachholtermimen der Münchener auf das Duell mit den Roten hinaus: „Für mich ist ganz klar, dass Bayern die beiden Spiele gewinnen wird und dann sind es tatsächlich noch zwei Punkte – alles andere ist eine extrem verzerrte Momentaufnahme.“ Man dürfe sich nicht blenden lassen, von wegen souveräner Tabellenführer. „Ein realistisches Bild ist, dass wir vor Wacker Burghausen sind, weil die gleich viele Spiele haben.“ Man wisse beim Jahn, das die Qualität der FCB-Talente enorm sei: „Die haben diese Woche noch einmal einen Transfer getätigt, einfach einen aus der Dritten Liga herausgekauft – es sieht aus, als ob die jetzt Ernst machen.“

Mit Pales Kopf wieder alles o.k.?

Viel verändern wird Regensburgs Trainer auch an Giesings Höhen kaum: Die mögliche Alternativen sind noch nicht auf Augenhöhe mit dem Stammpersonal oder haben sich erneut verletzt: „Andrè Luge hat eine Außenbandverletzung“, barmt Brand die Offensivkraft, „er war dran, hat gegen Bayereuth 20 Minuten gespielt, wir wollten ihn behutsam heranführen – jetzt wird er vielleicht wieder zwei oder drei Wochen ausfallen.“

Danny Schöpf habe einen Schlag aufs Bein bekommen, der nicht so gravierend sei. „Und bei Markus Palionis muss ich selbst erst schauen, ob mit dem Kopf wieder alles o.k. ist – ich hoffe, dass er am Sonntag dabei ist.“ Denn für Thomas Paulus komme ein Einsatz von Beginn weg zu früh: „Er hat gestern seit langem mal wieder eine Halbzeit gespielt, und ich bin megaglücklich für ihn, dass er das ohne Verletzung überstanden hat.“ Man werde trotzdem weiter behutsam vorgehen, weil es nie sinnvoll sei, ein Risiko einzugehen. „Wir haben im Moment mit Thomas Kurz und Markus Palionis eine Innenverteidiguing, die gut funktioniert.“ Und daran ändere allenfalls eine aktute Notlage etwas.