Letzter Jahn-Akt im Pro-Brand-Trauerspiel in Schweinfurt
Regensburgs Winterreise

Mehr Torero als Trainer: Christian Brand beim 5:0-Heimsieg gegen Schweinfurt. Bilder: Herda
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Bayern
26.11.2015
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Mehr Torero als Trainer: Christian Brand beim 5:0-Heimsieg gegen Schweinfurt. Bilder: Herda
 
Kämpfen bis zum Umfallen wie hier die Jahn-Abwehr mit den Vorkämpfern Sven Kopp und Marvin Knoll gegen Unterhaching will auch der FC Schweinfurt.

Dieser Weg musste kein leichter sein. Und hier endet er: In Schweinfurt kann das Pro-Brand-Team ein letztes Mal für den Trainer beweisen, dass es auch auswärts punkten kann. Das Jahn-Schlachtschiff vom sonntäglichen Triumpf des Willens gegen Unterhaching verteidigt am Freitag, 19 Uhr, beim kampfstarken Vorletzten die fadenscheinig gewordene Tabellenführung.

„Regensburg ist trotz der kurzen Schwächephase zuletzt der Favorit auf die Meisterschaft“, sagt FC 05-Trainer Gerd Klaus wenig überraschend. „Natürlich wird es eine schwere Aufgabe, aber wir werden alle Kraftreserven, die wir noch im Tank haben, in dieses Spiel investieren, um noch ein positives Resultat mit in die Winterpause zu nehmen.“ Man müsse an die zweite Halbzeit des Ingolstadt-Spiels anknüpfen, als es gelang, einen 1:4-Rückstand zu egaliseren. „Nur so kann es funktionieren“.

Unterfranken kämpfen bis zum Umfallen

Marco Janz, gebürtiger Wolkersdorfer, beim 1. FC Nürnberg im Leistungszentrum und in der U-19-Bundesliga ausgebildet, verspricht dem Trainer: „Wir werden bis zum Umfallen kämpfen und mit der Unterstützung der Fans im Rücken alles daran setzen, erneut zu punkten.“ Es sei das letzte Spiel des Jahres, danach bleibe genug Zeit für Regeneration. „Vor großer Kulisse unter Flutlicht haben wir immer besondere Spiele im Willy-Sachs-Stadion erlebt.“

Zur Kampfansage passt das rote Banner der IG Metall, dem neuen Sponsor des FC 05. Das ist doch mal eine schöne Geschichte: Auch die Arbeiterbewegung geht neue Wege und bietet allen IGM-Mitgliedern (gegen Vorlage des gültigen IG Metall-Mitgliedsausweises) ein ermäßigtes Ticket für lediglich 6 Euro. Günter Schabowski würde dazu vermutlich sagen: „Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das … (raschel, raschel) auch für Regensburger gültig.“ Und Verdi-Mitglieder?

Der kranke Mann der Regionalliga

Auch gilt, dass der Jahn der kranke Mann der Regionalliga bleibt: Regensburg kommt ohne Sebastian Nachreiner, Andreas Geipl, Ali Odabas, Thomas Paulus, Oli Hein, Marc Lais und Top-Torjäger Markus Ziereis an den Main: „Da geht gar nichts“, winkt Christian Brand ab. Zurück im Team ist nur Markus Palionis nach verbüßter Gelbrot-Sperre.

Die taktische Ausrichtung richte sich danach, wer morgen wieder an Bord sei. „Grundsätzlich kann man sagen, dass eine ähnliche Mannschaft auf den Platz läuft wie gegen Unterhaching – mit Ergänzung von Markus Palionis.“

Krasser Vorletzter

Beim Gegner, der die drei letzten Spiele nicht verloren hat, bewundert Brand ähnliche Tugenden, über die er sich zuletzt bei seiner Mannschaft freuen durfte: „Die sind 17., das ist krass, weil die hauen alles in die Waagschale“, bekommt der Jahn-Trainer Leistung und Tabellenplatz kaum unter einen Hut. „Und wir haben zwar beim Hinspiel hier am Ende deutlich gewonnen, aber da war auch eine Rote Karte dabei und ein Elfmeter“, erinnert er an das 5:0 in der Conti-Arena.

„Die haben letzte Woche gegen Ingolstadt fantastisch gespielt“, berichtet Brand von seinen Eindrücken, „die erste Halbzeit war zum Vergessen für sie, aber die zweite Halbzeit haben sie ein wahnsinniges Spiel gemacht.“ Immer, immer weiter hätten sie daran geglaubt, was holen zu können. „Und tatsächlich, am Ende hätten sie noch gewinnen können“, ist er von der Aufholjagd beim 4:4 gegen Ingolstadt beeindruckt. „Wirklich sehr sehr großer Charakter und sehr großes Herz in dem Team.“

„Geht mir gar nicht nah“

Aber natürlich sei es bei 35 Gegentreffern auch so, dass sie den einen oder anderen Fehler gemacht hätten: „Wir müssen uns da nichts vormachen, wir fahren dahin, um das Spiel zu gewinnen, und ich glaube, wenn wir mit so viel Herz und Courage spielen und dann noch die spielerische Überlegenheit auf den Platz bringen, dann können wir als Sieger Schweinfurt verlassen.“ So soll es sein.

Jetzt, wie fühlt sich der Trainer vor seinem letzten Einsatz für den Jahn an der Seitenlinie? Wehmut, Zorn, Depression? „Das geht mir gar nicht nah“, lässt Brand Heulsusen-Fragen abperlen wie Fett an Teflon-Pfannen. „Die Woche war für mich super, wir haben gut trainiert“, lässt er nichts anbrennen. „Ich habe mich auschließlich über den Sieg gefreut und über den Charakter der Mannschaft.“

Der Weidener Bou als Sinnbild

Mehr lässt sich der scheidende Übungsleiter immerhin über die Leistung seiner Schützlinge am Sonntag entlocken: „Sven Kopp war so ein bisschen Sinnbild des Teams“, lobt er den Weidener. „Er war auch auschlaggebend dafür, dass die Mannschaft so gefightet hat, weil er richtig Gas gegeben und ein großes Herz bewiesen hat.“ Er habe richtig richtig gute Aktionen gehabt – „und dann wieder Momente, wo man dachte, uuuh, jetzt wird‘s nochmal brenzlig.“

Eben wie bei der ganzen Mannschaft. „Michi Faber ist ein guter Kicker, das wissen wir“, greift er noch eine Nachwuchshoffnung heraus. „Er braucht sicher noch sehr sehr viel Zeit im Training und auf der grünen Wiese, dass er sich da weiterentwickelt.“ Aber er habe das Tor vorbereitet und Mut zu direktem Spiel: „Er ist ein Junge, der erfrischend nach vorne spielt und ein positiver Geist, der der Mannschaft gut tut.“

Marvin Knoll, auch hinten ganz vorne dabei

Aber auch ältere Semester bekommen ihr Lob ab: Marvin Knoll habe als Innenverteidiger souverän „Vollgas gegeben“: „Er war ganz vorne dabei, was Einsatz und Willen angeht, hat die Mannschaft mitgezogen, hat den Laden mit dem Thomas Kurz hinten organisert, und ja, das wünscht man sich natürlich, dass die Spieler erkennen, das ist eine heikle Situation, dass dann der eine oder andere nach vorne tritt und so eine Leistung zeigt an dem Tag.“ Hätte wäre wenn – warum nicht immer so?

Ganz normal, wiegelt Brand ab: „Die Jungs, alle Sportler, versuchen natürlich immer ihr Bestes abzurufen.“ Er würde niemals einer Mannschaft Herz absprechen oder Willen oder auch Courage. Es sei einfach im Sport nicht immer möglich, Top-Leistungen zu bringen. „Ich kann von meiner Mannschaft sagen, sie haben das in den 21 Spielen, immer, immer versucht, haben das ganz ganz oft wirklich gut gemacht, und dann gibt‘s halt ein paar Spiele, wo‘s nicht so gut war.“

Telefon stand nicht mehr still

Bei der letzten Pressekonferenz zumindest vor einem Jahn-Spiel lässt sich Müller-Nachfolger Martin Koch berührte Abschiedsworte nicht nehmen: „Ein Jahr warst du hier, ein sehr bewegtes Jahr für den Jahn und ich glaube, ich kann auch für die Mitarbeiter sprechen, wir werden alle, trotzdem es eine schwierige Zeit war sportlich, werden wir die Zeit immer gut in Erinnerung behalten – werden dich als Mensch immer gut in Erinnerung halten und wünschen dir alles gute für die Zukunft und dass du morgen einen guten Abschluss hast in Schweinfurt.“

Wie man hört, sei das Telefon nicht mehr stillgestanden in der Geschäftsstelle. Der Andrang an potenziellen Trainern sei groß. Wie sieht es umgekehrt mit der Nachfrage nach dem Mann aus, der als Feuerwehrmann den Jahn nicht vor dem Abstieg aus der Dritten Liga retten konnte, die restrukturierte Mannschaft dann auf Platz 1 der Regionalliga führte und einer Schwächephase zum Opfer fiel? „Dazu möchte ich nichts sagen“, sagt er vielsagend. Wir dürfen gespannt sein, wo man sich ein zweites Mal trifft.