Regensburg nach 2:0 weiter Spitze, Haching Vorletzter
Jahn öffnet die Tabellenschere

Fehlt nur noch ein Einpeitscher wie Schweinsteiger: Dann kann sich hier eine neue Jahn-Feierkultur entwickeln. Bilder: Herda/Baumann/Jahn
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Bayern
25.07.2015
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Fehlt nur noch ein Einpeitscher wie Schweinsteiger: Dann kann sich hier eine neue Jahn-Feierkultur entwickeln. Bilder: Herda/Baumann/Jahn
 
Die Ultras sorgten für Stimmung, ohne über die Stränge zu schlagen.
 
Der Elfer-King: Schon dreimal versenkte Kolja Pusch das Leder vom Punkt.

Im ewigen Vergleich der beiden bayerischen Kontrahenten gleicht der Jahn mit dem achten Sieg gegen Unterhaching aus: Das verdiente 2:0 ist eine erste Weichenstellung – Regensburg mit sauberem Blitzstart und 9 Punkten an der Spitze, Mitabsteiger Haching mit einem Punkt nur deshalb nicht Schlusslicht, weil die U23 des FC Bayern noch ohne Spiel und Punkt ist.

Anders als Jahn Regensburg, wo das Korsett der Drittliga-Mannschaft gehalten werden konnte, muss man sich beim Gastgeber fragen, ob da auch Haching drin ist, wo SpVgg draufsteht: Nur noch vier Spieler der vergangenen Saison sind mit dabei. Der SSV beginnt mit leicht veränderter 4:3:3-Anfangsformation, Marcel Hofrath, Ali Odebas, Bastian Nachreiner und Markus Palionis sollen ein Fiasko verhindern wie beim 2:3 (2:0)-Dreher im Kellerduell 2014.

Haching zu Beginn nervös

Der Tabellenführer beginnt wie zuletzt immer mit spielerischer Ansage, wo’s langgehen soll – Uwe Hesse über rechts, zwischen Abnehmer und Ball leider noch ein Verteidiger (3.). Gleich darauf Oli Hein an der Grundlinie, dreht die Flanke vors Tor, Keeper Stefan Marinovic packt etwas zögerlich zu. Der einmalige Neuseeländer Nationaltorwart brachte es seit seinem Wechsel zu den Münchener Vorstädtern vergangenes Jahr auf neun Einsätze (5.). Haching zu Beginn nervös wie Aufsteiger Aschaffenburg – kein Wunder, bisher lief’s bei der jungen Mannschaft nicht gerade rund.

Aber auch das kennt man: Kaum hat sich der Gegner etwas gefangen, schon wackelt die Jahn-Abwehr: Nach Flanke der Rot-Blauen sieht Odabas nicht gut aus – der Jahn bringt den Ball nicht vom eigenen Strafraum weg. Freistoß aus 30 Metern auf den zweiten Pfosten, Odabas klärt diesmal ohne Probleme mit dem Kopf (9.). Richtungswechsel, es geht wieder weg vom Tor von Philipp Pentke. Hein schneller als Sebastian Koch, der die Gelbe gerne in Kauf nimmt, um Schlimmeres zu verhindern (11.) – Freistoß halbhoch durch den Hachinger Strafraum, Abnehmer Fehlanzeige (12.).

Jahn-Ultras mit Übergewicht

Ecke von rechts auf Markus Ziereis, und da ist er erstmals, der Torschützenkönig – aber ein Hachinger kratzt die Kugel von der Linie (13.). Jetzt wird’s laut im Sportpark, von wegen fantastischer Hachinger Anhang, den Christian Brand in der PK überschwänglich lobte. Hier haben die paar Hundert Ultras klar das akustische Übergewicht. Davon lässt sich auch Marvin Knoll mitreißen, aber 30 Meter vor dem Tor grätscht eine Blauhose in seine Beine – den Freistoß tritt er selbst, aber das ist doch ein Stück zu optimistisch (21.).

Uwe Hesse ärgert auf seiner rechten Seite Maximilian Bauer, wieselt auf Marinovic zu, aber das ist zu hektisch – der Uwe braucht heute mal ein Tor, damit beim blonden Raser endlich das Beil fällt (30.). Kapitän Markus Palionis als Vorbild: Klasse Balleroberung im Mittelfeld, aber die Vorlage für Hesse zu ungenau (36.). Nur wer viel macht, kann auch viel falsch machen: Knoll und Hesse kurbeln an, lassen sich blocken, nochmal springt dem Duo das Ding vor die Füße und dann lässt einer dem anderen Gentleman-like den Vortritt, bis die Kugel weg ist (40.).

Puschs Elfer alternativlos

Da muss man mal nicht debattieren: Paul Niehaus springt dumm-dreist in Oli Heins Beine – Regensburgs 6 wälzt sich im Hachinger Strafraum am Boden. Schiri Stefan Treiber, der bisher old-school-englisch viel durchgehen ließ, deutet alternativlos auf den Punkt. Der 20-jährige Starnberger ist mit Gelb gut bedient: Rot für den letzten Mann wäre vertretbar oder Platzverweis wegen sinnloser Härte.

Kolja Pusch schaut sich die Lücke aus, Marinovic hat sich vorher noch Infos von der Ersatzbank geholt, Pusch läuft an, die Zuschauer pfeifen, der Ball rauscht direkt unter die Latte, 0:1 (44.) – die noch junge Tradition der last-minute-Treffer geht weiter. Und bereits dreimal per Elfer. Und auch bei Hein geht’s auch weiter.

Baldriantee zur Pause?

Die zweite Hälfte beginnt mit Wechseln auf beiden Seiten. Der angeschlagene André Luge, der in Ingolstadt zusammen mit dem verletzten Daniel Schöpf die entscheidenden Impulse setzen konnte, weicht Jann George. Bei Unterhaching kommt Mittelfeldmann Luca Marseiler für den Rot-gefährdeten Niehaus. Was noch fehlt auf dem Platz: Die Konzentration der Regensburger.

Was zum Teufel treiben die Jungs denn da nur immer in der Kabine – gibt’s da Baldriantee? Die Hachinger legen los, als wären sie allein auf dem Platz. Und die Heimfans drehen ebenfalls auf. Unübersichtliche Situation im Strafraum, Proteste der Hachinger, aber Schiri Treiber sieht keinen Anlass für ausgleichende Gerechtigkeit. Dann versucht‘s Alexander Sieghart eben ohne Elfer und scheitert an Pentke (51.).

Hesses Spuren im Rasen

Es ist nicht der Tag des Max Bauer – meist hat er gegen Hesse das Nachsehen, jetzt köpft er riskant auf Marinovic zurück. Ziereis schnappt sich die Kugel, aber der Winkel ist zu spitz (53.). Das Spiel jetzt wie auch in Ingolstadt kein Leckerbissen – viele Abspielfehler, nichts zu merken von der Ruhe und Souveränität, die Jahn-Trainer Brand fordert. Siegharts Freistoß von der Grundlinie kann Penkte mit den Fäusten klären (64.). Gut nur, dass der rasende Albino immer wieder für Entlastung sorgt – auf der rechten Seite hat er schon eine Spur im Rasen gezogen, der Ball kommt zu Knoll, der knapp verzieht (67.)

Zeit für einen Wechsel: Der frische Thomas Kurz kommt für Elfmeter-King Pusch (68.). Hoffentlich hat das keiner gesehen, Wastl! Nachreiner schiebt am 16er seinem Gegenspieler den Ball zu, Palionis hat aufgepasst und klärt vor Sieghart – Souveränität sieht anders aus (69.). Die Einwechslung von Kurz macht sich schon bezahlt – aber anders als gedacht: Statt Tempo Richtung Vorentscheidung, muss der Lange mit Grätsche vorm eigenen Tor retten (70.).

Hesse-Orden für Hofrath

Na also, wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von rechts ein Hesse daher! Aber der Reihe nach: Den Orden hat sich diesmal der bislang unauffällige Marcel Hofrath verdient, der in Uwes Spuren Tempo aufnimmt, drei Rot-Blaue stehen lässt, trotz Ziehen, Schieben, Haken und Ösen weiterläuft, die Flanke von der Grundlinie auf Hesse serviert – und uns Uwe: Unterlatte, Tor 0:2 (77.). Da ist es doch, das blonde Fallbeil, Edmund Stoiber hätte seine Freude!

Man muss da langsam mal dem Fußballlehrer mit den sieben Lehrjahren in der Schweiz vertrauen – auch wenn’s so aussieht, als sei vieles Zufallsprodukt: Wenn man immer dann das entscheidende Tor macht, wenn’s langsam Zeit wird, ist da vielleicht auch das entscheidende Quäntchen an Wille, Entschlossenheit und Genauigkeit mehr am Werk. Sicher, kein Feuerwerk auch im dritten Spiel, aber der SSV spielt das jetzt souverän zu Ende. Freistoß aus 20 Metern zentral: Hein trickst den Ball unter der Hachinger Mauer hindurch, aber die eigene Staffage fälscht ins Toraus ab (80.).

Neue Serie: 2-1-0

Noch einmal Knoll volley aus der Distanz – da ziehen nur die tieffliegenden Schwalben die Köpfe ein (87.). Aber so vergehen die Minuten. Und auch Kurz hätte sich zum Schluss Abschluss in die Torschützenliste eintragen können – die Kugel trudelt ein paar Zentimeter am rechten Pfosten vorbei (90.). Unaufgeregt verstreicht die Nachspielzeit, der SSV hat eine neue Serie gestartet: 2-1-0 – die steht heute zum ersten Mal hinten. Was ein guter Start bewirken kann, hat der Jahn zu Markus Weinzierls Zeiten bewiesen – von wegen halbe Aufstiegsmiete.

„Das war ein sehr hartes Stück Arbeit“, fasst Christian Brand das Spiel zusammen und wiederholt: „Ich habe einen Mega-Respekt vor Haching. Die Mannschaft fightet, die Jungs rennen um ihr Leben.“ Seine Mannschaft habe zum richtigen Zeitpunkt vor der Pause den Treffer erzielt. „Wir sind dann nach der Halbzeit teilweise unter Druck geraten und haben im richtigen Moment den zweiten Treffer erzielt.“ Man sei als Trainer nie wunschlos glücklich: „Wir sind in einem Prozess, haben in Ansätzen besser gespielt als in Ingolstadt, es ist aber schwierig, wenn der Gegner defensiv gut steht, immer wieder Chancen herauszuarbeiten.“

Tröstende Worte für Schromms Junghachinger

Nach drei Spieltagen, habe das alles noch gar nichts zu bedeuten. Und auch für die niedergeschlagenen Gastgeber findet Brand tröstende Worte: „Die werden zu Hause ihre Punkte holen, man muss den Jungs den Entwicklungsprozess zugestehen.“ Junge Spieler machten einfach auch Fehler, das kenne er nur allzu gut. „Es sind dann aber auch nicht alle Mannschaften so gut besetzt wie Regensburg.“

SpVgg-Trainer Claus Schromm gratuliert mit belegter Stimme zur „weißen Weste und zum Sieg“. Nüchtern betrachtet sei diese Niederlage allerdings schwer zu verdauen: „Wir haben uns gut auf die Spielweise des Jahn eingestellt – mit Ausnahme der Situation vor der Halbzeit.“ Respekt zollte er seinen Jungs, wie sie in der zweiten Halbzeit ins Spiel gekommen seien. „Das einzige Überraschende bisher war, dass wir in Rain als Verlierer vom Platz gegangen sind.“ Ansonsten sei es wichtig, ruhig zu bleiben. Im Schnitt sind die Regensburger vier Jahre älter – in vier Jahren das gleiche Spiel nochmal, dann wird’s interessanter.“

Am Freitag, 19 Uhr kann der Jahn die Siegesserie gegen den 1. FC Schweinfurth (6./4 Punkte) fortsetzen. Und nach einem Gastspiel in Augsburg könnte ein völlig unerwartetes Spitzenspiel folgen: Vorausgesetzt Aufsteiger Amberg hält seine ausgezeichnete Ausgangsposition (2./7). So dominiert die Oberpfalz wenigstens zu Beginn die Regionalliga Bayern.