Tabellenführer stellt sich auf Augsburger Profi-Verstärkung ein
Jahns Hitzekick im Rosenau-Stadion

„Gegen den souveränen Spitzenreiter aus Regensburg haben wir nichts zu verlieren“, hofft FCA-II-Coach Tobias Luderschmid. Bilder: Herda/Göpel/dpa
Sport BY
Bayern
07.08.2015
26
0
 
„Gegen den souveränen Spitzenreiter aus Regensburg haben wir nichts zu verlieren“, hofft FCA-II-Coach Tobias Luderschmid. Bilder: Herda/Göpel/dpa
 
Trainer-Legende Markus Weinzierl beim Abschied von den Fans in Ensdorf. Mit der Unterstützung der Augsburger U23 muss der Ex-Jahn-Coach es aber auch nicht übertreiben.

Wehret den Anfängen: Allzuleicht könnte der Tabellenführer das Spiel beim Tabellenletzten im Rosenausstadion auf die leichte Schulter nehmen: Jahn-Trainer Christian Brand muss die Regensburger gegen die U23 aus Augsburg auf prognostizierte 38 Grad am Samstag, 14 Uhr, und auf bis zu vier Spieler aus der ersten Mannschaft vorbereiten.

Gut, die schwierigere Aufgabe wartet dennoch auf Tobias Luderschmids grünes Team. Nach der 0:4-Klatsche bei den ebenfalls noch jungen Ingolstädtern betreibt der FCA-II-Coach Seelenmassage: „Wenn man sich das Spiel nämlich genauer ansieht, waren wir, so komisch es klingen mag, nicht mal die schlechtere Mannschaft.“ Das bestätigt auch sein Pendant auf Regensburger Seite, Christian Brand: „Die haben ganz gut mitgehalten, aber dann durch leichte individuelle Fehler verloren – wie das halt so ist bei Jugendmannschaften.“

Chance der Aussichtslosigkeit

Ja klar, das Rezept der Mini-Schwaben muss lauten: „Fehler abstellen, dann kommen auch die Ergebnisse“, vermutet der 34-Jährige, der zuvor Nördlingen und den TSV Rain trainierte. Vielleicht ist es gerade die scheinbare Aussichtslosigkeit gegen den Drittliga-Absteiger, so hofft Luderschmid, in der eine Chance für seine geprügelten Jungsprofis schlummert: „Gegen den souveränen Spitzenreiter aus Regensburg haben wir nichts zu verlieren“, erkennt er messerscharf, „die Rollen sind klar verteilt und unsere Jungs sollen dementsprechend befreit aufspielen und versuchen, den Favoriten zu ärgern.“

Weil der Augsburger Nachwuchs-Coach auf eine Reihe Verletzter verzichten muss – Dominic Dachs, Joeri Stiens, Andreas Volk, Joshua Busching und wahrscheinlich auch Daniel Stanese – liegt Brands Verdacht auf der Hand, dass sich Ex-Jahn-Trainer Markus Weinzierl großzügig erweisen könnte: „Es kann sein, dass drei, vier Spieler aus der ersten Mannschaft mitspielen, die nicht zum Einsatz kommen im Pokal.“ Sicher, auf den vom FC Chelsea heftig umworbenen Ghanaer Baba wird Weinzierl nicht verzichten – aber ohne den einstigen Regensburger Flügelflitzer Ronny Philp könnte es sich für den Europa-League-Teilnehmer beim Regionalligisten SV Elversberg auch so ausgehen.

„Ich habe das der Mannschaft gesagt“, lässt Brand Transparenz walten, „und es ist klar, wenn wir vorne mitspielen wollen, müssen wir uns natürlich auch gegen Mannschaften wie Augsburg behaupten können und dort was mitnehmen.“

Von wegen heißes Katar

Den fünften Sieg im fünften Spiel müssen die Gäste jedenfalls weiterhin ohne Bastian Nachreiner, Andreas Geipl, Thomas Paulus und Danny Schöpf eintüten – auch wenn die beiden letzteren „auf einem guten Weg“ sind. Paulus soll in zehn Tagen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, für Schöpf kommt „das Spiel um einen Tick zu früh – nächste Woche wird er soweit sein, hoffe ich.“ Wieder dabei: Fabian Trettenbach, der beim Testspiel gegen eine arabische Auswahl am Donnerstag bereits mit von der Partie war. Auch André Luge „ist o.k., kann sein, dass er im Aufgebot ist“. Yann George musste nur einmal aussetzen, ist aber einsatzfähig. „Dann wären alle an Bord.“

Da jammern immer alle über die WM in Katar – dabei erreichen die Temperaturen selbst in Bayern arabische Dimensionen: „Wir haben in Ingolstadt gespielt um 19 Uhr am Abend, da hatte es auch 36, 37 Grad“, erinnert der Jahn-Trainer, „das hat man schon gemerkt auch vom Rhythmus, weil‘s auch eine englische Woche war.“ Für Augsburg sind 38 Grad vorausgesagt: „Ich habe zu Wochenbeginn gleich den Jungs gesagt, dass das einfach dazugehört.“ Was eine richtige Spitzenmannschaft sein will, der müsse es egal sein, „ob es minus 35 oder plus 40 Grad hat – der Gegner spielt bei den selben Temperaturen“.

Angriffe nur im Schatten

Wie aber spielt man in der Brutshitze richtig? „Verhaltet euch professionell“, lautet die Anweisung an die Rot-Weißen, „trinkt genug, schaut zu, dass ihr euch nicht länger als nötig in der Sonne aufhaltet.“ Könnte eine interessante Spielanlage werden, wenn der SSV versucht, seine Angriffe im Schatten vorzutragen. Schon während der Woche mieden die Profis die Sonne, trainierten morgens um 9 und abends nach 18 Uhr. Bis Freitag, dann gab‘s auf Empfehlung des Mannschaftsarztes ein vorbereitendes Training um 14 Uhr: „Irgendwann muss man sich der Situation stellen, so haben wir einen kleinen Vorlauf.“

Es ist ein Ritual: Man kann gar nicht genug davor warnen, den Tabellenletzten (1 Punkt) zu unterschätzen: „Es besteht kein Anlass überheblich zu sein“, weiß Brand, „die Jungs sind weiter fokussiert und wollen nach dem Spiel gegen Schweinfurt unbedingt nachlegen.“ Vorbereitet habe man sich per Videostudium – „auch zu den Dingen, die wir gegen Schweinfurt nicht so gut gemacht haben.“

Motivation: Derby vor vollem Haus

Und Anreiz für vollen Einsatz gebe es reichlich – ein mögliches Oberpfalz-Derby als Spitzenspiel: „Wenn es tatsächlich der Fall sein sollte, dass gegen Amberg 15.000 Leute kommen, ist das natürlich eine wahnsinnige Motivation.“ Und nicht zu vergessen: „Wir wollen diesen Lauf fortsetzen, solange, wie‘s geht, weil wir natürlich auch wissen, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem man Punkte verliert und abgibt.“

Punkte verlieren könnte der SSV, fürchtet Brand, gegen die Mitfavoriten aus München – auch wenn deren Start in die Saison alles andere als glatt verlief: Am Sonntag im Derby reichte es für beide nur zu einem 0:0. Bayern München steht damit mit 2 Punkten aus zwei Spielen auf Platz 17, 1860 mit 5 Punkten aus vier Spielen auf Platz 9. Dennoch, Brand gerät ins Schwärmen, wenn er von den Roten und den Blauen spricht: „Ich habe das Spiel gesehen, das Derby, und das war von der Intensität ein ganz anderes Niveau als beispielsweise, wenn Buchbach gegen Schalding-Heining spielt – ohne den beiden zu nahe treten zu wollen.“ Das sei nochmal eine ganz andere Frequenz.

Benko gegen Real Madrid

„Wenn man bedenkt, Guardiola hat den Fabian Benko spielen lassen gegen Real Madrid oder zuvor auch gegen AC Mailand. Der hat vier Tage vorher noch im Derby gespielt gegen 1860.“ Wenn die Jungs Fahrt aufnähmen, müsse man sich schon warm anziehen. Andererseits: Der Jahn hat schon mal die kleinen Bayern abgefertigt, als noch ein ganz anderes Kaliber bei denen in der Startelf stand – der mutmaßliche 80-Millionen-Mann Thomas Müller. „Klar ist es für Bayern München auch nicht so einfach, die Spiele alle nachzuholen, die müsen erst noch ihren Rhythmus finden.“ Brand jedenfalls sei felsenfest davon überzeugt, dass sowohl Bayern München als auch 1860 den bald finden.

Bis dahin könnte der SSV seinerseits mit Verstärkungen aufwarten: Bereits beim Testspiel am Donnerstag wurden mit Blick auf Nachreiners Verletzung einige Probanden unter die Lupe genommen. Am 31. August ist Transferschluss. Bis dahin will Regensburg mindestens noch eine Offensivkraft verpflichten, „weil wir natürlich mit einem Stürmer etwas dünn aufgestellt sind da vorne“. Und dann soll die Begeisterung für den Regionalligafußball einfach mal so weitergehen – obwohl es Christian Brand mit der Euphorie nicht übertreiben möchte: „Eine anhaltende, beständige Freude“ wäre ihm da schon lieber, wohlwissend, dass „Fußball ein Tagesgeschäft ist und nach zwei Niederlagen“ die Freude schnell verflogen sein kann.

Aufgemerkt: Brand und die Fans

Umso schöner für ihn und die Mannschaft, „zu erleben, wie das Publikum sich freut und wie es begeistert ist, gerade nach dem letzten Spiel gegen Schweinfurt“. Aufgemerkt, liebe jahnground.de-Fans, wie liebevoll der Jahn-Trainer über die zarten Bande spricht, die hier gerade geknüpft werden: „Es ist ganz schön zu beobachten, es gibt so ein Wechselspiel zwischen Publikum und Mannschaft, was zu Beginn vorsichtig ist, und jetzt gegen Schweinfurt hat man gemerkt, die Spieler freuen sich richtig auch über die Freude im Publikum und das ist ein sehr sehr schöner Nebeneffekt, bzw. fast schon ein Haupteffekt.“

Alle Spiele und alle Tore des fünften Spieltages der Regionalliga Bayern, inklusive der Höhepunkte der Partie FC Augsburg II gegen SSV Jahn Regensburg, sind am Sonntag, 9. August ab 20 Uhr auf „BFV.TV - das Bayerische Fußballmagazin" unter www.bfv.tv zu sehen.