Traumtor von Erras
Raigeringer entscheidet Derby gegen 1860 für den Club

Niclas Füllkrug (links vorne) ging beim Feiern der Club-Spieler voran. Patrick Erras (hinten Mitte) hielt sich da etwas zurück. Dabei war der junge Oberpfälzer zu 50 Prozent der Matchwinner der Nürnberger. Die anderen 50 Prozent steuerte Keeper Raphael Schäfer bei. Bild: dpa
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Bayern
07.02.2016
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Der alte Mann im Tor und der junge Spund mit seinem Tor: Der 1. FC Nürnberg gewinnt das bayerische Derby etwas glücklich. Die gastgebenden "Löwen" knurren: Sie machen ihr bestes Saisonspiel - wieder einmal ohne Ertrag

München. Raphael Schäfer ist seit fast 20 Jahren im Profigeschäft. Mit seinen 37 Jahren hat der Club-Keeper schon viel erlebt. In Sekundenschnelle ließ er Hunderte von Spielen durch sein Gehirn rattern. "Vielleicht", sagte er auf die Frage, ob die Partie am Samstag bei 1860 München, dieses 1:0, das beste Spiel seiner Karriere gewesen sei. "Es war auf jeden Fall eines der besten." Die Münchener verzweifelten am Samstag im Bayern-Derby der zweiten Liga gegen den 1. FC Nürnberg am Club-Schlussmann. Und so waren der Älteste und der Jüngste im Team der Franken die Matchwinner. Der Raigeringer Patrick Erras schoss das entscheidende Tor (23.), ein wunderschönes in den Torwinkel noch dazu. "Davon träumt jeder Junge", erzählte der 20-Jährige verträumt.

Dass Erras ein Teil der Matchwinner war, lag zum Großteil an Schäfer. "Er hat uns im Spiel gehalten", lobte der Youngster den Routinier. Bei Club-Coach René Weiler klang das so: "Wir hatten einen Torhüter, der uns ein paar Mal helfen musste." Allein die beiden Paraden in der ersten und zweiten Hälfte gegen Sascha Mölders waren phantastisch. "Natürlich ist da auch Glück dabei", gab der Gelobte zu. "Aber es gibt so Tage, da weiß man anscheinend im Voraus, wo die Bälle hinfliegen."

Die Sechziger verzweifelten, waren frustriert, wie Jan Mauersberger: "Ich weiß nicht, was der Schäfer in den letzten drei Wochen gegessen hat." Es scheint auf jeden Fall leistungsfördernd gewesen sein. Wobei die "Löwen" nicht alles auf Schäfers Glanzleistung schoben, sondern auch kritisch mit sich selbst umgingen. "Wir hatten heute so viele Chancen wie wohl in der gesamten Hinrunde nicht", jammerte Rubin Okotie, der sich wieder einmal viele Pfiffe der eigenen Fans gefallen lassen musste.

Die Löwen waren vor den 51 200 Zuschauern - darunter bis zu 15 000 Club-Fans - hochmotiviert. "Ein sehr gutes Spiel" der Seinen hatte Coach Benno Möhlmann vor allem in der ersten Hälfte gesehen. Aber, und da wurde er richtig ernst: "Wir haben es schon in den ersten fünf Minuten versäumt in Führung zu gehen." Die anderen tollen Chancen erwähnte er gar nicht. Der Trainer hatte mit Mölders, Mauersberger und Levent Aycicek drei Neue von Beginn an auf dem Feld, später wurde auch noch Maxi Beister eingewechselt. Es half alles nichts, 1860 steckt im Ligakeller fest. "Dennoch stimmt mich die heutige Leistung positiv", meinte Mauersberger, der vom KSC kam. "Das Einzige, was nicht gepasst hatte, war, dass wir den Scheißball nicht über die Linie gebracht haben."

Nachgefragt: Patrick Erras (1. FC Nürnberg)München. (mr) Trotz des tollen Tores: Von den Pflichten eines jungen Spielers wurde Patrick Erras nach dem 1:0 bei 1860 dennoch nicht entbunden. Brav schob der Club-Spieler aus Raigering die Koffer mit den verschmutzten Trikots aus der Kabine Richtung Mannschaftsbus. Auf den Weg dorthin beantwortete er unserer Zeitung ein paar Fragen.

Haben Sie schon mal so ein schönes Tor geschossen?

Erras: Im Jugendbereich sicherlich, aber im Seniorenbereich noch nicht. So ein Tor zu schießen, ist ein Supergefühl.

War das genau so geplant?

Erras: Ich wollte den schon mit der Innenseite oben links reinmachen. Irgendwie habe ich den Ball perfekt getroffen. Aber natürlich ist auch Glück dabei.

Die Arena war bestens gefüllt. Was war das für ein Gefühl?

Erras: Die Atmosphäre war der Wahnsinn. 50 000 Leute waren da, davon 15 000 Club-Fans. Die Stimmung war einzigartig. So was habe ich noch nie erlebt.

Der Sieg war glücklich, oder?

Erras: Es war schon ein glücklicher Sieg, aber die drei Punkte nehmen wir gerne mit, wir haben sehr effizient gespielt.

Und plötzlich seid Ihr nur noch zwei Punkte hinter Freiburg ...

Erras: Wir schauen nur auf das nächste Spiel gegen Bochum. Wir wollen unseren Abstand auf die vergrößern. Heute hat man gesehen, dass in dieser Liga kein Spiel einfach ist. 1860 ist 17. und hat dennoch richtig gut gespielt.
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