Viel Beton, wenig Fans beim Duell gegen 1. FC Nürnberg II
300 Jahn-Fans im Grundig-Stadion

Christian Brand nutzte die lange Pause für Gruppenarbeit. Bilder: Herda/dpa
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Bayern
02.11.2015
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Christian Brand nutzte die lange Pause für Gruppenarbeit. Bilder: Herda/dpa

Das waren noch Zeiten: Als Mannschaften wie Nürnberg 2 als Fallobst der Bayernliga galten. Als die Club-Jugend auf einem Platz spielte, auf den man gefühlt von den Banden auf den Platz hochblickte. Heute ist alles anders: Die fränkische U21 läuft im Grundig-Stadion auf, von dessen 50.000 Plätzen zumindest 300 mit Regensburgern gefüllt sein dürften – und Jahn-Trainer Christian Brand nennt das Duell am Dienstag, 19 Uhr, gegen den Regionalliga-Dritten „extrem schwierig“.

Klar, es hat sich in der Post-Roth-Ära auch bis Nürnberg herumgesprochen: Jugendarbeit ist Zukunftsinvestition. Deshalb laufen nicht nur regelmäßig Spieler aus dem Zweitliga-Kader auf, sondern Namen wie Jakub Sylvestr oder Ivan Knezevic gehören zum festen Inventar. Trainiert wird die zuletzt sehr erfolgreiche rot-schwarze Truppe von Roger Prinzen, der sich geraume Zeit als Interimstrainer der ersten Mannschaft versuchen durfte.

Alte Herren der Liga

„Die Regensburger sind nach der U23 von Bayern München die spielbestimmendste Mannschaft der Liga“, schießt er ein etwas vergiftetes Kompliment ab – immerhin rangieren die Münchener bei nun gleich viel absolvierten Spielen um 7 Punkte hinter dem Jahn. Und dann verweist der Darmstädter die Oberpfälzer auch noch in die Liga der alten Herren: „Durch ihr hohes Durchschnittsalter bringen sie auch die meiste Erfahrung mit.“ Naja, schon klar, alles nicht so gemeint, schließlich weiß der Mann im Dieter-Hoeneß-Look: „Die ganze Liga wird auf uns schauen“ – bei einem Sieg könnten die Nürnberger bis auf vier Punkte an den Tabellenführer heranrrobben.

Vom glorreichen (Franken-) Stadion erwartet sich Jahn-Coach Brand nur einen gepflegten Rasen. „Da sind unsere Fans, und dann ist da niemand“, vermutet er nach den Erfahrungen vom Spiel der beiden Nachwuchsmannschaften des Clubs gegen 1860 vor 378 Zuschauern. Anders formuliert: „Eine Menge Beton und keine Menschen.“ Etwas Hoffnung auf Stimmung im leeren Rund macht diese Aktion: Wer tags zuvor beim Spiel der Profis gegen den KSC im Stadion war, erhält gegen Vorlage seines Tickets ermäßigten Eintritt. „Na, vielleicht bringt‘s was“, würde sich Brand über eine annähernde Conti-Arena-Stimmung freuen.

Letzter Auswärtssieg vor acht Wochen

Auch wenn‘s der Trainer nicht mehr hören kann und will, der Kritik vermeintlicher Auswärtsschwäche muss er sich auch in dieser Pressekonferenz – erstmals unter souveräner Leitung von Till-Müller-Nachfolger Martin Koch – stellen. Schließlich liegt der letzte Auswärtssieg bereits zwei Monate zurück. Am 6. September gewannen die Rot-Weißen durch ein Eigentor der kleinen Löwen in München. „Also, wir haben in Augsburg gewonnen“, zählt Brand auf, „in Illertissen, bei 1860 München – da kann man schon sagen, dass das eine venünftige Bilanz ist.“

Sicher, Spiele wie in Rain (1:2), Schalding-Heining (0:0), die seien „nicht so super“ gewesen. Aber man müsse auch sehen: „Wir hatten in Memmingen in letzter Minute noch ein Tor kassiert.“ Trotzdem: „Aber sicher müssen wir auswärts da anknüpfen, wo wir gegen Fürth zu Hause aufgehört haben.“ Mit einem gnadenlos effektiven 5:0 also. Das wäre mal ein Ausrufezeichen beim letzten Hinrundenspiel – und 40 Punkte im Gepäck. Allerdings: „Wir wissen auch, dass wir auswärts noch nicht die Dominanz haben wie zu Hause, aber wir sind auch nicht vermessen.“ Schließlich hätten die anderen Mannschaften auch gute Jungs in ihren Reihen.

„Die Stärke ist, dass wir Jahn Regensburg sind“

Und gerade in Nürnberg „müssen wir alles abrufen, um dort zu gewinnen“. Andererseits – ein Punkt ist ein Punkt, wusste schon Gertrude Stein: „Alles, was uns an der Tabellenspitze hält, ist ein Erfolg.“ Die Club-Jungs seien eine typische Umschaltmannschaft, „die überhaupt keine Zeit verliert, um nach vorne zu spielen. Vorne mit dem Jakub Sylvestr haben sie sicher einen der besten Spieler in der Regionalliga geparkt – zumal er ein Profis ist, der im Moment nicht so eine große Rolle spielt.“ Und die regelmäßigen Einsätze von Spielern aus dem Zweitliga-Kader „hat sich bei ihnen extrem ausgezahlt“.

Generell seien die Mannschaften unter den ersten 5 „gefährlich“ – ja, für den Jahn seien schlicht „alle Teams eine große Herausforderung“. Aber dennoch, nicht verzagen, auch der Jahn hat seine Qualitäten. Die da wären? „Die Stärke ist, dass wir Jahn Regensburg sind – wir sind Erster, wir haben die beste Offensive, wir haben relativ wenig Tore kassiert, haben viel Speed im Spiel und individuelle Klasse, ganz gleich, wer da auf dem Platz steht.“ Der FC Bayern III der Regionalliga, gewissermaßen.

Ohne Pusch und Hein

Möglich werden soll der Erfolg auch ohne Kolja Pusch (Schulterverletzung), Ali Odabas (Schulter-OP), Oli Hein (Innenknöchel, wird ein bis zwei Wochen ausfallen) – und natürlich Andi Geipl, der, früher als Sebastian Nachreiner, zum Rückrundenbeginn wieder einsteigen könnte. Dagegen besteht Hoffnung auf Rückkehr von Thomas Paulus und Jann George: „Sie sind wieder im Training, da wollen wir mal abwarten, wie‘s aussieht.“

Die lange Pause habe seiner Mannschaft nicht geschadet, im Gegenteil: „Es ist mal ganz gut, durchschnaufen zu können.“ So hätten sich seine Mannen „in vielen kleinen Details weiterentwickeln“ können: „Wir haben in Gruppen gearbeitet, eingeübt, automatisiert.“ Das klingt ein wenig nach Gesamtschulpädagogik – und die ist zumindest in Skandinavien äußerst erfolgreich.