Von wegen Favoritenschreck: Ungefährdetes 3:1 für den Jahn
Schreckhaftes Illertissen ohne Chance

Das gemütliche Vöhlin-Stadion in Illertissen wurde nicht zum Stolperstein für den Tabellenführer. Bilder: Göpel/Jahn
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Bayern
22.08.2015
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Das gemütliche Vöhlin-Stadion in Illertissen wurde nicht zum Stolperstein für den Tabellenführer. Bilder: Göpel/Jahn
 
Viel Diskussionsbedarf in der Illertissener Mannschaft.

Sommerfußball an der Iller: Markus Weinzierls Zauberlehrling, FV-Trainer Holger Bachthaler kann sein vollmundiges Versprechen nicht einlösen. Der SSV Jahn realisiert ohne großen Aufwand den siebten Sieg in Folge – nach dem 3:1 zementiert der Tabellenführer (21 Punkte) seinen 7-Punkte-Vorsprung auf Wacker Burghausen.

690 Zuschauer sind an diesem warmen Sommertag kein rechtes Kompliment für den prominenten Fußballgast aus der Oberpfalz – umgerechnet auf die Einwohner kam jeder 24. Illertissener in das gemütliche Vöhlin-Stadion mit der mächtigen Tartanbahn – im Vergleich zum Oberpfalz-Derby in der Jahn-Arena, die etwa jeder Zehnte sehen wollte. Apropos: Nach dem Derby ist vor dem Derby im Strafraum – das Losglück beschert den Zuschauern eine Neuauflage in der 3. BFV-Pokalrunde am 1. September, 19 Uhr, gleicher Ort.

Einzige Laise Veränderung

Wenn man schon einen defensiven Mann einkauft, sagt man sich in Regensburg, dann soll der auch spielen: Marc Lais auf der Sechs ist die einzige Veränderung, die Jahn-Coach Christian Brand im Vergleich zum Oberpfalzderby für nötig erachtet – auch wenn der Neuzugang bereits im Spiel war, als Amberg die zwei peinlichen Treffer zum 3:4 im suboptimal verteidigten Kasten unterbrachte.

Ansonsten verteidigen im 4-1-4-1-System Marcel Hofrath, Thomas Kurz, Markus Palionis und Oli Hein vor Keeper Philipp Pentke. Der neue Lais sichert das Mittelfeld hinter Jann George, Marvin Knoll, Kolja Pusch und Uwe Hesse ab – und Markus Ziereis soll seine Freiräume für die nächsten Treffer nutzen.

Trial and Error zu Beginn

Marvin Knoll übernimmt die Initiative, marschiert in der Strafraum, wird abgedrängt und begleitet den Ball gesellig ins Aus (2.). Was sich der Gastgeber gegen den Tabellenführer vorgenommen hat, ist auch gleich zu besichtigen: Hein wird schon am eigenen Sechzehner bedrängt, er versucht Palionis in die Befreiungsaktion einzubinden – aber der Kapitän schlägt ein Luftloch. Gut dass da der gefürchtete Morina nicht in der Nähe ist (5.).

Die ersten zehn Minuten sind mehr Trial und Error, denn strategisches Meisterstück. Mal versucht Kolja Pusch eine Spielverlagerung in den zugestellten Raum, mal rutscht Palionis in Ball und Morina (8.), ohne dass sich Lücken auftun. Wie zuletzt interpretiert der Kapitän seine Rolle offensiv, bekommt aber den Pass auf den durchgestarteten Hesse nicht auf die Reihe (14.). Jann George zeigt, was er technisch drauf hat, schlägt Haken um Haken an der Eckfahne, aber dann ist das Bällchen weg (17.). Ein Einwurf überrascht Knoll, erschrocken registriert der, dass er einsam an der Grundlinie passen kann – und flankt auf einen Gegenspieler im Strafraum (19.).

Dreifacher Pusch: Pässchen, Pässchen, Tor

Kaum nötig zu erwähnen, dass Hesse auf der rechten Seite das schwäbische Gras emsig umpflügt – aber dann geht ihm die Kraft aus, und die Flanke kommt nicht auf den geduldig lauernden Ziereis (21.). Haben die einen, der Freistoß kann: Hämmerle, ist da nomen omen? Marc Hämmerles Hämmerchen aus 30 Metern in den weißblauen Himmel (26.). Und wo Hämmerle jetzt schon mal in Fahrt ist, dringt der Regisseur gleich in den Strafraum ein, wo er an Lais‘ langem Bein hängen bleibt (28.).

Das Auge für den Mitspieler, der Sinn für die Räume, das hat der Spitzenreiter dem Gastgeber voraus: Pusch grandiosem Querpass auf George an die diagonale Eckfahne – doch dann fehlt die letzte Präzision beim letzten Pass (30.). Macht nichts, denn beim zweiten Versuch findet Pusch einen dankbareren Abnehmer: Hesse versenkt Koljas steile Vorlage zum 1:0 (31.). Der Knoten ist geplatzt – wer hat eigentlich schon mal ein Schnürsenkel platzen sehen? – egal, Knoll zirkelt das Leder diagonal auf Pusch und der drischt die Belohnung fulminant in das schwäbische Netz zum 2:0 (33.).

Hofraths schwarze Minuten

Keinen Glanztag hat heute Marcel Hofrath erwischt. Erst verbummelt er einen Ball ins Seitenaus. (35.). Dann stochert er im Strafraum von hinten ungeschickt in Morinas Hacken herum, so dass der die Flunder macht und Schiedsrichter Michael Bacher (SV Amerang) keine Wahl lässt – Elfer für Illertissen. Hämmerle, wenn schon nicht aus der Distanz, macht seinen Namen ein bissle Ehre und verkürzt auf 1:2 (40.). Jahn-Schlussmann Pentke mault den Referee danach unwirsch an, was seine Sympathien für die Regensburger nicht in die Höhe schnellen lässt. Binnen zweier Minuten ein Elfer und zwei Gelbe gegen den Jahn – erst Hofrath (38.), dann Pusch (41.).

Klar, Illertissen schnuppert jetzt an der Wende, will am besten noch vor der Pause den für Regensburg deprimierenden Doppelschlag – doch wie gegen Amberg ist der Jahn näher am 3:1: Präziser Freistoß von Knoll, Lais mit dem Kopf aus fünf Metern, riesen Reflex vom FV-Keeper Patrick Rösch mit einer Hand. Und Pausenpfiff.

Traditionelles Nach-Pausen-Schläfchen

Der SSV lässt es langsam angehen und die Gastgeber erst mal machen. Die wissen nicht so recht wohin mit dem Spielgerät und dreschen die Kugel weit nach vorne – die Hand als Sonnenschutz an der Stirn beobachtet man gebannt die Flugbahn, bis Pentke das Flugobjekt sicher herunterpflückt (47.). Ist es Schmerz, ist es Verzweiflung? Sportsfreund Sebastian Schaller liegt brüllend am Boden, kann aber gleich weitermachen (51.). Freistoß für den Jahn fast von der Eckfahne: Pass auf den Elfmeterpunkt, Ziereis fast mit der Vorentscheidung (53.).

Das sieht man vom Regensburger Torhüter zum Glück selten: Der Ball springt ihm von der Brust auf einen Gegner, Pusch höchst aufmerksam klärt im letzten Moment (56.). Hesse versucht dem Jahn-Spiel neues Leben einzuhauchen, rast die Linie hoch, vergisst aber dabei Ball und Mitspieler (58.). Dann vergisst keiner den anderen, George schlenzt auf Knoll, Rösch gerade noch mit dem Fuß davor (59.). Aus der anschließenden Ecke fast der Konter der Gastgeber, 3 gegen 3, Illertissen überlegt zu lange, die Abwehr kann sich formieren, ein Schuss in den Himmel.

Laiser Strich unter die Rechnung

Illertissen rüstet auf: Ugur Kiral marschiert für Andreas Hindelang aufs Feld (60.). Genau zum richtigen Zeitpunkt macht aber jetzt Rot-Weiß einen Strich unter die Rechnung: Ecke für den Jahn, Lais steigt am höchsten und köpft die Kugel zum 1:3 ins Netz (61.). Und dann gleicht Illertissen doch noch aus: zum 2:2 bei Ecken, aber Uwe Hesse wirft sich rein und verursacht die dritte – Pentke leitet den Konter ein (65.). Der führt nicht weit. Zurück und vierte Ecke der Neu-Ulmer Vorstädter.

So, das traditionelle Schläfchen nach der Pause ist endgültig vorbei. Oli Hein zunächst mit dem Solo, bleibt hängen, hängt sich rein und holt das Ding zurück für Knoll. Bei den Gastgebern geht der Torschütze vom Platz: Für Hämmerle darf‘s Matthias Jocham versuchen (71.).

Jahn-Fans feiern oben ohne

Für den SSV kommt der Schütze des golden Goal gegen den erwartet starken Landesligisten Neudrossenfeld im Pokal aufs Feld: der müde geschwanzte George weicht André Luge (76.). Spaß in der Sonne: Jahn-Fans feiern oben ohne schon mal den 21. Punkt – aber Achtung, noch stehen die gefährlichen letzten Minuten bevor. Das mag das Prinzip „Kraftsparen“ sein, ist aber nicht schön anzuschauen: Immer wieder lassen die Regensburger der Heimmannschaft viel Auslauf in der eigenen Hälfte.

Letzter Joker: Furkan Akaydin trottet aufs Grün und ersetzt Schaller – gleichzeitig trollt sich Knoll vom Platz und schafft Daniel Schöpf Raum (80.). Lukas Kling stoppt Hesse mit unlauteren Mitteln – Freistoß ohne Ergebnis (82.). Statt einer packenden Torraumszene folgen die taktische Bremse von Schöpf und Gelb nach einer Minute Spielpraxis. Aber auch Illertissen weiß, wo das Hämmerle hängt: Hesse mit robustem Mandat gefällt und bleibt liegen – zum Glück geht’s weiter für das blonde Gift (85.).

Walkürenritt gegen Bayreuth

Zu früh gefreut: Uns Uwe schleicht ins Aus. Trainer Christian Brand ist in memoriam Ambergensis fuchsteufelswild, fuchtelt und knurrt „spielen“ aufs Feld. Kein Wunder, denn Jocham strich aus 25 Metern wedelt nur knapp über die Latte (90.). Feierabend ohne Nachschlag – ohne große Theatralik der nächste Dreier im Sack. Jetzt darf am Freitag, 19 Uhr, die gute alte SpVgg Bayreuth ran, um dem SSV den Walkürenritt zu blasen. Die Oberfranken (7./9 Punkte) liegen in der Gesamtbilanz mit 8 Siegen, 5 Niederlagen und einem Unentschieden in der ewigen Tabelle noch vor Regensburg.