Vor Unterhaching liegt das 2:3 (2:0) der vergangenen Saison schwer im Magen
Macht der Jahn die Neun voll?

SpVgg-Trainer Claus Schromm hat gute Gründe nach dem Fehlstart den SSV Jahn erst mal stark zu reden. Bilder: Herda/Göpel/Baumann
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Bayern
24.07.2015
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SpVgg-Trainer Claus Schromm hat gute Gründe nach dem Fehlstart den SSV Jahn erst mal stark zu reden. Bilder: Herda/Göpel/Baumann

„Wir haben größten Respekt, da der Jahn eine Mannschaft mit hoher individueller Qualität gepaart mit viel Erfahrung und Routine besitzt“, schwärmt Unterhachings neuer Coach Claus Schromm. Ist es nach dem vergangenen Depressen-Jahr nicht einfach nur schön, über den Schellenkönig gelobt zu werden? Am Samstag, 14 Uhr, möchte Christian Brand mit dem nächsten Dreier alle Neun kegeln - und rund 500 Gästefans aus Regensburg glücklich machen.

„Um am Samstag erfolgreich zu sein, müssen wir unsere Chancenverwertung massiv verbessern“, sieht Schromm seine Hachinger erste einmal in der Bringschuld, „da wir gegen Regensburg sicher nicht die gleiche Anzahl an Möglichkeiten herausspielen werden.“ Nach einem mageren Punkt – allerdings in Unterzahl – gegen Ingolstadt verlor die SpVgg überraschend bei Aufsteiger Rein am Lech in Überzahl.

Sehr unberechenbarer Gegner

Christian Brands Schlussfolgerung aus dem verpatzten Auftakt des Mitabsteigers: „Ein sehr unberechenbarer Gegner.“ Gegen Ingolstadt hätte die SpVgg nach der Pause sofort mit zehn Mann spielen müssen, hätte das sehr gut und auch mutig gemacht – und weiter mit einer Dreierkette verdient einen Punkt geholt. Dagegen hätten sie sich beim 0:2 in Rain gegen eine Mannschaft, die ihr erstes Spiel klar mit 0:4 in Buchbach vergeigt hat, unerklärlich schwer getan. „Unberechenbar eben.“

Berechenbar dagegen sei die „ganz besondere Stimmung“ im Sportpark der Münchener Vorstädter, „weil die Fans ihre Mannschaft, ihre nach wie vor sehr sehr junge Mannschaft, immer nach vorne brüllen und anfeuern“. Unterhaching sei ein Team, das sich niemals aufgibt, erinnert sich Brand noch mit Grausen an das letzte Spiel vor der Winterpause am 20. Dezember 2014, als der SSV eine 2:0-Führung verplemperte. Das 2:3 von damals, sicher ein erster Sargnagel. Die atmosphärischen Störungen, die folgten, ebenfalls nicht schön. „Vor allem in Heimspielen ist das ein sehr unangenehmer Gegner“, sinniert folglich der Jahn-Trainer.

Haching hat die Nase vorne

19-mal maßen die bayerischen Konkurrenten bislang ihre Kräfte, Unterhaching hat knapp die Nase vorne: Acht Mal gingen die Hachinger als Sieger vom Feld, sieben Mal die Regensburger – der Rest, nach Turnvater Jahn also vier, blieb unentschieden. Jede Menge Motivationshilfe, die beiden Trainern hier zur Verfügung steht. Personell sieht die Lage bei den Hachingern etwas betrüblicher aus. Mittelfeldspieler Sebastian Wiesböck brach sich im Seuchenspiel gegen den TSV Rain das Wadenbein. Jonas Hummels laboriert an muskulären Probleme, Vincent Friedrich an einem Muskelfaserriss, Frantz Rathmann an einem Kreuzbandriss und Michael Krabler fällt wegen einer Sprunggelenksverletzung aus.

Auf Seite der Rot-Weißen bleibt definitiv das Trio Andi Geipl, Thomas Paulus und Fabian Trettenbach im Krankenstand. „Paulus ist seit dieser Woche wieder im Lauftraining“, beschreibt Brand den Status quo, „er ist aber noch nicht so weit, dass er am Manschaftstraining teilnehmen kann.“ Und dann müsse er mindestens 14 Tage mit dem Team trainieren, damit man an einen Einsatz denken könne. „Wir gehen kein Risiko ein“, sagt Brand, „dazu besteht auch kein Anlass.“ Fabian Trettenbach sei da schon einen Schritt weiter, trainiere mit der Mannschaft und werde nächste Woche eingehend getestet. Kurzfristig fällt Doppeltorschütze Daniel Schöpf wegen muskulärer Probleme aus und Sven Kopp hat sich beim U23-Einsatz gegen seine früheren Weidener (2:2) leicht verletzt.

Einige sind noch nervös

Was will der Trainer trotz der bislang optimalen Punktezahl noch verbessern? „Es gab gegen Aschaffenburg gute Momente, die gab‘s gegen Ingolstadt auch.“ Was noch fehlt: „Wir haben noch nicht so die Gelassenheit, die ich mir wünsche, um das Spiel ruhiger und souveräner über die Bühne zu bringen.“ Die Mannschaft sei nach wie vor in einem Prozess, bei dem sie sich finden, die Liga kennenlernen müsse. „In den Testspielen hat sie zum Teil sicherer gespielt“, stellt Brand leicht verwundert fest, „als in den ersten Meisterschaftsspielen.“ Da seien einige doch noch recht nervös.

Desto mehr gilt sein Appell: „Wir haben‘s in den Füßen, unsere Fans zu begeistern.“ Die sachte Euphorie, die die Mannschaft entfacht habe, müsse in Unterhaching weiter gepflegt werden. Damit das zarte Pflänzchen nicht schon am dritten Spieltag verkümmere. Denn Ernst nehmen müssen man diese Regionalliga allemal: „Ich habe die Spiele aufmerksam auf Video verfolgt“, erwies sich Brand als fleißiger Beobachter. „Es ist tatsächlich so, dass sie sehr ausgeglichen ist.“ Interessante Auf und Abs inklusive: „Einige Mannschaften müssen sich erst finden.“

Und dabei hat der mutmaßliche Hauptkonkurrent noch gar nicht ins Geschehen eingegriffen: „Ich war schon überrascht, dass Bayern München drei Spieler seiner U23 mit in China dabei hatte.“ Es ist aber nicht gerade ein Vorteil, wenn man vier Wochen später einsteige und alle Spiele nachholen müsse: „Aber gut, es ist so, ich nehme das so hin.“