Youngster mutiert zum Goalgetter
Kimmich Bayerns neuer "Kini"

Bayerns Mann der Stunde: Joshua Kimmich glänzt seit einiger Zeit auch als Torschütze. Gegen die Russen war er mit 122 Ballaktionen auch aktivster Spieler auf dem Platz.
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Bayern
14.09.2016
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Lewa on fire: Der Pole traf im fünften Pflichtspiel bereits zum achten Mal. Gegen Rostov erzielte er das wichtige 1:0 per Elfmeter.

Einer der kleinsten ist der Größte: Joshua Kimmich setzt seinen Tor-Lauf auch in der Champions-League fort. Gegen den FK Rostov markiert er seine Treffer drei und vier binnen zehn Tagen. Vor allem sein zweiter Treffer sorgt für Staunen.

München. Nach seinem ersten Treffer im Nationaltrikot (am 4. September in Norwegen) und der Tor-Premiere in der Bundesliga (am Freitag auf Schalke) setzte der Youngster noch einen drauf. Beim lockeren 5:0-Auftakterfolg in der Champions-League gegen den russischen Vizemeister legte Kimmich einen Doppelpack nach. "Wenn's läuft, dann läuft's einfach. Nach dem ersten Treffer geht's scheinbar wie von allein", sagte er wieder gewohnt zurückhaltend im Anschluss. Zunächst drückte er eine scharfe Hereingabe von Douglas Costa aus drei Metern zum 3:0 über die Linie (54.). Nur sechs Minuten später nickte der 1,76 Meter große Shootingstar eine Flanke von Juan Bernat zum 4:0 ein. "Ich musste mir schon öfter Sprüche anhören, dass ich nicht gerade der Größte, geschweige denn ein Kopfball-Ungeheuer bin. Von daher ist dieser Treffer etwas besonderes."

Konkurrenzlos


Einen Angriff auf die etablierten Bayern-Torjäger vom Dienst, Robert Lewandowski und Thomas Müller, plant Kimmich aber noch nicht. "Von den beiden kann ich noch viel lernen, wenn ich die Augen weiter offen halte. Ich kenne die beiden und sehe sie täglich im Training, daher weiß ich, dass sie noch viele Tore erzielen werden in dieser Saison." Die bayerischen Torgaranten seien daher aussichtsreichere Tipps auf die Torjägerkanone als Kimmich selbst. Lewandowski und Müller hatten mir ihren Treffern im ersten Abschnitt (28./45.) den Grundstein zum erfolgreichen Auftakt in der Königsklasse gelegt.

Immerhin bleibt Kimmich jetzt eine Peinlichkeit erspart. Normalerweise müssen Spieler, die ihr erstes Tor im Bayern-Trikot erzielt haben, vor versammelter Mannschaft ein Ständchen singen. "Außer man lässt im Spiel danach einen Doppelpack folgen. Dann ist man davon befreit", war Kimmich erleichtert. Der Youngster rotierte im Vergleich zum erfolgreichen Gastspiel auf Schalke für Routinier Xabi Alonso ins Team. Trainer Carlo Ancelotti brachte zudem Rafinha, Costa und Vidal von Beginn an für Lahm, Ribéry und Neuzugang Renato Sanches.

Auf Nummer sicher


Kurz nach dem Seitenwechsel (50.) erhielt auch Mats Hummels etwas Schonung für das bayerische Derby am Samstag gegen den FC Ingolstadt. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Der Neuzugang aus Dortmund bekam bei einem Kopfball einen Tritt von Rostows Mevlja gegen den Kopf und blieb daraufhin benommen liegen. "Er fühlte sich nicht gut, deswegen gingen wir auf Nummer sicher", sagte Ancelotti nach dem Spiel. Hummels, der es nach der Pause noch einmal kurz probiert hatte, wurde noch während der Partie zu weiteren Untersuchungen an die Säbener Straße gebracht. Die Mediziner diagnostizierten eine leichte Schädelprellung. Ein Einsatz gegen Ingolstadt ist zumindest nicht ausgeschlossen.

Im oberbayerischen Derby werden die Bayern vermutlich auch wieder mehr gefordert, als gegen die doch arg limitierten und biederen Russen. Der russische Vizemeister, der in der Qualifikation immerhin den RSC Anderlecht und Ajax Amsterdam ausgeschaltet hatte, war von Beginn an nur darauf bedacht, nicht unter die Räder zu geraten. Eine Fünferkette, davor drei defensive Mittelfeldspieler und zwei Stürmer, die ihre eigentliche Aufgabe, das Toreschießen, gekonnt zu verbergen wussten. So destruktiv und ängstlich war nicht einmal Werder Bremen (0:6) zum Bundesliga-Auftakt in der Allianz-Arena aufgetreten. Die Russen waren schon froh, wenn sich die Bayern die Kugel nur gemächlich zuspielten und keinen Druck auf die Abwehrreihen ausübten.

Keine Gefahr


Und diesen Gefallen taten die Bayern den Gästen im ersten Durchgang. "Wir spielten ohne Tempo und leisteten uns zu viele Abspielfehler", gab sich Ersatzkapitän Manuel Neuer im Anschluss selbstkritisch. Vor allem die zuvor hochgelobte Flügelzange kreierte keinerlei Gefahr. Douglas Costa war auf der linken Seite sein Rückstand nach der Verletzungspause noch deutlich anzumerken und Geburtstagskind Thomas Müller drängte von rechts zu früh ins Zentrum. So segelte Flanke und Flanke aus dem Halbfeld in den Rostover Strafraum, wo die robusten, aber unbeweglichen Verteidiger keine Mühe hatten, zu klären.

So bedurfte es eines Dosenöffners, um das Defensiv-Bollwerk zu knacken. Diesen lieferte Schiedsrichter Anthony Taylor (England), der nach einem Textiltest an Lewandowskis Trikot auf Strafstoß für Bayern entschied. Der Pole ließ sich diese Chance nicht entgehen und erzielte im fünften Pflichtspiel bereits seinen achten Treffer. Nachdem sich Müller quasi mit dem Pausenpfiff selbst beschenkte und der Spanier Bernat nach der Show von "King Kimmich" den Schlusspunkt setzte, waren der 13. Auftaktsieg und der 13. Heimsieg in der Champions-League in Serie sowie der höchste Auftaktsieg einer deutschen Mannschaft in Europas Belle Etage eingetütet.

Fünf Spiele, 20:0 Tore, muntere Rotation ohne Qualitätsverlust - es scheint ganz so, als würden sich die Langeweile-Vorahnungen der deutschen Kontrahenten bewahrheiten. Das Glückwunschschreiben zur erneuten deutschen Meisterschaft, das nach dem ersten Spieltag griffbereit in die Schublade gelegt wurde, kann bald wieder nach München geschickt werden. Es stellt sich nur noch die Frage wann.

Wenn's läuft, dann läuft's einfach.Joshua Kimmich
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