111 Jahre altes Bild vom Burschenverein
Ein Stück Geschichte kehrt zurück

Helga und Xaver Lehnert überraschten Heimatforscher Josef Wiche (links) mit dem Fundstück aus München. Bilder: gis (2)
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Bayern
17.07.2016
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"Das hätte ich nicht für möglich gehalten", staunt Heimatforscher Josef Wiche aus Mehlmeisel. In den Händen hält er ein 111 Jahre altes Foto des Burschenvereins Unterlind.

Unterlind/Heinersreuth. Wiche sitzt auf der Terrasse von Helga und Xaver Lehnert in Heinersreuth, die ihn eingeladen haben, um ihm den sensationellen Fund zu zeigen. Seine Blicke wandern durch die vielen Details des gestochen scharfen Bildes mit der Aufschrift "Burschenverein - 1905 - Unterlind". Dieser Burschenverein feierte vor kurzem sein 120-jähriges Gründungsjubiläum (wir berichteten). "Aber dass ein Vereinsfoto aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg noch existiert, hätte ich nicht für möglich gehalten", gesteht Wiche. Vor zwei Monaten hat er einen überraschenden Anruf von Helga Lehnert erhalten, dass dieses Bild in München aufgetaucht sei, mit Anfrage, ob er Interesse daran habe. Seine Antwort war natürlich "Ja".

Das Ehepaar Lehnert stammt aus Mehlmeisel und hat dort 1963 geheiratet. Aus beruflichen Gründen, Xaver Lehnert war Polizeibeamter in Bayreuth, ließen sie sich in Heinersreuth nieder, haben jedoch bis heute ihre Verbundenheit mit Mehlmeisel bewahrt und dadurch dafür gesorgt, dass das Bild des Burschenvereins zurück nach Unterlind kam.

Helga Lehnert erzählt von der über hundertjährigen Odyssee: Ursprünglich gehörte die Fotografie dem Ehepaar Margareth und Hans König aus Mehlmeisel. Hans wurde wohl als Bursche mit abgebildet, Margareth, geborene Geisler, war die damalige Wirtstochter im Vereinslokal. Nach dem Ersten Weltkrieg gingen die beiden auf Arbeitssuche nach München-Freimann.

Das Foto nahmen sie als Erinnerungsstück mit. Die Königs verstarben kinderlos. Nach ihrem Tod half die verwandte Familie Moser bei der Wohnungsauflösung. Dabei landete das gerahmte Bild in einer Holzkiste, wanderte auf den Dachboden und schlummerte dort einige Jahrzehnte unbemerkt.

2015 starb Leonhard Moser. Sein Sohn Michael entdeckte im Nachlass das gerahmte Bild. Über das Internet fand er heraus, dass der genannte Burschenverein noch existiert und schickte eine Mail. Als er keine Antwort bekam, plante er, das für ihn wertlose Bild in den Müll zu werfen, aber Michaels Tante Irene Bammesberger bat ihn, zu warten. Und da schließt sich der Kreis: Irene ist eine Freundin und nahe Verwandte des Ehepaars Lehnert. So gelangte das Foto beim kürzlichen Besuch der Bammesbergers nach Heinersreuth.

Nun hält der versierte Chronist und Heimatforscher Wiche, der bereits viele Aufsätze zur Geschichte von Mehlmeisel verfasst hat, das wertvolle Stück mit dem goldverzierten Holzrahmen in der Hand. "Darf ich das Bild für ein paar Tage mitnehmen?", bittet er. "Ich würde es gerne sorgfältig reproduzieren." Die Lehnerts winken lächelnd ab: "Schönen Gruß von der Irene aus München. Sie kennt dich zwar nicht, aber du kannst das Bild behalten, es gehört jetzt dir!"
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