15 Jahre Haft und Berufsverbot für Hebamme
Mordversucht im Kreißsaal

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Bayern
29.10.2016
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München. Eine Hebamme muss wegen sieben versuchter Morde sowie gefährlicher und schwerer Körperverletzung im Kreißsaal 15 Jahre in Haft. Das Landgericht München I verhängte am Freitag außerdem ein lebenslanges Berufsverbot. Die Patientinnen hätten "insbesondere in der geschützten, klinischen Umgebung" keinen Angriff auf ihr Leben erwartet, sagte der Vorsitzende Richter des Schwurgerichtes, Michael Höhne. Das habe die Angeklagte bewusst ausgenutzt, um Frust abzubauen.

Operation einzige Rettung


Der Angeklagten wurde es "für immer verboten", als Hebamme oder generell im medizinischen Bereich mit Medikamenten zu arbeiten. Die 35-Jährige hat nach Überzeugung des Gerichtes Patientinnen bei Kaiserschnitt-Geburten in Bad Soden bei Frankfurt und im Münchener Klinikum Großhadern heimlich Blutverdünner gegeben. Die Frauen wären ohne Notoperationen gestorben. Die Angeklagte sei die einzige, die in allen Fällen Zugang zu den Patientinnen hatte, sagte Richter Höhne. "Das sollte eigentlich der schönste Tag des Lebens werden, aber es wurde der schlimmste", zitierte er die Aussage eines betroffenen Elternpaares vor Gericht. In einem Fall gab die Hebamme demnach einer Frau kurz vor der Geburt das blutverdünnende Mittel Heparin, das unter anderem nach Fehlgeburten verabreicht wird.

Vorwürfe bestritten


Die Angeklagte hatte die Vorwürfe bestritten und nach Angaben Höhnes im Vorfeld des Prozesses gesagt: "Wenn ich das gewesen wäre, dann wäre ich ja der Todesengel vom Kreißsaal." Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Verteidiger Hermann Kühn kündigte an, das Urteil anfechten zu wollen. Die Staatsanwaltschaft werde das Urteil hingegen voraussichtlich akzeptieren, sagte ein Sprecher.

HeparinHeparin sorgt dafür, dass Blut langsamer gerinnt. Ärzte setzen den Wirkstoff zum Beispiel ein, um Thrombosen zu verhindern: Weil das Blut dünner wird, kann es in den Blutgefäßen nicht so leicht verklumpen. Erforderlich ist das zum Beispiel bei Patienten, die durch einen Knochenbruch ihr Bein längere Zeit nicht bewegen können. Da Heparin die Gerinnung verlangsamt, hören aber auch Wunden nicht so schnell auf zu bluten. Bei einer Überdosis kann die Gerinnung sogar völlig aussetzen. (dpa)
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