29-Jähriger vor Landgericht Kempten
300 000 Rechner infiziert

Wegen Computerbetrugs mit einem "Trojaner" muss sich ein 29-Jähriger erneut vor dem Landgericht Kempten verantworten. Bild: dpa
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Bayern
30.03.2016
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Um an virtuelles Geld zu gelangen, soll ein Allgäuer Hunderttausende fremde Computer mit einer Schadsoftware infiziert haben. Der 29-Jährige muss sich dafür seit Mittwoch vor Gericht verantworten. Seine Aussage verblüfft.

Kempten. Mindestens 327 000 fremde Computer soll ein Mann aus dem Ostallgäu unbemerkt mit einem Trojaner infiziert haben, um an virtuelles Geld zu gelangen. Wegen des Ausspähens von Daten und Computerbetrugs steht er nun zum zweiten Mal vor dem Landgericht Kempten.

PC angeblich gekapert


Der Angeklagte sieht sich jedoch als Opfer und nicht als Täter - und wies zum Prozessbeginn die Vorwürfe zurück. "Ich kenne mich mit Computern nicht aus", sagte er. Sein Laptop sei fremdgesteuert gewesen, für die Taten seien andere Personen verantwortlich. Laut Anklage soll der Ostallgäuer mit einem Komplizen 2012 ein sogenanntes Botnetz - ein Netzwerk aus Rechnern - aufgebaut und die Leistung der gekaperten Rechner genutzt haben, um virtuelles Geld in der digitalen Währung Bitcoin zu generieren. Dafür verurteilte ihn eine erste Kammer des Landgerichts 2014 wegen des Ausspähens von Daten und Computerbetrugs zu drei Jahren Haft. Doch dagegen legte der Mann erfolgreich Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und verwies den Fall zur Neuverhandlung an das Landgericht zurück.

Schuld sei ein Unbekannter


Vor Gericht gab der 29-Jährige nun an, er sei "in diese Sache hineingeraten", nachdem er Ende 2011 im Internet einen Laptop erworben hatte. Eine unbekannte Person soll ihm angeboten haben, den Rechner günstig zu erhalten, wenn diese Person gelegentlich darauf zugreifen kann. Aus "Leichtgläubigkeit und Blauäugigkeit" sei er auf das Angebot eingegangen, sagte der Angeklagte.

Zum Vorwurf des Gerichts, dass auf dem Laptop bei seiner Festnahme 1870 Bitcoins festgestellt worden waren, gab der Angeklagte an: "Wem die gehören, weiß ich nicht." Er selbst habe nur wenige Bitcoins besessen, die er legal im Internet gekauft habe.

Botnetze und BitcoinsBotnetz: Kriminelle kapern mitunter die Computer anderer Nutzer für ihre Zwecke. Ein Netzwerk solcher Rechner wird als Botnetz bezeichnet. Hacker infizieren die PC und können sie dann aus der Ferne steuern. Die Besitzer merken oft nichts. Botnetze werden verwendet, um Internetseiten mit Massen-Anfragen lahmzulegen, Spam zu verschicken oder mit "Phishing" Zugang zu Online-Banking-Konten zu erhalten.

Bitcoin: Der Bitcoin ist eine digitale Währung, die 2009 im Internet entstand. Bitcoins kann man legal am Computer herbeirechnen. Das sogenannte "Mining" (Schürfen) kostet allerdings viel Rechenleistung und produziert hohe Stromkosten. Kriminelle kapern daher fremde Rechner, um die Kosten auf die Opfer abzuwälzen. Bitcoins können auch regulär gekauft werden. (dpa)
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