3 Million Euro für Fischaufstiegsanlage an der Donau
Teure Treppen

Hinter einem Raugerinne steht in Rennertshofen das Ausstiegsbauwerk der Fischaufstiegsanlage. Für rund drei Millionen Euro wurde diese Fischtreppe errichtet. Dadurch können die Tiere das Wasserkraftwerk Bertoldsheim an der Donau umschwimmen und dabei einen Höhenunterschied von bis zu mehr als sieben Metern überwinden. Bild: dpa
Vermischtes BY
Bayern
18.05.2017
17
0

Für wandernde Fischarten ist an der Donau eine fast drei Millionen Euro teure Treppe angelegt worden. Die Tiere sollen dadurch wieder mehr Bewegungsfreiheit bekommen.

Rennertshofen. (gib/dpa) Das mehr als ein Kilometer lange Bauwerk an dem Wasserkraftwerk Bertoldsheim bei Rennertshofen soll Fischen wie Barbe, Äsche oder dem als Donau-Lachs bezeichneten Huchen ermöglichen, einen Gewässer-Höhenunterschied von mehr als sieben Metern aus eigener Kraft zu überwinden. Bei der Anlage im Kreis Neuburg-Schrobenhausen handele es sich um die aufwendigste Fischaufstiegsanlage an der Donau in Deutschland, teilte die Rhein-Main-Donau AG (RMD) mit. Die 1150 Meter lange Fischtreppe wurde bereits seit einigen Monaten zur Probe betrieben.

In Bayern gibt es nun nach Angaben der RMD noch zwei Engpässe für Donaufische bei Regensburg und Neuburg. An den Kraftwerken Geisling und Bittenbrunn kommen die Tiere bisher nur vorbei, wenn sie durch die Schleusen schwimmen. In Bittenbrunn sollen die Bauarbeiten für eine Fischhilfe beginnen, sobald der Baufortschritt eines für den Hochwasserschutz anzulegenden Flutpolders dies ermöglicht.

Weite Wanderungen


Die bislang teuerste Wanderhilfe für Fische in der Oberpfalz steht am Kraftwerk Pulling (Kreis Cham) am Schwarzen Regen. Sie hat etwa eineinhalb Millionen Euro gekostet, sagt Thomas Ring, Fischereifachberater des Bezirks Oberpfalz. Fischarten legen unterschiedlich lange Strecken zurück, erklärt er. Die Bachforelle etwa bewegt sich nur über kurze Distanzen, Barbe und Schied schwimmen 100 bis 300 Kilometer, Stör und Aal noch wesentlich weiter. Grundsätzlich würden alle Fische wandern, etwa um zu laichen oder um zu ihrem Winterunterstand zu gelangen, erklärt Ring. Das Problem: Heute bestehen Wehre nicht mehr aus Holz, sondern aus Beton - und lassen die Fische kaum durch. Die Durchgängigkeit aller Gewässer sei daher ein wichtiges Ziel.

Zeitplan in Gefahr


Der EU-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 zufolge muss jede Sperre, die die Fischwanderung verhindert, durchlässig gemacht werden, sagt Jürgen Schillinger vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Regensburg. Geschehen soll das bis spätestens 2027.

Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, sei allerdings fraglich. Zum einen müssten sich in vielen Fällen private Betreiber von Kraftwerken und der Bund als Verantwortlicher für Staustufen über die Finanzierung einigen. Mit Fischereibehörden müsse abgesprochen werden, für welche Fischarten die Wanderhilfe gebaut wird. Forschungsmodelle schließlich müssten zeigen, über welchen Weg die Fische in den örtlichen Strömungsverhältnissen den Weg zur Fischtreppe finden.

Schillinger bestätigt, dass der Installierung einer Wanderhilfe an der Staustufe Geisling bei Regensburg eine hohe Priorität eingeräumt wird, da es dort bislang keinerlei Hilfsanlage für Fische gibt. An den Donau-Staustufen in Bad Abbach, Regensburg und Straubing werden zumindest Borstenfischpässe eingesetzt: Die Fische können dort über die Kanu-Schleusen neben den Kraftwerken Höhenunterschiede überwinden. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um eine Zwischenlösung, die noch dazu umstritten ist. Fischereifachberater Ring etwa sagt, dass die Wanderfische die Lockströmung vor den Borstenfischpässen nicht ausreichend spürten - und den Weg dorthin meist nicht fänden.

FischtreppenDas Wasserhaushaltsgesetz schreibt Fischtreppen bei Kraftwerken vor, um die Fischpopulation zu schützen. Neue Anlagen dürfen ohne solche Vorrichtungen nicht genehmigt werden. Alte Wasserkraftwerke müssten in angemessener Frist nachgerüstet werden, heißt es in dem Gesetz, das entsprechendes EU-Recht umsetzt. (gib)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.