90 Jahre Krankenhaus Marktredwitz
Mit dem Krankenhaus auf Zeitreise

Eine Modenschau der Krankenhaus-Dienstkleidung durfte nicht fehlen. Bilder: kro (2)
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Bayern
17.05.2016
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Viele alte Bilder und Dokumente, aber auch Instrumente aus längst vergangenen Tagen zogen das Interesse der Besucher auf sich.

Das waren noch Zeiten: Im Krankenhaus durfte geraucht werden, einmal pro Woche fuhr das Bierauto vor. Besuch bekamen die Patienten dafür nur an wenigen Stunden. Und Väter durften nicht mit in den Kreißsaal.

Marktredwitz. Zu einer medizinischen Zeitreise unter dem Motto "Vom Städtischen Krankenhaus zum Gesundheitscampus Oberredwitz" hatte am Freitagabend das Klinikum Fichtelgebirge in den sogenannten Altbau eingeladen, der 1926 als Städtisches Krankenhaus eingeweiht wurde. Mit diesem Festakt, einer Ausstellung von historischen Bildern und alten Krankenhausutensilien sowie einer etwas anderen Modenschau wurde das 90-jährige Bestehens des Krankenhauses gebührend gefeiert. Anke Rieß und Tobias Schmalfuß von Radio Euroherz moderierten das Geschehen. Martin Schmid, Geschäftsführer des Klinikums Fichtelgebirge, freute sich über die vielen Gäste. 90 Jahre Gesundheitsversorgung bedeuteten eine große Herausforderung, betonte er. In all den Jahren habe sich die Politik stets für eine Weiterentwicklung der sicheren Daseinsvorsorge eingesetzt, bis hin zum heutigen Gesundheitscampus mit vielfältigen Sparten.

Landrat Dr. Karl Döhler verwies auf die Ausstellung, die schon deutlich mache, was sich in den vergangenen Jahrzehnten alles verändert habe. Früher habe es Patientenzimmer mit teilweise bis zu zwölf Betten gegeben, heute seien es maximal drei Betten. Auch die medizinischen Instrumente hätten sich in all den Jahren grundlegend verbessert. "Wenn Sie mal in eine Klinik müssen, dann sind Sie hier bestens aufgehoben", war Döhler überzeugt. "Wir haben einen hervorragenden Gesundheitscampus." Auch Oberbürgermeister Oliver Weigel fand nur lobende Worte für die Fichtelgebirgsklinik, die auch die "blaue Fabrik" genannt werde. Bei den alten Instrumenten in der Ausstellung könne einem ja angst und bange werden, meinte er und erinnerte daran, dass früher in den Patientenzimmern sogar geraucht werden durfte.

Erste Krankengymnastin


In kleinen Interviews schilderten anschließend die ehemalige Krankengymnastin Uta Siegle, die ehemalige Krankenpflegeschulleiterin Rosemarie Eilein und die aktuelle Pflegedienstleiterin Christine Waterloo ihre Arbeit und ihre Eindrücke vom Marktredwitzer Krankenhaus. Uta Siegle war die erste Krankengymnastin überhaupt in dieser Einrichtung und wurde damals "mit Vorsicht" empfangen, erzählte sie. Gelernt hatte sie ab 1961 in Erlangen und viel Neues nach Marktredwitz mitgebracht: "Es war halt eine Pionierzeit." Damals habe das Krankenhaus noch zwei Schweine gehalten, die irgendwann geschlachtet wurden.

Uta Siegles Gatte war übrigens 1971 der erste Mann, der nach einer längeren Diskussion mit dem Oberarzt bei der Entbindung mit dabei sein durfte. "Heute ist dies eine Selbstverständlichkeit", verwies Siegle darauf, dass der Oberarzt stets einen Cognac im Schrank stehen hatte, "für die Männer bei der Geburt". Rosemarie Eilein war die erste Leiterin der Krankenpflegeschule. Zuvor war sie in einem Heim für schwererziehbare Jungs tätig, dementsprechend wurde sie auch in der Pflegeschule angekündigt. Nach einem kurzen und vorsichtigen Abtasten fand sie jedoch schnell den Kontakt mit den Auszubildenden. Sie erinnerte sich, das abends auf den Patientenzimmern mit den Krankenschwestern oft auch mal gesungen wurde, "wenn ich da an die Lisl Schemm denke".

Weniger Zeit für Pflege


Pflegedienstleiterin Christine Waterloo erzählte, dass früher Patientenaufenthalte schon mal sechs Wochen oder mehr dauerten. Der Patient blieb so lange, bis er wieder gesund war. Schmunzelnd erzählte sie, dass zumindest einmal in der Woche auch das Bierauto am Krankenhaus vorgefahren sei. Auf fast jedem Zimmer sei geraucht worden, "die Wände und die Unterlagen, alles war gelb vom Nikotin". Allerdings, die Besuchszeiten waren damals streng geregelt. Heute werde alles professioneller gemanagt, allerdings bleibe immer weniger Zeit für die Pflege selbst, während die Bürokratie immer umfangreicher werde. "Mir macht mein Beruf Spaß", betonte Christine Waterloo dennoch.

In einer Modenschau gab es noch die aktuelle Dienstkleidung des OP-, Pflege- und Küchenpersonals sowie die Hygieneschutzanzüge zu sehen, ehe die Gäste in die Ausstellung und zum kalten Büfett strömten.
Die Wände und die Unterlagen, alles war gelb vom Nikotin.Pflegedienstleiterin Christine Waterloo über frühere Zeiten
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