Acht Jahre I-Phone
Ein Kultobjekt, an dem sich die Geister scheiden

Steve Jobs bei der Vorstellung des ersten I-Phones. Bild: dpa
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Bayern
30.06.2015
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Vor acht Jahren kam ein Gerät auf den Markt, das eine Art Zeitenwende in der Telekommunikation auslöste. Klein mit berührungsempfindlichem Display, Mail- und Kalenderprogramm und trotzdem ein vollwertiges Telefon. Das I-Phone begann seinen Siegeszug, revolutionierte die Internetnutzung. An dem Gerät scheiden sich jedoch bis heute die Geister. Drei Meinungen aus der Online-Redaktion.

San Francisco, 9. Januar 2007: Apple-Mitbegründer Steve Jobs stellt der Weltöffentlichkeit ein kleines Gerät vor: Das I-Phone. Vor genau acht Jahren, am 29. Juni 2007, startete der Verkauf in den USA. Dort hatte die Telekommunikationsfirma AT&T ein exklusives Geschäft mit dem Unternehmen Apple. Im folgenden November konnten Nutzer das Gerät der ersten Generation auch in Deutschland erhalten - zunächst ausschließlich bei der Telekom.

Das Gerät revolutionierte nicht nur die Nutzung des mobilen Internets. Es intensivierte die mobile Kommunikation und stellte die Telefonie in den Hintergrund. Es löste auch einen bis heute umstrittenen Hype aus.


So kündigte Steve Jobs das erste I-Phone an

Acht Jahre und einige Geräte-Generationen später hat sich nicht nur der Vertrieb des Smartphones geändert. Die Bindung an ein einziges Telekommunikationsunternehmen gehört der Vergangenheit an. Die Geräte gibt es mit und ohne Vertrag, beim Anbieter oder im Fachhandel. Und es gibt natürlich längst nicht mehr nur Smartphones von Apple, sondern auch sehr viele Geräte diverser weiterer Hersteller.

Das Betriebssystem des ersten Smartphones hörte damals noch auf den Namen I-Phone OS 1.0. Als Standard gab es erstmals eine virtuelle Tastatur, dazu Kontaktverwaltung, Kalender, Musik-App, Mail, Kamera, Wetter-App und eine Youtube-App. Aus heutiger Sicht mutet diese Ausstattung eher spartanisch an. Auch das Display mit dem 3,5-Zoll-Touchscreen und einer Auflösung von 320 x 480 Pixel war damals revolutionär, löst aber längst keine Begeisterungsstürme mehr aus.

Eines der ersten Werbe-Videos für das I-Phone:

Auch die Werbung für das Smartphone hat im Laufe der Zeit Kultstatus erreicht. Die ersten Werbespots waren noch produktbezogen, spätere Clips setzten mehr auf Lebensgefühl als auf Technik.

Auf das erste I-Phone folgten im Jahresrhythmus weitere Apple-Handys. Bis zum Tod von Steve Jobs am 5. Oktober 2011 verkaufte das Unternehmen rund 150 Millionen Geräte. Das Handy mit dem Apfel war längst ein Kultobjekt. Allerdings eines, an dem sich bis heute die Geister scheiden. Es scheint oft, als gäbe es nur zwei Optionen: Entweder man liebt es oder man hast es.

Und so gibt es auch in unserer Online-Redaktion unterschiedliche Meinungen zum I-Phone:

"Das braucht kein Mensch!"

Christian de Vries, Leiter der Online-Redaktion, erinnert sich an die Zeit des Verkaufsstarts

Sie bleiben nachhaltig in Erinnerung: Die abschätzigen Blicke der näheren Verwandtschaft, als ich mein erstes I-Phone 3 aus der Hosentasche zückte. Das muss etwa sechs Jahre her sein. Und die Meinungen damals waren sehr deutlich: Das braucht kein Mensch, sagten sie. Niemals, sagten sie.

Ich erinnere mich sehr gut, als Steve Jobs in seiner ganz eigenen unnachahmlichen Art das erste I-Phone präsentierte. Während die Verwandtschaft das ablehnte, elektrisierte es im wahrsten Sinne des Wortes die Kommunikationsbranche. Ich ahnte, welches Potenzial hinter diesem Gerät steckte. Und wir scheuten damals keine Mühen, sondern schickten gemeinsam mit meinen Agenturfreunden einen abenteuerlustigen Mann in die USA, ein solches Gerät möglichst rasch zu besorgen.

Es dauerte noch ein wenig, bis ich selbst ein Gerät kaufen konnte. Dann aber waren es gleich zwei, weil der Auftrag meines damaligen Kunden Kommunikation und häufige Kalenderaktualisierungen am Tag erforderte. Mit dem Gerät klappte es. Und es klappte noch viel mehr, denn schon damals nutzte ich mit meinem I-Phone Twitter für eine Live-Berichterstattung einer Veranstaltung, die direkt auf einer Webseite lesbar waren. In der Kleinstadt auf der schwäbischen Ostalb rieben sie sich die Augen über die Aktualität. Ich hatte meinen Spaß. Der Auftrag war am Ende auch noch erfolgreich.

Dennoch waren Fluch und Segen vor einigen Jahren gleichzeitig: Ist es heute schon nahezu selbstverständlich, immer ein Smartphone in der Hand zu haben, um auch häufiger einen Blick darauf zu werfen, war dies vor sechs Jahren nicht der Fall. Die Frau fand es verwerflich; vermutlich tut sie das heute noch. Wir sind nicht mehr verheiratet.

Als Verantwortlicher für die Online-Präsentation unseres Verlages trage ich heute zwei I-Phones mit mir herum, eines ist privat, das andere dienstlich. Nahezu unzählige Apps sind seither auf diesem und jenem ausprobiert worden. Manche werden nach einiger Zeit gelöscht, weil sie sich nicht durchgesetzt haben. E-Mails, Twitter, Facebook und ab und zu auch Whatsapp sind derzeit die meistgenutzten Anwendungen. Seit einiger Zeit messe ich mit einer App meine Fahrradstrecken. Am Morgen lasse ich mich damit wecken.

Es gibt nur noch wenige Menschen in meinem Umfeld, die kein Smartphone nutzen. Ich habe die Entwicklung seither aufmerksam verfolgt. Die Zahl der Geräte übertrifft mittlerweile die Zahl der deutschen Bevölkerung. Und jetzt kommen die ersten smarten Uhren. Das wird weiterhin spannend sein, mit welchen Geräten wir in diesem Internet unterwegs sein werden.

Ach, ja, heute ist es etwas anders: Bruder, Schwägerin, Neffen und Nichten mitsamt ihrer Freundinnen und Freunde sind mit Smartphones auf dem neuesten Stand. Whatsapp und Facebook sind selbstverständlich, E-Mails etwas weniger, E-Bay etwas mehr. Alles ganz normal. Wir reden nicht über die Vergangenheit.

Ich gebe es gerne zu: Ich mag es

Alexander Unger, Mitglied der Online-Redaktion, über sein I-Phone

Ich gebe es gerne zu. Ich mag es. Mein I-Phone. Okay, mein persönlicher Einstieg in die Welt der Smartphones kam spät - sehr spät. Wo andere sich als Jünger der ersten Stunde bezeichnen dürfen, blieb ich noch lange "Außenseiter".

Mein erstes Apple-Telefon war das Modell I-Phone 5. Es hat ein Blackberry abgelöst. Die Entscheidung für einen Wechsel vom "Wipptastenmodell" zum Wisch-Exemplar war leicht. Computer des Herstellers aus Cuppertino stehen schon lange im heimischen Büro. Die Einfachheit der Bedienung und die Zukunftsfähigkeit eines Gerätes waren bei mir schon immer der Grund, warum ich bereit war mehr zu investieren ohne entscheidend mehr dafür zu bekommen. Und natürlich - ich gebe es wieder zu - der Hauch von Exklusivität, der die Geräte umweht hat. "Think different", die legendäre Kampagne hat bei mir gewirkt.

Das Smartphone sollte sich also nahtlos mit allen vorhandenen Geräten synchronisieren können. Kein Umdenken wegen der Tastatur und die ewige Suche nach der @-Taste sollte mich in meiner Kommunikationslust hindern. Alle wichtigen Dokumente, Programme einfach auf dem "Mäusekino" nutzen und sich dabei sofort zuhause fühlen. Das war das Ziel.

Die übelsten Kinderkrankheiten waren ja mit dem fünften Modell ausgestanden. Und die kleinen Weh-Wehchen, die das Gerät noch hat? Egal, an einem Schnupfen stirbt man ja auch nicht gleich. Also her damit. Die Zeiten der Zwangsbindung an einen Telekommunikationsdienstleister sind ja längst vorbei. Freie Netzwahl für freie Smartphone-Nutzer.

Mittlerweile tut das Modell noch immer seinen Dienst. Obwohl bereits mehrere Nachfolger auf dem Markt sind, bleib ich noch dabei. Ich hab ihm sogar eine Hülle gekauft. Damit es sich wohl fühlt in meiner Obhut und mir noch lange treu bleibt. Ich wechsle nicht sofort. Nicht zum neuen Modell, nicht zu Android, und auch sonst nicht. Warum? Mein I-Phone kann, was es soll. Und das kann es gut. Ich mag es.

Warum ich mich nicht mit dem I-Phone anfreunden möchte

Sonja Kaute, Mitglied der Online-Redaktion, findet das I-Phone nicht nutzerfreundlich

Sorry, Chef und Kollege! Ich kann es nicht nachvollziehen. Dass Menschen begeistert vom I-Phone sind. Begeistert vom Smartphone, ja. Ich könnte und wollte nicht darauf verzichten. Ich mag es, diesen mobilen Zugang zur kleinen großen Internetwelt immer bei mir zu haben, in der sich meine Freunde und sehr viele kompetente Menschen tummeln, mit denen ich jederzeit kommunizieren kann. In der ich jederzeit und jederorts abrufbar spannende Inhalte finde. Insofern bin ich dankbar, dass das Smartphone erfunden wurde. Danke und Applaus dafür, Apple!

Aber muss es ein I-Phone sein? Nein, danke. Das Gerät hat für mich im direkten Vergleich überraschend schlecht abgeschnitten.

Mir ist das immer erst einmal suspekt, wenn eine Horde Menschen irgendetwas hinterher jagt. Erst recht, wenn es sich dabei um eine Marke handelt. Bei Apple war das auch so: Ich fand das merkwürdig. Daher informierte ich mich, als es um den Kauf des ersten Smartphones ging, über alle Marken. Verglich Testergebnisse, so gut es ging, dazu Preise, Features. Das Ergebnis war unerwartet eindeutig: Das I-Phone lag erstaunlich weit im Mittelfeld, egal, welche Quelle ich heranzog. Ganz oben lag es nur beim Preis. Der Hype um dieses Gerät spiegelte sich nirgends in den Vergleichen und Tests wider. Ich kaufte ein Samsung-Gerät mit Android-Betriebssystem.

Dem I-Phone habe ich allerdings durchaus eine Chance gegeben, im vergangenen Jahr. Die neue Arbeitsstelle brachte ein Diensthandy mit sich: ein I-Phone. Ich hatte also endlich den direkten Vergleich zwischen Samsung und Apple, zwischen iOS und Android. Am Ende verlore das I-Phone haushoch, wieder.

Drei Dinge gehen mir am meisten auf die Nerven:

Die Möglichkeiten der Individualisierung des Gerätes schmiert gegen Android ab. Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal hörte, der Homescreen des I-Phones lasse sich nicht wirklich individuell einrichten. Ich konnte das erst gar nicht glauben. Doch weder der Homescreen, noch diverse tiefere Einstellungen lassen sich konsequent auf die persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben anpassen. Das bin ich besser gewohnt. Bei Android kann ich mir den Homescreen haargenau so einrichten, wie ich es möchte. So dass alles, was ich oft brauche, ganz ohne wischen und klicken verfügbar ist, in der von mir gewünschten Reihenfolge und Menüführung. Geht doch!
Apples minimalistisches Design nervt. Dieser eine einzige Knopf unten am Gerät, er regt mich auf. Das Design ist ja angeblich so toll, dass man auf den Zurück-Button ganz verzichten kann. Echt jetzt? Was ist denn bitte so schön daran, in jeder Anwendung neu suchen zu müssen, wo man "zurück" kommt? Mal oben rechts, mal unten links, mal gar nicht. Ich mag ihn nicht, diesen einen Apple-Knopf.
Menüführung und Einstellungen sind kompliziert(er). Von wegen Minimalismus und Einfachheit! Bei der Menüführung und wenn es darum geht, Einstellungen vorzunehmen, finde ich das I-Phone viel zu kompliziert. Mir erschließt sich fast nie auf Anhieb, was ich wo einstellen muss und wenn ich etwas eingestellt habe, bin ich mir oft nicht sicher, ob es wirklich das war, was ich wollte.

Mein Fazit
Nutzerfreundlichkeit geht anders. Sicher hat Apple den wichtigen Grundstein gelegt für einfache und optisch ansprechende Handhabung des mobilen Internets. Touch-Screens und Wischfunktion zum Blättern gehören heute ganz intuitiv zum Alltag, niemand denkt darüber noch bewusst nach.

Doch die Ansprüche der Nutzer entwickeln sich stetig weiter und meiner Meinung nach ist das I-Phone nach heutigen Standards wesentlich weniger nutzerfreundlich als mein Samsung-Gerät. Dem direkten Vergleich hält das I-Gerät nicht stand. Die Nachteile wiegen für mich so stark, dass ich mich nicht an das I-Phone gewöhnen möchte. Auch wenn ich es beruflich regelmäßig nutze(n muss).

Apple fände meine Meinung gar nicht gut. Wie der Journalist und Blogger Richard Gutjahr, lange Zeit und nach eigenen Angaben nicht ganz zu Unrecht als "Apple-Fanboy" betitelt, im Oktober bei den Krautreportern schrieb, steht Apple nicht auf kritische Beiträge über die I-Technik und auch nicht auf Vergleiche mit anderen Herstellern. "Als ich ein mitgebrachtes Samsung-Telefon neben das iPhone 6 auf den Präsentationstisch lege, um die beiden Modelle miteinander vergleichen zu können, werde ich von einer Apple-Hostess ermahnt: 'Actually, we don’t want that!' Die junge Frau fordert mich auf, das Konkurrenz-Produkt vom Tisch zu nehmen." So hat er es im Apple-Store erlebt (Link zum Beitrag bei Krautreporter). Vielleicht noch so ein Grund.

Richard Gutjahr bei der Eröffnung des ersten Apple-Stores in Deutschland:




Linktipps


Richard Gutjahr bei Krautreporter: Der Apfel fällt nicht weit vom Bann
Marc Pitzke bei Spiegel online: Eine Woche Apple-Handy: Ich hassliebe mein iPhone
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