AGUS hilft trauernden Hinterbliebenen von Suizid-Opfern - Erfahrungsaustausch und viel ...
Ein Riss geht durch das Leben

Diplom-Psychologe und Psychotherapeut Dr. David Althaus und AGUS-Bundesgeschäftsführerin Elisabeth Brockmann versuchen, Hinterbliebenen von Suizid-Opfern Hilfestellung zu geben. Bild: gis
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Bayern
26.10.2016
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Bayreuth/Bad Berneck. "Nach einem Suizid-Tod fallen Angehörige in ein tiefes Loch. Ein Riss geht durch ihr Leben, das geprägt ist von Trauer, Schuld- und Versagensgefühlen. Nichts ist mehr wie vorher" weiß AGUS-Bundesgeschäftsführerin Elisabeth Brockmann aus ihren langjährigen Erfahrungen im Umgang mit Betroffenen.

Bei der zweitägigen Jahrestagung in Bad Berneck versuchte AGUS (Angehörige um Suizid) wieder Trauernde zu unterstützen, Wege aufzuzeigen, um die schwere Lebenskrise zu bewältigen und neue Sichtweisen auf die eigene Situation zu finden.

"Die Frage, ob Frauen und Männer unterschiedlich trauern, war zentrales Thema der Tagung. Am Samstag, den ein Gedenkgottesdienst abrundete, blieb wieder viel Zeit für Erfahrungsaustausch in kleinen Gruppen, für persönliche Begegnungen, die diese besondere Zeit so wertvoll machen.

In einem heilsamen Rahmen konnten auch Kinder und Jugendliche ihrer Trauer um einen durch Suizid verlorenen Angehörigen Raum geben, sich öffnen, was zu Hause oft nicht möglich ist. "Frauen trauern. Männer arbeiten. Ein Klischee?", fragte Diplom-Psychologe und Psychotherapeut Dr. David Althaus. Er ging den Unterschieden und möglichen Gründen nach und zeigte Wege auf, wie Paare sich in der Trauer näher kommen können.

Doch was ist Trauer, "die dunkle Schwester der Liebe", überhaupt? Althaus: "Trauer ist der Prozess, der Menschen ermöglicht, eine Form von neuem Leben zu finden, wobei aber nicht das Loslassen primäres Ziel ist, sondern die Integration des Verlustes in die eigene Biografie. Trauer nach einem Suizid, oft zusätzlich geprägt von Schuldgefühlen, habe einen besonderen Verlauf. Frauen und Männer trauern oft unterschiedlich. Höchstens zehn Prozent der Betroffenen, die in Althaus' Praxis kommen, sind Männer, so dass die Trauerforschung größtenteils auf der Beobachtung von Frauen basiere, die meist auch für Organisation und Familienleben zuständig seien: "Frauen zeigen mehr Gefühle, Männer wirken oft passiver - weinen nicht - jedenfalls nicht öffentlich - was wiederum als Schwäche ausgelegt werden könnte.

"Aber lassen Sie sich nicht täuschen", so der Psychotherapeut. Auch Männer sind von einem Verlust erschüttert. Manche stürzen sich in die Arbeit, in den Sport - und die Frauen fühlen sich alleine gelassen, enttäuscht, weil der Partner die Trauer nicht teile, so dass sie zu einer immer größeren Belastung werden kann mit gegenseitigen Vorwürfen, Verbitterung und Sprachlosigkeit.

Dennoch kann gemeinsames Trauern gelingen: Voraussetzung dafür seien Respekt, Akzeptanz und gegenseitiges Verzeihen. Denn es gebe keine richtige oder falsche Trauer: "Denn jeder trauert anders", so Althaus. Hilfreich für viele Betroffene ist ein "Ohr, das aushalten" kann, weiß der Referent. Auch die Religion sei in der Trauerbegleitung ein wichtiges Element und für Trauernde oft ein großer Trost. (Hintergrund)
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