Am Vorabend der Parsifal-Festspielpremiere
Poetry-Slam vor Premiere

Die Richard-Wagner-Festspiele werden mit der Oper "Parsifal" eröffnet. Bild: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath
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Bayern
26.07.2016
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Auch ohne roten Teppich gab es am Montag den gewohnten Promiauflauf: Gloria on Thurn und Taxis (links) und Schauspielerin Michaela May (linkes Bild) sowie Regisseur Michael Lerchenberg mit Frau Eva Maria Lerchenberg-Thöny kommen zur "Parsifal"-Premiere. Bilder: dpa

In Bayreuth ist erstmals ein Poetry-Slam zu Richard Wagner inszeniert worden. Viele Wagner-Fans im Publikum waren zunächst etwas irritiert. Doch letztlich wurde die Verbindung aus Pop- und Hochkultur mit viel Applaus aufgenommen.

Bayreuth. Über der winzigen Bühne im Hinterhof einer Wäscherei im Bayreuther Industriegebiet thront eine kleine Richard-Wagner-Figur aus Stein. Es ist der Abend vor dem Beginn der Festspiele mit der "Parsifal"-Premiere. Fanfaren ertönen und ein Mann im giftgrünen Anzug erscheint. "Jetzt mal Hand aufs Herz: Wer von Ihnen war noch nie auf einem Poetry-Slam?", fragt Moderator Michael Jakob in die Runde. Der Großteil des Publikums hebt die Hand. Damit ist der Abend abgesteckt. Es soll ein Versuch werden: Poetry-Slam trifft auf Richard Wagner, Pop- auf Hochkultur. Und das laut dem veranstaltenden Richard- Wagner-Verband Ammersee zum ersten Mal weltweit. Die Regeln sind schlicht: Jeder Poet hat wenige Minuten Zeit, um einen selbst geschriebenen Text ohne Hilfsmittel vorzutragen. Eine spontan bestimmte Jury aus dem Publikum vergibt Punkte, am Ende gibt es einen Gewinner.

Kiffender Pokémon-Spieler


Der Nürnberger Poetry-Slammer "Steven" macht den Anfang: "Ich habe mir mal überlegt wie es wäre, wenn Parsifal krass kiffen würde und Pokémon-Go-Spieler wäre." In den nächsten Minuten entwickelt er eine absurde Story über Parsifal und seine "Kiffer-Dudes" im Wald, mal überschlägt sich seine Stimme vor Erregung, mal setzt er gekonnte Pausen. Beim Poetry-Slam kommt es stark auf die Vortragsweise an. Das Publikum ist irritiert, dann ertönen die Lacher immer häufiger, und zum Ende der fünf Minuten wird der Auftritt mit tosendem Applaus belohnt.

Es ist ein Aufeinandertreffen der Generationen an diesem Abend. Auf der einen Seite Festspielpublikum, Vertreter von Richard-Wagner- Verbänden, Musiker und deren Angehörige. Die Abendgarderobe ist wie bei der Parsifal-Premiere am Montag mit prominenten Gästen wie den Schauspielern Michaela May, Udo Wachtveitl und Michael Lerchenberg sowie Gloria Fürstin von Thurn und Taxis und dem früheren bayerischen Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) eher schick als leger. Auf der anderen Seite die Poetry-Slammer, die jungen Revolutionäre im Literaturbetrieb. Hier darf es auch einmal die kurze Hose und das knallbunte Hawaii-Hemd sein.

"Man kann zu ziemlich jeder Thematik auch Poetry-Slams machen, wir hatten sogar schon Bibel-Slams", erläutert Jakob. Auf diese Weise lasse sich neues Publikum begeistern. Ein Plan, den auch Organisatorin Arabella Hellman verfolgt: "Wir wollten mit dieser Veranstaltung ganz gezielt Wagner auch für ein jüngeres Publikum zugänglich machen. Zeigen, dass Wagner auch Spaß machen kann und nicht immer broternst ist."

2015 erst hat die 32-Jährige mit vier Mitstreitern den Richard-Wagner-Verband Ammersee gegründet. Hellmann selbst ist Blaues Mädchen - also Türsteherin bei den Festspielen - seit sie 18 ist. Sie sind so etwas wie die "Jungen Wilden" im Umfeld der Wagner-Verbände. Horst Eggers, der Präsident des Internationalen Richard-Wagner-Verbands zeigt sich begeistert von den neuen Formaten.

Nach der lustigen "Parsifal"-Nummer ertönt Musik. Die Pausenmusiker der Festspiele sind Hellmanns Einladung gefolgt und begleiten den Abend. Der Bamberger Florian Langbein tritt auf die Bühne und wagt sich an eine Interpretation von "Rheingold". Sein Text: düster und mystisch. Es wird still unter den Zuhörern. Langbein flüstert: "Der Ring ist das Böse. Der Ring ist der Tod."

"Wahnsinn, was das für eine Bandbreite ist", sagt Florian Preußer (22) in der Pause. Der Bayreuther Student ist bei seinem ersten Poetry-Slam. Nach Langbein folgen noch die Poeten Martin Geier und Dietmar Wilgosch. Am Ende gewinnt "Steven" mit seiner "Parsifal"-Persiflage. Der Preis ist ein goldener Becher, der Gral des Bayreuther Wagner-Slams.
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