Amokfahrt in Mittelfranken
Ausbruch vor Gericht

Der wegen Mordes angeklagte Mann bei Prozessbeginn Ende Februar. Bislang hat der psychisch Kranke vor Gericht geschwiegen. Archivbild: dpa
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Bayern
18.03.2016
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Im Sommer schockierte eine Amokfahrt Mittelfranken: Ein Autofahrer erschoss zwei Menschen, zielte auf weitere Opfer. Inzwischen steht er vor Gericht. Für manche Angehörige ist der Prozess schwer zu ertragen - sie verlieren die Fassung.

Ansbach. Emotionaler Ausbruch im Prozess um den mutmaßlichen Amokschützen von Mittelfranken: Die Tochter einer im vergangenen Sommer getöteten 82-Jährigen hat am Freitag im Landgericht Ansbach den Angeklagten angeschrien. Zuvor hatte ihre Schwester als Zeugin ausgesagt, wie sehr die Familie unter dem Tod der Mutter leide. Dabei stockte ihr immer wieder die Stimme, Tränen liefen über ihr Gesicht. Der Vorsitzende Richter Claus Körner unterbrach daraufhin die Verhandlung.

Zwei Menschen tot


Seit Ende Februar muss sich ein psychisch kranker 48-Jähriger wegen zweifachen Mordes vor Gericht verantworten. In dem sogenannten Sicherungsverfahren will die Staatsanwaltschaft erreichen, dass der Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Er soll im Juli 2015 in Leutershausen bei Ansbach die 82 Jahre alte Frau und einen 72 Jahre alten Radfahrer aus dem Auto heraus erschossen haben.

Mein Bruder hat mir gestern erzählt, dass, wenn er am Birnbaum vor dem Haus meiner Eltern vorbeiläuft, er immer meine Mutter da in ihrem Blut liegen sieht.Die Tochter der mutmaßlich vom Angeklagten getöteten Frau


Am dritten Verhandlungstag sagte eine Tochter der 82-Jährigen als Zeugin: "Mein Bruder hat mir gestern erzählt, dass, wenn er am Birnbaum vor dem Haus meiner Eltern vorbeiläuft, er immer meine Mutter da in ihrem Blut liegen sieht." Sie selbst habe monatelang unter Schlaflosigkeit gelitten. Ihr Vater ertrage es nicht, zum Prozess zu kommen, weil er nicht auf den Täter treffen wolle. Im vergangenen Herbst habe das Ehepaar seinen 60. Hochzeitstag gefeiert.

Angeklagter antwortet nicht


Nach dieser Aussage rief die Schwester in Richtung des Angeklagten: "Und was sagen Sie denn jetzt dazu? Sie sitzen nur da, starren vor sich hin und zeigen keine Regung. Wir müssen schauen, wie wir ohne unsere Mutter leben." Verteidiger Benjamin Schmitt sagte darauf, dass sich sein Mandant zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern werde. Ein Urteil in dem Verfahren soll es voraussichtlich Mitte April geben.
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