Angemerkt zum Bahnunglück in Bad Aibling
Lebenslang in Gedanken

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Bayern
16.02.2016
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Lebenslang in Gedanken

Von Alexander Rädle

Seit Dienstagnachmittag gibt es erste offizielle Antworten zum Zugunglück bei Bad Aibling. Wie es zu der verheerenden Katastrophe kam, steht so gut wie fest. Der Fahrdienstleiter hat ein Signal gegeben, das er nach allen Regeln nicht hätte geben dürfen. Was Experten vermutet hatten, scheint bestätigt.

Der Auslöser in Person des Fahrdienstleiters ist ermittelt. Die Ratlosigkeit aber ist geblieben, ja sie hat sich sogar verstärkt. Denn weiter unklar ist, warum der Mann falsch gehandelt hat. Nach bisherigen Erkenntnissen scheidet Vorsatz aus. Ein fataler Irrtum also? Oder ein Blackout, wie so mancher erfahrene Eisenbahner vermutet? Solche Spekulationen sind am Dienstag etwas mehr in den Bereich des Möglichen gerückt. Der Fahrdienstleiter stand weder unter Alkohol- noch unter Drogeneinfluss, hatte 20 Jahre Berufserfahrung.

Möglicherweise wird sich der Mann bei den noch anstehenden Befragungen dazu äußern. Es werden Schadenersatzforderungen und ein Gerichtsprozess auf ihn zukommen. Ein mögliches Strafmaß von bis zu fünf Jahren wirkt gering angesichts der elf Toten, 85 Verletzten und des immensen Sachschadens. Stärker als jede Haft lastet womöglich aber eine andere lebenslange Strafe auf dem Bahnmitarbeiter: Der Gedanke, für den Tod von elf Menschen verantwortlich zu sein.

alexander.raedle@derneuetag.de

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"Die Bilder in den Köpfen meiner Kolleginnen und Kollegen sind nur schwer zu verkraften."

Rosenheims Polizeipräsident Robert Kopp
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