Bastler und Tüftler präsentieren ihre Ideen auf Messen und Ausstellungen
Erfinder lösen kleine und große Alltagsprobleme

Bild: Tom Garrecht
Vermischtes BY
Bayern
03.11.2014
464
0

Wenn die Großmutter eine warme Stube haben will und die Briketts für den Holzofen einfach nicht zerkleinern kann, helfen Tüftler, Bastler und Erfinder mit Problemlösungen. Auf der internationalen Fachmesse "Ideen, Erfindungen, Neuheiten" (iENA) in Nürnberg zeigten Erfinder aus über 30 Ländern mehr als 700 Produkte. Nicht immer steckt hinter Verbesserungen für den Alltag ein großes Unternehmen.

"Wenn es das nicht gibt, dann mache ich es eben selbst.“ Aus dem Mangel heraus entstehen Lösungen für Probleme des Alltags. Auf der Erfindermesse iEna in Nürnberg präsentieren die findigen Köpfe hinter den Produkten ihre Ideen. Nicht immer stecken große Unternehmen oder Universitäten hinter den kleinen Lösungen.


Das Runde muss in das Eckige: Phillip Zemke hat eine Möglichkeit ausgetüftelt, wie beispielsweise ein Kranhaken sicher in einem Schraubstock sitzt. Bilder: uax

Ein Unfall im Betrieb war der Auslöser für Phillip Zemke, unbedingt etwas „besser machen zu wollen“. Der 17-jährige Auszubildende zum Konstruktionsmechaniker wollte sich nicht damit zufrieden geben, dass es so schwer ist, etwas Rundes sicher in einen Schraubstock zu spannen. Ein Kollege im Unternehmen versuchte das Loch eines Kranhakens etwas aufzubohren. In den geraden Metallbacken hatte der runde Haken wenig Halt - zu wenig. Der Haken rutschte ab und der Mitarbeiter verletzte sich mit der Bohrmaschine an der Hand.

Der Vorfall war für Phillip Anlass genug, etwas besser machen zu wollen. Zusammen mit zwei weiteren Kollegen begann er zu tüfteln. Die Arbeit sicherer machen war das Ziel. „Ein Spielzeug aus meiner Kindheit hat mich auf die Idee gebracht, wie es funktionieren kann“, beschreibt Phillip Zemke den „Aha“-Effekt. „Damals gab es so einen Rahmen mit vielen Metallstiften. Wenn man auf der einen Seite etwas hineingedrückt hat, war die Form auf der anderen Seite sichtbar.“

Das Trio aus dem Neumarkter Unternehmen Pfleiderer machte sich ans Werk und hat gemeinsam mit dem Meister getüftelt, wie aus der Idee ein Produkt werden kann. „Das hat schon sechs bis neun Monate gedauert, bis das funktioniert hat. Die Idee war ja schnell da, aber die Umsetzung …“ Mit Versuch und Irrtum - so wie auch Thomas A. Edison - entstand dann nach „neun Fehlschlägen ein fertiges Gerät. „Das war schon frustrierend, wenn wir dachten, es hätte endlich geklappt und am nächsten Tag war dann eine kleine Ölpfütze unter dem Stück. Dann heißt es nochmal“.

Zemke und sein Mitstreiter Timo Inzenhofer, ein 16-jähriger Auszubildender zum Industriemechaniker, haben alle Bestandteile des Produktes in der Werkstatt selbst produziert. „Wir haben sogar Dichtungen für die Hydraulik geschnitten. Immer und immer wieder.“ Die Erfahrungen in Umgang mit verschiedenen Werkstoffen und deren Zusammenspiel beschreibt Zemke als extrem lehrreich für seine Ausbildung. „Da kann man unglaublich viel Erfahrung sammeln.

Mittlerweile ist das Stück im Einsatz - in der Azubi-Werkstatt im Unternehmen. „Ob sich das auch im gesamten Unternehmen durchsetzt oder sogar auf dem Markt kann ich nicht sagen. Ein Gebrauchsmusterschutz ist jedenfalls angemeldet. Es macht einfach Spass, etwas zu entwickeln, das dann auch einen Nutzen hat und im Einsatz ist. Nur wegen einer Urkunde an der Wand? Nein, das macht keinen Spaß“, versichert Phillip Zecke.

Erfinden als Unterrichtsfach


Spaß ist auch das Zauberwort im Erfinderclub „Nussknacker“ am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium in Cham. Wenige Stände neben dem Team von Pfleiderer haben die Schüler einen Stand aufgebaut und präsentieren ihre kleinen oder größeren Alltagshelfer. Studiendirektor Robert Wagenbrenner leitet den Erfinderclub, betreut die Schüler am Stand und hält den Erfindergeist bei den Schülern wach.


Der Erfinderclub "Nussknacker" präsentiert sich bereits zum siebten Mal auf der Erfindermesse "iEna" in Nürnberg.

Seit elf Jahren entstehen am Gymnasium Alltagshelfer jenseits der großen Forschungsabteilungen der Konzerne. „Das Landratsamt ist damals an uns herangetreten und hat uns den Start mit der Aussicht auf eine finanzielle Förderung schmackhaft gemacht.“ Die finanzielle Unterstützung hat sich von Jahr zu Jahr geändert, berichtet Wagenbrenner. „Von 500 bis 2000 Euro war da alles dabei. Mittlerweile ist aber die Förderung ausgelaufen." Das Geld war nötig, um für den Wahlunterricht „Erfinden“ Verbrauchsmaterial zu beschaffen, Standgebühren auf Messen zu bezahlen, und für die Übernachtung der Schüler während der Ausstellungszeiten zu sorgen. „Ansonsten geht es bei uns um den Spaß am Basteln. Man muss kein Mathe- oder Physikgenie sein, um mitzumachen, sondern sich einfach fürs Basteln und Problemlösen begeistern.“

Gemeinsam suchen die Schüler nach Aufgaben für ihren Projekte, um dann eine Lösung zu entwickeln. „Das können einfache Probleme im Alltag sein, die sonst keiner sieht, aber irgendwie nerven.“ Freunde, Familie und Verwandte sind die laut Wagenbrenner die besten Quellen für die Dinge, die „verbesserungswürdig“ sind. In Teams „arbeiten die Schüler anschließend an Lösungen - theoretisch mit Plänen und Zeichnungen, praktisch mit Feile und Zange. "Einen Werkzeugschrank haben wir ja an der Schule. Und wenn es dann mal gar nicht weitergeht, greift schon mal ein Schülerpapa zum Schweißgerät, um für die eine oder andere Erfindung ein solides Stahlgehäuse herzustellen.“ Mit einem „halbwegs vorzeigbaren“ Werkstück geht das Team dann auf die Messen wie die iENA in Nürnberg, auf der die Nussknacker zum siebten mal einen Stand belegen. „Da ist auch schon mal eine Lego-Konstruktion dabei, die eine absenkbare Gondel an einer Hochseilbahn zeigt. Eine echte präsentieren geht dann einfach nicht.“

Warme Wohnstube für die Oma


Alltagsprobleme und die Lösungen dafür gibt es auch in diesem Jahr zu sehen. „Meine Oma hat einen Holzofen, aber nicht genug Kraft, um die Holz-Briketts klein zu machen.“ Yanic und Jonas haben ein Gerät entwickelt, das der Großmutter helfen soll, diese für sie mühsame Arbeit, leichter zu erledigen. „Das dauert sonst ja ewig, bis sie es mal warm hat.“ Die beiden 11-Jährigen setzten sich zusammen, konstruierten ein standfestes Gerät, in das ein Brikett eingespannt und mittels eines Keils gespalten wird. Hand- oder fußbetrieben über einen Art „hydraulische Pumpe". „Wir haben ein Jahr gebraucht, bis aus der Idee ein Gerät geworden ist. Ein Papa hat uns dann mit dem Schweißgerät geholfen.“ Auch wenn es, wie die Schüler zugeben, schon mal frustrierend ist, wenn irgendwas nicht funktionieren will, bremst das den Tatendrang im Team nicht. „Ich hatte immer Vertrauen in die Maschine.“ Die nächste Idee haben die Nachwuchserfinder schon im Kopf. „Aber das verraten wir noch nicht.“


Yanic und Jonas (links) zeigen auf der Messe ihren "Holzbrikett-Spalter".

Ob ihre Maschine irgendwann mal in einem Baumarkt steht, und wie hoch vielleicht mal der Verkaufspreis sein kann, ist für Yanic und Jonas nicht wichtig. „Irgendwas zwischen 50 und 100 Euro - oder so.“ Viel wichtiger ist erst mal die Tatsache, dass Weihnachten vor der Tür steht und Oma ein Gerät braucht, das ihr hilft schnell die Stube warm zu bekommen.

Messen und Ausstellungen als Schaufenster der Tüftler


Die Erfindermesse iENA in Nürnberg ist eine von mehreren Ausstellungen, auf denen Tüftler ihre Produkte zeigen können, um eventuell einen Partner aus der Industrie zu finden, der hilft, das Produkt auch in die Regale und den Alltagseinsatz zu bringen. In München hat sich die "Make Munich“ etabliert. Unter dem Motto „connect, create & inspire“ (Verbinden, erschaffen und inspirieren“ finden sich dort Macher, Tüftler, Bastler und Designer zusammen. Um Spezialisten aus den verschiedenen Bereichen anzusprechen und „wie die Make-Munich-Macher auf ihrer Internetseite schreiben, „schubladenübergreiifend zusammenzubringen" haben sie die zweitägige Messe ins Leben gerufen. Die Premiere im vergangenem Jahr zeigte, dass in der Landeshauptstadt Platz und Interesse ist für Kunst, Musik, Hi-tech-Geräte gemischt mit Vorträgen und Workshops.


In München hat sich die ";Make Munich“" als Schaufenster in die Welt der Tüftler und Erfinder etabliert. Bild: Tom Garrecht

"Es war bombastisch." Organisator Martin Laarmann schwärmt auch am Tag nach der "Make Munich" vom Erfolg der Ausstellung. "Zwischenzeitlich hatten wir Schweißperlen auf der Stirn, weil wir dachten, dass wir wegen Überfüllung zusperren müssen." 3500 bis 4000 Besucher haben laut Martin Laarmann die 57 Aussteller besucht und sich bei 22 Vorträgen und vielen Workshops über Neuerungen informiert. Dranbleiben und Besucherzahlen steigern ist das Ziel für das kommende Jahr. Bei der italienischen "Schwesterveranstaltung" in Rom kommen mittlerweile rund 90.000 Besucher. In den USA öffnet Präsident Barack Obama sogar das Weisse Haus für eine derartige Messe. "Wir wollen in München die deutsche Maker-Hauptstadt werden", betont Martin Laarmann.



Diese „Maker-Bewegung“, die ihren Ursprung in den USA hat zeigt, dass die „Menschen ein Bedürfnis haben, mit ihren eigenen Händen etwas zu erschaffen“. Das Internet mit seinen Do-it-Yourself-Magazinen, Youtube-Videos und Blogs bietet hier eine scheinbar unendlich große Spielwiese für die Bastler und Tüftler jedweder Couleur. Eine praktische Umsetzung der Ideen und ein gemeinsames Arbeiten ist in offenen Werkstätten und sogenannten FabLabs (Fabrikations-Laboren) wie beispielsweise im Fab-lab oder der Siebdruckwerkstatt K4 in Nürnberg möglich.

Schutz des "geistigen Eigentums"


Ob aus allen Ideen ein Produkt wird, das massenhaft über den Ladentisch geht, oder in nahezu jedem Bereich des täglichen Lebens zum Einsatz kommt wie ein Klettverschluss, hängt nicht selten davon ab, ob es gelingt ein Patent oder einen sogenannten Gebrauchsmusterschutz anzumelden. Das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) in München erwartet nach dem Boom-Jahr 2013 auch für 2014 wieder einen Anstieg der Anmeldezahlen der gewerblichen Schutzrechte, Patente, Marken und Designs.

In Deutschland genießt geistiges Eigentum einen hohen Schutz. Das Deutsche Patent-und Markenamt (DPMA) in München leistet seinen Beitrag zum Schutz von technischen und ge­werblichen Innovationen und erteilt, registriert und verwaltet die gewerblichen Schutzrechte – Patente, Gebrauchsmuster, Marken und Designs. Immer mehr Entwickler und Wissenschaftler melden ihre Erfindungen zum Patent an. Dieser Trend, so berichtet das DPMA in seinem Jahresbericht, hat sich auch im Jahr 2013 fortgesetzt. "Dies zeigt, wie wichtig es weltweit für Unternehmen, Institutionen und auch Einzelerfinder ist, sich Erfindungen rechtlich schützen zu lassen."



Die Zuordnung der Patentanmeldungen zu den Bundesländern richtet sich nach dem Sitz der anmeldenden Person, des Unternehmens oder der Institution.