Beim Verein "Zur Linde" kocht der zweite Schützenmeister Roland Reckziegel
Kochschürze statt Schützentracht

Statt am Schießstand steht Roland Reckziegel (mit Marion Kuhn) seit September im Schützenheim in der Küche. Das Experiment mit dem zweiten Schützenmeister als Chefkoch läuft so gut, dass es der Verein nun zumindest um weitere sieben Monate verlängert. Bild: hia
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Bayern
27.02.2016
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Hier kocht der "Vize-Chef": Roland Reckziegel steht weiterhin am Herd der Schützenhausgaststätte. Die "Zur Linde"-Schützen beschlossen, das im September mit ihrem zweiten Schützenmeister begonnene Bewirtungsprojekt auf ein Jahr auszudehnen - mit der Option auf eine weitere Verlängerung.

Speichersdorf. Das Wirtshaussterben macht auch im Speichersdorfer Zentrum nicht Halt: Außer einem Landgasthof, der Flugplatzgaststätte sowie den Pizzerien Gerdas Gaststube und Carpaccio gibt es kaum noch ein Lokal zum Essen gehen oder in dem Vereine ihr Zuhause haben. Vorbei ist die Zeit der Bahnhofsgaststätte, der Gasthäuser "Zur Becki" und "Rotes Ross".

Deshalb haben die Schützen 2015 beschlossen, einen neuen Weg zu beschreiten. Es war ein Experiment mit Reckziegel als Chefkoch und dem Verein, der die Getränke in dem 100 Plätze zählenden Gast- und Nebenraum verkauft. Die bisherigen Erfahrungen sind durchweg positiv.

Bürojob aufgegeben


Jahrelang lag die Last des Kochens und Ausschenkens auf den Schultern der Mitglieder, ein Wirteplan regelte deren Einsatz. Inzwischen hat die Verantwortung der zweite Schützenmeister Roland Reckziegel übernommen. Der Hobbykoch aus Seybothenreuth hat damit seine Berufung gefunden und dafür seinen bisherigen Job an den Nagel gehängt. "Vom Büro in die Sportheimküche - ich konnte und wollte das nicht mehr, wollte frei sein", sagt der 53-Jährige. Seine Entscheidung habe er bis heute nicht bereut. Als Koch könne er kreativ sein und Ideen umsetzen, ohne dass ihm jemand reinrede.

Gekocht hat Reckziegel schon immer gerne. "Ich habe als Kind meiner Mutter über die Schulter geschaut und später viel bei der leider viel zu früh verstorbenen Gemeindeköchin Lydia Schlöger gelernt." Und wenn er damit den Verein noch voranbringen könne und das Vereinsheim außerhalb der Schießzeiten angenommen werde, habe er seine Ziele erreicht. "Ich wollte einfach, dass dieses schöne Lokal nicht leersteht und dass man hier wieder etwas essen kann."

Seit fünf Monaten bietet der Seybothenreuther unter der Woche kleine Speisen an. Unterstützt von Marion Kuhn und Ehefrau Monika kümmert er sich zudem um die Vermietung der Räume und Ausrichtung von Geburtstagen, Taufen, Leichentrunk und Jubiläen. Von Mittwoch bis Sonntag steht auch ein "Schützenburger" auf der Speisekarte, und einmal pro Woche gibt es ein Überraschungsgericht. Als Konkurrenz zu den Wirtshäusern im Ort sieht Reckziegel das Schützenheim aber nicht: Mit dem Landgasthaus "können wir es ohnehin nicht aufnehmen".

Aufgrund der guten Erfahrungen in den ersten Monaten ist der Schützenverein übergegangen, den eigenen Wirte-Plan für das kommende Jahr auszusetzen und auch den Freitag Roland Reckziegel zu überlassen. Die Personaldecke für eine Eigenbewirtschaftung neben dem Schießbetrieb werde nicht größer, erklärt dazu Vorsitzender Christian Bock. Nur noch vereinsinterne Veranstaltungen bleiben in den Händen der "Zur Linde"-Schützen.

Jeden Abend Betrieb


Auch Schützenmeister Norbert Bock steht hinter dem Modell. "Wir profitieren beide davon. Roland geht in seiner Küche auf und wir verkaufen bei mehr Gästen mehr Getränke." Nach dem Tod von Vereinsköchin Lydia Schlöger habe man sich etwas überlegen müssen, da sei Reckziegels Bereitschaft willkommen gewesen. Das Hauptziel sei, dass jeden Abend Betrieb herrsche.

Dafür sorgen auch die Reservisten Speichersdorf, Musikfreunde und die CSU, denen das Schützenheim als Vereinslokal dient. Aber auch bei Schießwettbewerben wie Oberfrankenliga-Rundenwettkämpfe und Gemeinde-Königs-Schießen ist das Schützenheim schon mal rappelvoll. Die Eröffnung der Bogenschießanlage hat einen weiteren Schub gebracht. Mit bis zu 700 Essen mache das schon eine Menge Arbeit, die nicht so einfach zu bewerkstelligen sei, meint Walter. Er und die Mitglieder seien jedenfalls "megazufrieden".
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