Bildung erleichtert Integration

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Bayern
24.08.2016
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Wer durchblickt, hat es leichter. Darum lernen Flüchtlinge in Marktredwitz das deutsche Bildungssystem kennen. Rolf Tropitzsch und zweiter Bürgermeister Horst Geißel erklären, welche Bedeutung Schulabschlüsse für die Zukunft haben.

Marktredwitz. G9, M-Zug, Mittelschule, Hauptschulabschluss, FOS, BOS, Berufsfachschule. Diese Aufzählung ließe sich noch weiterführen. Das bayerische Schulsystem ist kompliziert. Sehr kompliziert sogar. Für Flüchtlinge, die aus Syrien oder Afghanistan kommen und hier Fuß fassen wollen, ist es schier nicht zu durchblicken. Dies ist den vielen Freiwilligen der Helferkreise in der Region seit längerer Zeit bekannt. Deshalb hat der Sprecher des Marktredwitzer Helferkreises, Sebastian Sommerer, eine Seminarreihe auf die Beine gestellt, in der sich Flüchtlinge und Interessierte über die wichtigsten Fragen des deutschen Alltags informieren können. Am 3. September geht es im Katholischen Vereinshaus um das Thema Bildung. Moderator des Vormittags ist Rolf Tropitzsch, der sich zusammen mit seiner Frau selbst Flüchtlingen annimmt. "Wir haben als Referenten Schulamtsleiter Host Geißel gewonnen", freut sich Tropitzsch. Niemand müsse Angst haben, dass ihm ein langweiliger Vortrag blühe. "Nein, wir wollen in einer lockeren Gesprächsatmosphäre alle Themen rund um das Bildungssystem ansprechen. Natürlich können auch Fragen gestellt werden."

Wie Tropitzsch sagt, sprechen einige der in Marktredwitz wohnenden Flüchtlinge mittlerweile hervorragend Deutsch. "Die werden den übrigen Flüchtlingen alles Wesentliche erläutern, so dass auch sie Bescheid wissen." Bildung sei der Schlüssel zur Integration, daher sei ihm dieses Thema besonders wichtig.

Höhere Anforderungen


Allerdings, so Tropitzsch, ist Bildung in Bayern oder Bildung in Syrien nicht unbedingt vergleichbar. "Während die akademischen Berufe einen ähnlich hohen Standard haben, ist vor allem im Handwerk der Unterschied beträchtlich." So mancher Flüchtling, der in seiner Heimat ein Handwerk ausgeübt habe, sei erstaunt gewesen, was für den gleichen Beruf in Deutschland verlangt werde. Tropitzsch ist zuversichtlich, dass die Syrer oder Afghanen sich nach und nach integrieren werden. Vor allem die Kinder hätten beste Voraussetzungen. "Ich kenne einen Jungen, der die zweite Klasse besucht und ein astreines Deutsch spricht. Der managt mittlerweile den Alltag seiner Familie." Außerdem sei der Junge enorm ambitioniert. "Er hat mir gesagt, dass er später einmal Arzt in Deutschland werden will. Und sein Lehrer meinte, dass er dies durchaus für realistisch hält."

Enorm engagiert


Mittlerweile wohnen fast alle Marktredwitzer Flüchtlinge in Wohnungen. Lediglich vier Familien sind noch in den Wohnhäusern in der Krummen Gasse in Lorenzreuth untergebracht. Nach wie vor ist der Helferkreis enorm engagiert. "Es gibt einen festen Kreis von rund 50 Männern und Frauen, die sich der Flüchtlinge annehmen", sagt Tropitzsch. Bei Bedarf stünden aber gut und gerne 100 Helfer bereit.

Dass es nach wie vor Kulturunterschiede gibt, verdeutlicht Tropitzsch anhand eines Erlebnisses, das er vor einigen Wochen hatte. "Ich war werktags an einem Vormittag in einer Familie. Als ich in der Wohnung war, wunderte ich mich, warum die Kinder zu Hause und nicht in der Schule waren. Sie sagten mir, dass die Mutter krank sei und sie sich um den Haushalt kümmern müssten." Die Frau des Marktredwitzer Helfers ermahnte sogleich den Familienvater, dass er sich um den Haushalt kümmern müsse und die Kinder in die Schule gehörten. Auch die Schulpflicht wird ein Thema in dem Seminar am Samstag, 3. September, ab 10 Uhr, im Katholischen Vereinshaus sein.

SeminarreiheJeden ersten Samstag im Monat bietet der Helferkreis ein Seminar für Flüchtlinge und Interessierte an. Organisator ist Sebastian Sommerer. Nach "Bildung" am 3. September stehen "Arbeit" (1. Oktober), "Frauenrechte/Frauenrolle" (5. November) und "Religionsfreiheit" (3. Dezember) auf dem Programm. Eine Anmeldung ist notwendig: anita.berek@marktredwitz.de. (fph)
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